Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 111)
- Language
- German
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mal ein Tanzmeister zu werden. Außerdem gehörte das Erfordernis dazu, ein Prager Bürgerssohn zu sein. Hatte der Prüfling seine öffentliche Probe bestanden und einen Schock Silbergroschen in die Lade getan, so mußte er noch dem ehrenfesten Kollegium sämtlicher Meister mit einer Tafel aufwarten. „Am bestimmten Tage versammeln sich die wirklichen und gerechten Meister in einem Tanzsaale; der Kandidat wird ihnen von seinem Lehrer vorgeführt, der ihm eine Lobrede hält. Dann tanzt er mit jedem Meister einige von jenen Tänzen, die durch das Los bestimmt worden sind. Wenn nun die Probe vorbei ist und der Kandidat durch die vota majora in die Zunft aufgenommen wird, so bilden alle einen Kreis. Zwei hübsche Mädchen stehen ihm als Kranzeljungfern zur Seite und halten Teller mit Zitronen, in deren jede ein Rosmarinzweiglein gesteckt ist. Zwei Junggesellen halten Gläser mit Wein, wovon erst den Meistern und dann den übrigen Mannspersonen ein Labetrunk gereicht wird, während unter das Weibervolk Zitronen verteilt werden. Die Gläser leert man unter beständigem Vivatrufen, überhäuft den Kandidaten mit Glückwünschen und geht dann befriedigt zur wohlbesetzten Tafel." Um das Jahr 1790 gab es in Prag zehn zunftgerechte Tanzmeister, wovon aber nur fünf, eigene Tanzschulen hielten. Unter diesen Vergnügungsräten Altprags gab es einen Müller, einen Handschuhmacher, einen Wagenbauer und sieben Schuster, die nebenbei auch als Fechtlehrer auftraten. Ist es doch bekannt, daß anno dazumal just die Schuhmachergehilfen in der ritterlichen Kunst des Säbelfechtens ihren Mann stellten und so wird es wohl seine Richtigkeit mit der Vermutung 105