Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 152)
- Language
- German
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halb sich auch der Automobil- und Wagenverkehr auf ein Minimum reduziert. So sind die alten Stimmungen in diesem Stadtteil von seltener Reinheit und die vielen aristokratischen Privatpalais, die nur selten Veränderungen dulden, verankern diese Stimmungen noch tiefer. Es ist wundersam zu sehen, wie die besondere Artung dieser Bezirke nicht nur die alten Häuser, sondern auch die alten Menschen bewahrt. Das zeigt sich deutlich im Verkehr der Leute untereinander und sogar in der Behandlung in den Läden, die ganz anders ist, als jenseits der Moldau. Wie weit das Prag der Altstadt von hier entfernt ist, ersieht man daraus, daß heute noch hier von „in die Stadt gehen", „nach Prag gehen" gesprochen wird. Der Umsturz freilich, der so viele private Palais mit Zentralbehörden belegt hat, hat eine Entwicklung dieses Stadtteils im entgegengesetzten Sinne in gefährlicher Weise begünstigt. Die Modernisierung des Verkehrs steht auch mit der Aufrechterhaltung von Pflanzenanlagen im Kampfe, die es immer schwerer haben, den materialistischen Erfordernissen des Tages standzuhalten. Während sich auf dem Hradschiner Platz, der im 18. Jahrhundert noch völlig kahl und unbewachsen dastand, im Laufe des vergangenen Säkulums eine reizvolle Anlage entwickelte und sich bis heute erhalten durfte, mußten die Bäume, die noch 1791 und späterhin auf dem Graben standen, gefällt werden. Rundum den Pulver türm, den ehemaligen „Müntzturm", gab es noch 1823 Bäume. Ein Blatt aus dem Jahre 1825 zeigt mitten auf dem Roßmarkt vier lange Baumreihen, ähnlich wie Unter den Linden in Berlin. 1848, als die berühmte „slavische Messe" dort stattfand, waren sie bereits verschwunden. Nur einige einfache Laternenpfähle liefen in der Längsachse des 144