Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 109)
- Language
- German
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immer, wurde wild, wenn er auf die Streiche, die ihm jene Knaben gespielt hatten, zu sprechen kam; dagegen hörte ich ihn oft von den Tanzvergnügungen seiner Jünglingsjahre schwärmen, von den seligen Zeiten, da zu Prag noch eine richtige Tanzmeisterzunft ihr heiteres Handwerk übte. Mein Vater führte mich zuweilen, an besonders heißen Sommertagen in den roten Adler. Dort gab es ein Gärtchen, wo breitästige Kastanienbäume Schatten spendeten. Und einen niedlichen Springbrunnen gab es da, mit waschechten Goldfischen, der streute in die Augustschwüle seinen kühlen Hauch. Ich bekam Schlagsahne mit Walderdbeeren und durfte die Bilder im „Kikeriki" betrachten. Heimlich guckte ich auch in die ,,Bombe" oder den „Floh", doch dieser literarische Ge- ,nuß war mir verboten. Dagegen konnte ich ungehindert den Erzählungen des Herrn Adolar Rehbein lauschen, habe bis heute viele seiner Anekdoten im Gedächtnis behalten und manche getreulich aufgezeichnet. Ich ehrte und bewunderte den mitteilsamen Greis und es verdroß mich sehr, als er einmal gestand, bei einem Schuster tanzen gelernt zu haben. Seitdem ich einem Adelsball im winterlichen Baumgarten als Zaungast beigewohnt hatte (mein Kinderfräulein trug mich wohlverpackt zum,,Genußplatz" und ließ mich durch eine Lücke der vorgezogenen Gardinen in den Märchengl anz {des Festes blicken) — seitdem hielt ich einen jeden Tanzmeister für die Verkörperung edelster Vornehmheit. Ich ahnte aber nicht, daß in den Maientagen meiner Großeltern und ihrer Geschwister, nur Standespersonen und reichen Bürgern ein „akademischer" Tanzmeister erreichbarwar; der „gemeine Mann" mußte, wenn er die heitere Kunst des Tanzes üben wollte, wirklich und 103