Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 123)
- Language
- German
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Lebensgangs meines Helden, allerdings erst vom Jahre 1524 dh. von seinem Auftauchen in Venedig an. Die Jugendgeschichte Davids, mithin der ganze erste Teil meines Romans, ist erdichtet; insbesondere auch seine Abstammung aus Prag, sein Zusammentreffen mit einem andern falschen Messias (Ashcer Lämmlein). Zu dieser Dichtung glaubte ich aus inneren Gründen, nicht bloß aus dem einer windigen licentia poetica, berechtigt, j a mehr als das: verpflichtet zu sein. Es würde zu weit führen, diese Gründe darzustellen. Bemerkt sei nur, daß über die Herkunft Reubenis zwei ganz verschiedene Versionen vorliegen. Er selbst bezeichnet sich in seinem Reisetagebuch (ich habe diese Worte und vieles andere aus seiner Selbstbiographie wörtlich übernommen) als Königssohn aus einem souveränen jüdischen Reiche in Arabien, das übrigens mit verschiedener Deutung der Original- Orthographie bei Graetz Chaibar, bei Kahane Thabor, bei Biberfeld Chabor benannt wird. Graetz dagegen bezeichnet ihn als einen Schwindler und Abenteurer, der seine Berichte über dieses Königreich Chaibar völlig aus der Luft gegriffen hat. (Graetz: „David, der Abstammung nach wohl ein Deutscher dh. deutscher Jude, der eine geraume Zeit in Arabien und Nubien geweilt u. s. f.") Lesern meines Romans brauche ich nicht klarzumachen, welches meine Meinung über die Rolle ist, die Reubeni gespielt hat, und daß ich einen leuchtenden Kern von Wahrheit und bestem Willen inmitten des Geheimnisvollen, das die Figur Reubenis umgibt, anerkenne. Je mehr ich mich in die Lektüre von Reubenis Tagebuch vertieft habe, umso stärker wurde mir dieser Wahrheitskern. Ja, hätte ich noch lange studiert, so wäre ich vielleicht dazu gekommen, den gesamten Bericht Reubenis für wahr, ihn wirklich für den souveränen jüdischen Kö- 117