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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 66

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 66 (sequence 82)
Language
German
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und setzt sich, an die Arbeit mit einer inneren Zufriedenheit, die ihn das Höchste empfinden lässt — — Jedes Atom der Tünche erfüllt ihn mit Vergnügen, jeder Hammerschlag mit einer seelischen Wonne. — Und selbstverständlich ist alles, was er macht, so, dass es nicht besser gemacht werden könnte. Eine wahre Meisterarbeit. Und selbstverständlich müssen alle Hausleute über seine Fertigkeit staunen und sich über die Verbesserungen freuen. Und dass er der grösste Sachverständige für Häuser und Realitäten in der ganzen Stadt ist — scheint ihm so klar wie Sonnenlicht. Die Häuser der Reichen mit all ihren Zuthaten sind in seinen Augen nichts, und er würde sie um nichts in der Welt gegen sein Haus eintauschen. Und sein Haus verkaufen? Nicht um Schätze. Das kann er überhaupt nicht fassen, das kann er sich gar nicht vorstellen. Was würde ihm jeder Reichtum nutzen, wenn er so ein Haus, just so eines, nicht hätte? Nur so eines Hauses bedarf auch die Entwickelung seiner Seele — es liegt beim Beth-Hainidrasch und nicht weit vom Hause des Rabbi. Oft empfindet er Mitleid mit den Leuten, die in seiner Nachbarschaft leben und gar kein Haus besitzen ... So ein Leben ohne eigenes Haus, ohne vier Ellen von eigenem Grund und Boden, ist doch in der That kein Leben . . . Und die Leute, welche in schlechten Zeiten ihre Häuser gar veräussern — das ist ihm einfach unverständlich . . . Er denkt zwar nicht oft an seinen Tod, obwohl er nicht mehr jung ist . . . wenn ihm doch hie und da der Gedanke aufsteigt, da erinnert er sich sofort seines Hauses . . . er wird sterben und draussen auf dem Gottesacker begraben werden, und seine Eidame werden mit seinem Hause verfahren, als wenn es das ihrige wäre . . . darob ist er betrübt, ehrlich betrübt . . . Wenn man so mit seinem Hause sterben könnte, da würde er sich ruhig dem Schicksal fügen . . . aber einfach verschwinden und sein Haus einem andern zurücklassen — das ist schlimm . . . Wozu übrigens an das Ende denken? Vorläufig lebt er ja, und das Haus mit den Wänden, mit dem Dache und mit der Rinne ist ja sein ausschliessliches Eigentum. Er sitzt ja drin die ganzen Tage und schaut mit einer inneren Genugthuung auf die Vorübergehenden, als wollte er sagen: Sehet her, meine Verehrten, ich bin Ascher Tobia und das ist mein Haus von Gottes Gnaden! Es ist ja richtig, auch Ihr habet Häuser, aber mein Haus ist halt mein ... es ist auch schöner und besser als das Euere. — Vielleicht gibt's eine Heimkehr nach Zion, denkt er zuweilen, es heisst ja so, und auch der Messias muss ja jeden Tag kommen; und dann müsste er mit allen Juden über jene Papierbrücke — und das Haus . . . vielleicht geschieht ein Wunder und es 66

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