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Alt-Prager Almanach · 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Alt-Prager Almanach
Volume
1926
Date
1926-01-01
Page
Seite 143 (sequence 151)
Language
German
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20. August 1845 kam auf dem Prager Staatsbahnhof, dem jetzigen Masarykbahnhof, der erste Eisenbahnzug an. Der Bahnhof befand sich damals noch im Grünen außerhalb der Prager Stadtmauern. Die Zufahrt erfolgte auf dem großenjetzt durch Karolinenthal führenden Viadukt, der im Freien lief und noch 1860 reichlich von Baumgruppen umstanden war. Die alte Hybernergasse endete reizend im Freien, beim sog. Hybernertor. Der neue Bahnhof bildete ein ungeheures Attraktionszentrum und riß die Stadtentwicklung gegen den Zizkaberg zu. Karolinenthal nahm einen lebhafteren Aufschwung durch den dort befindlichen Moldaulandungsplatz, der schon im Jahre 1840 ebenso dicht verbaut war wie heute. Ein reizender zeitgenössischer Stich läßt ein Hafenleben sehen, wie wir es heute vergeblich suchen, da die Zufuhr auf den Eisenbahnverkehr überging, und der Landungsplatz allmählich seine Bedeutung verlor. Was die Abgeschiedenheit von den modernen Betriebsmitteln für die Konservierung eines Stadtbildes bedeutet, ist aus der Erhaltung des Hradschins und der Kleinseite zu ersehen.1) Die Unzugänglichkeit des Abhangs zwischen der Burg und dem Kleinseitner Platz für die Straßenbahn und die Abgetrenntheit von den Bahnhöfen hat das moderne Leben von diesem Stadtteil ferngehalten. Die Geschäftswelt findet dort keinen Raum, es gibt keine Hotels, westschechischen Nationaltheater weggenommen wurde, ist dieser Gedanke in den Hintergrund getreten und man zog vor, es durch einige höchst zweifelhafte Modernisierungen zu verkitschen. ]) Bis 1905 verkehrte über die Karlsbrücke die 1875 in Prag eingeführte Pferdebahn. Später wurden verschiedene Versuche gemacht, die elektrische Bahn über die Karlsbrücke zu führen. Da man aber auf der Brücke eine elektrische Oberleitung nicht herstellen wollte, ließ man davon ab. Die einzige Straßenbahnstrecke, die heute durch die Karmelitergasse über den Kleinseitner Platz zur Klarsehen Blindenanstalt führt, kann gottlob diesen Stadtteil ebensowenig in den modernen Verkehr hineinstoßen, wie die Trambahnlinie oberhalb des Hradschins. r43

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