Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 57)
- Language
- German
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Dass all dies durch eine Negation gekommen ist, ist kaum zu begreifen, wenn man nicht nach dem Wesen jener alten Werke sieht, die durch alle Jahrhunderte wie ein eiserner Keif um das Volk sich legten und es doch nicht vermocht haben, alles andere, ich meine das Sehnen nach einer anderen Welt und nach einem weiteren Himmel, zu unterdrücken. Der verrauchte Zorn gegen die Vergangenheit und der heimliche Schwur der freien Geister, einen anderen Weg zu bahnen, wurden im Neuhebräischen wiedergeboren. Wie stark dieses Walten ist, wäre schon daraus zu sehen, dass heute noch, wo alles bei uns umgeschlagen hat, wo das Historische nach seinem Rechte ruft, nach dem Leben des Volkes von sich selbst und auf sich selbst gestellt, unsere wahren Dichter noch immer im Bann dieser grossen Negation stehen, noch immer das am stärksten sagen, was gegen den Strom ist. Es thut weh, dies zu bekennen. Und wahrlich waren die Begründer des Neuhebräischen dazu gedrängt, den Gott der Natur gegen den der Geschichte anzurufen. Man trennte den Stamm von den Wurzeln, um frei wandern zu können, aber was gewesen ist, lastete wie eine Schuld, und diese verstärkte noch mehr die Seelennot. Wo jedes Schaffen aus einer überschäumenden Kraft kommt, aus dem Jauchzen über die Lebensfülle und das Leuchten der AVeit, war das Neuhebräische nur der Drang nach Leben, nach dem unzugänglichen Leben, und die stille Wehmut der Jugend, die nicht jung werden konnte. — Kein Glück und kein Friede war ihr Teil, vielmehr die Bedrängnis eines Abtrünnigen, wenn er auch den Sieg davonträgt. Man war nicht des Kommenden sicher, nicht seiner selbst; das Gefühl, dass schon die nächste Generation nichts mehr von dem wissen werde, was jetzt das Herz erfüllt, dass die Kinder die Sprache der Väter nicht mehr verstehen werden, war nicht dazu angethan, vor dem Ewigen ganz dazustehen. Daher kommt es, dass fast alle Bahnbrecher des Neuhebräischen ein tragischer Zug begleitet, dass sie zuweilen lahm wurden mitten in ihrer Macht; man könnte auch sagen, dass sie lahm wurden durch ihre eigene Macht. Während sie den Segen spendeten, konnten sie der Vereinsamung nicht entgehen; und indem sie Gottes Werk verrichteten, da sie ein neues Schrifttum zu Tage förderten, war ihr Los wie das aller in Israel, die zu schenken und auszuteilen haben. C^StTc Ci2i? CiSi? E2£5? Es£i* CäSS? £s£¥f Es^i? tiSi? Cs£ti? C££tR t^*t C^ü 41