Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 110)
- Language
- German
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wahrhaftig zu Meister Pech in die Lehre gehen. Wenigstens waren die meisten Prager Tanzlehrer noch zu Ende des 18. Jahrhunderts ausgelernte Schuhmacher, und so sprach der alte Herr Adolar Rehbein wohl die Wahrheit, wenn er sich rühmte, im Schatten der Schusterkugel seinen „Menuett d'amour" und seinen „La France" erlernt zu haben. In den „Materialien zur alten und neuen Statistik von Böhmen", die 1788 bei Kaspar Widtmann zu Prag erschienen sind, finden sich Nachrichten über die zunftmäßig betriebene Tanzmeisterei und dort erfährt man, daß nur die Glieder dieser Gilde berechtigt waren, eine öffentliche Tanzschule zu halten. Der Walzer war verpönt, die Zunft besaß eine lange Reihe eigener Tänze, die eher an die Art von Balletten erinnerten und die sonderbarsten Namen führten. Sehr beliebt war der „Winkelsegen", die Prager Marionet, die eine Folge heftiger unzusammenhängender Sprünge darstellte und der „Pastoren", ein Reigen, welcher mit feierlicher Gebärde und ohne die Damen zu berühren, getanzt wurde. Es gab neunzig solcher Tänze und sie galten gleichsam als Depot der Genossenschaft; ihre Krone war der „Schwerdtobia", bei dem während des Tanzes mit Rapieren manövriert wurde, worin zuweilen auch die zierlichen Frauenzimmer ihre Geschicklichkeit erwiesen. Wer es aber bis zum Meister bringen wollte, mußte in allen neunzig Tänzen zu „arbeiten" verstehen und eine strenge Prüfung vor der ganzen Zunft sollte dies erweisen. Es war Sitte, daß sich der Tanzmeister einen Vortänzer unter seinen Schülern wählte, dem er über die Regeln der Kunst besondere Belehrungen gab. Solch ein Günstling hatte dann den nächsten Anspruch, selbst ein- 104