Mannheim
Compact Memory

Alt-Prager Almanach · 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Alt-Prager Almanach
Volume
1926
Date
1926-01-01
Page
Seite 148 (sequence 156)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9230935-9249770--165-9234504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

befriedigte auch seinen Bedarf nach theatralischem Erlebnis und nicht zuletzt nach Bildung. An Stelle des Kirchenbaues sehen wir heute das Anwachsen von öffentlichen Bildungsstätten einerseits, von Vergnügungsstätten andererseits. Der primitive Profanbau der modernen noch immer sehr kapitalsarmen Zeit hat einen Verfall der Bildhauerkunst zur Folge, die ohne Architektur sich zu keiner wirklichen Größe entfalten kann. Bei den Gebäuden der Legionärsbank und der Riunione versuchte man in lobenswerter Absicht aber mit zweifelhaftem Erfolg den Abbau dieses Mißstandes einzuleiten, während das große Petscheksche Bankgebäude des Skulpturenschmuckes entraten zu können glaubt. Eine zumeist traurige Rolle spielen in Prag die S tadtbildveränderungen infolge politischen Zeitwandels. Während es einer stolzen Nation entsprochen hätte, die Symbole ihrer politischen Beherrscher, zumindest soweit sie künstlerisch wertvoll waren, getrost bestehen zu lassen und daneben selbstbewußt dasjenige zu setzen, wodurch das alte überwunden wurde, glaubte man in Prag alles, was äußerlich an die Habsburgerzeit erinnerte, kurz und klein schlagen zu sollen. Wohl hatte sogleich nach dem Umsturz im Oktober 1918 der tschechische Nationalausschuß den Schutz der Kunstdenkmäler garantiert, aber man konnte freilich von den Tschechen, die an der architektonischen Entwicklung des Prager Stadtbildes im Laufe der Geschichte nur sehr geringen tätigen Anteil hatten, nicht erwarten, daß ein innerer lebendiger Zusammenhang zu den Bauwerken ihrer eigenen Stadt sie vor Übergriffen zurückhalte. Diese Bauwerke, fast vollkommen von fremden, deutschen und italienischen Architekten errichtet, sind nur in wenigen Fällen aus tschechischem Geiste erwachsen. Daher kommt es wohl, daß 148

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.