Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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nigssproß zu halten, als den er sich bezeichnete. Dann aber hätte ich freilich mein Werk nicht schreiben können. Die Lösung der Frage nach Wahrheit, Unwahrheit überlasse ich also den Historikern, zufrieden, wenn meine Gestalt den Gesetzen dichterischer Wirklichkeit gehorcht und dem Andenken des Dargestellten keine Unehre zufügt, ihm vielmehr in einem höheren als dem juristischen Sinne Recht gibt. Das Wertvolle an der Darstellung, die man bei Graetz lesen mag, liegt nicht in seiner Deutung dieses seltsamen Mannes, sondern im Aufspüren der primären Quellen, durch das er überhaupt erst den Beweis erbringen mußte, daß Reubeni wirklich gelebt hat, keine Fabelgestalt ist, wie Bartolocci, Basnage u. a. in ihren Geschichtswerken vor Graetz erklärt hatten. Die von Graetz zitierten und exzerpierten Quellen (Band IX., Seite VI. ff) führen über ihn hinaus, von seiner tugendhaften Entrüstung zu wirklicher Erkenntnis des Dämonischen, das in Reubeni Gestalt geworden ist. Auch sind seit Graetz weitere Quellen, Reubenis Wirken betreffend, entdeckt und von Dr. Hermann Vogelstein und Dr. Paul Rieger („Geschichte der Juden in Rom", Berlin 1896, Mayer und Müller), einiges auch von Berliner publiziert worden. Ich selbst hatte die Freude, in der vatikanischen Bibliothek, angeregt durch eine Anmerkung in Pastor „Geschichte der Päpste", eine solche, nochunpublizierte, zeitgenössische Primärquelle zu Reubenis Erdenwallen zu finden, im Codex Tizio ,,Historia Senensium" u. zw. im Kapitel ,,Judaeus orator Romam destinatus". Ich habe die zwei auf Reubeni bezüglichen Seiten dieser Handschrift in Rom photographieren lassen und diese Photos der Prager jüdischen Gemeindebibliothek über- 118