Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 157)
- Language
- German
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die breiten Massen nicht jenes leidenschaftliche Interesse an ihrer ehrfurchtsvollen Konservierung nehmen, deren die Architekturen einer Stadt wie Prag allerdings vollauf würdig wären. So fielen nach dem Umsturz von 1918 eine Reihe prächtiger alter meist barocker Doppelaare der Razzia zum Opfer und es ist bezeichnend, daß das staatliche Denkmalsamt zur Verwunderung aller Fremden die wenigen noch übrigen Stücke durch besondere Tafeln vor gelegentlichem Vandalismus schützen muß. Die gewaltsame Zertrümmerung der barocken Mariensäule auf dem Altstädter Ring, aufweichen, vom städtebaulichen Standpunkt beurteilt, das Husdenkmal überhaupt nicht paßt, gehört hierher, ferner die Beseitigung des Radetzkymonumentes auf der Kleinseite und des Reiterbildes des Kaisers Franz auf dem Quai: Prag hatte freilich wenig Habsburgerbildnisse zu vernichten, denn es hatte zu österreichischen Zeiten in seiner Abneigung gegen die Habsburger keine errichtet. Aber dieses Kapitel hat seine traurige Fortsetzung in der Provinz gefunden, wo man die Abtragung der Denkmäler des großen Kaisers Josef II. verfügte und in Preßburg sogar das prachtvoll am Donauquai aufgestellte Marmordenkmal Maria Theresias vernichtete. Aus konfessionellen Gründen wurden zahlreiche Statuen des hl. Johannes von Nepomuk umgeworfen oder geköpft. Interessant ist es, einen Blick auf alte Prager Stadtprospekte oder Stadtpläne zu werfen. Der berühmte Stadtprospekt von Sadeler aus dem Jahre 1606 zeigt zwischen dem Schwarzenbergpalais und der Burg noch Graben und Brücke. (1614 trat hier durch den Bau des großen Burgportals von Scamozzi eine grundlegende Veränderung ein.) Der St. Veitsdom steht noch inmitten eines Friedhofes, der Turm ist nur durch eine Spitzbo- 149