Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 155)
- Language
- German
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ten Teils der Befestigungswerke und einer Reihe alter z. T. künstlerisch wertvoller Tore entgegen. Das Sandtor und das Vysehrader Tor sind noch erhalten geblieben. Eine wichtige Umschichtung, die ihren Grund in einer geistigen Begebenheit hat, stellt die Aufhebung des Ghettos mit allen ihren für Prag besonders bedeutsamen Folgen dar. Im Assanierungsrayon wurde das Straßenniveau gehoben. Große Straßenzüge entstanden leider gerade in jener unseligen Epoche, in welcher man degenerierte Elemente aller Stile systemlos durcheinandermischte. Es ist dieselbe Zeit, der auch die kläglichen Bauten des Wilsonbahnhofes, des Weinberger Stadttheaters und des sogenannten Repräsentationshauses angehören, eine Zeit, in welcher die Respektlosigkeit vor wirklichen Kunstwerken und der platzende Eigendünkel des Sezessionismus nicht davor zurückscheute, den edlen gotischen Pulverturm durch einen Bogengang an das scheußliche Repräsentationshaus zu verkuppeln. Die Anbringung moderner Skulpturen auf dem barocken Klementinum könnte, wenn sie glücklicher und von empfindsamerer Hand durchgeführt worden wäre, als Mut zum Anachronismus gerühmt werden. Den Renaissancehelm wußten die Jahrhunderte mit dem gotischen Domturm zu vereinbaren. In einer Zeit weniger stabilen Stilwillens dürfte es aber vorsichtiger sein, alten Meisterwerken nicht mit der Moderne zuzusetzen und sich auf ihre Erhaltung zu beschränken. Das Sinken der Religiosität und das Anwachsen areligiöser und antireligiöser geistiger Strömungen hat auch in Prag den Kirchenbau jeder Art zu Gunsten der Profanarchitektur gebremst. Die Kirche war ehemals dem Gläubigen nicht nur eine Erbauungsstätte, sondern sie 147