Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 104)
- Language
- German
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Ivan Gelinek. Ein von seiner Hand geschriebenes Lautenbuch verwahrt das Prager Landesmuseum. Nach einer Notiz auf S. 23 besaß die Handschrift im J. 1819 der Berauner Dekan Josef Anton Seydl, dem wir auch die näheren Angaben über Gelinek auf der Innenseite des Deckels zu danken haben. Danach war Frater Ivan Gelinek ein Böhme, Ordensgeistlicher des Klosters zum heil. Johannes unter dem Felsen in Prag und jubilierter Priester. Er starb am 26. Dezember 1759 und wurde, 76 Jahre alt, in der vom Abt Aemilian Kotterowsky 1712 in der alten Kirche errichteten Gruft beigesetzt. Auch Dlabacz1) erwähnt Gelinek (Johann) als guten Organisten und besonderen Lautenisten. Er bezeichnet ihn als Bruder des unter dem italienisierten Namen Cervetti bekannten Violinvirtuosen und Organisten Hermann Gelinek, Prämonstratenser von Seelau. Er habe sich meistens in Prag aufgehalten, sei auch da gestorben und wäre bei der Barnabitenkirche und bei St. Wenzel auf der Kleinseite als Organist angestellt gewesen. An Originalkompositionen von Gelinek sind 3 Partien vorhanden, eine in F-dur und eine in G-dur für Laute allein, die 3. und interessanteste Partie,,cum lituis, Violino ac Basso" (für Waldhörner, Violine und Baß) in B-dur ist leider ein Torso, da die separat geschriebenen Parten für die anderen obligaten Instrumente, wie dies bei Ensembles mit Laute so häufig der Fall ist, verstreut worden sind. Dlabacz klassifiziert mit Recht Gelinek als besonderen Lautenisten. Ivan Gelinek ist ein vorzüglicher Musiker, sein Lautenstil hat individuellen, brillanten Zug. Als Kabinettstück feiner Lautenkunst möchte ich insbesondere die Sarabande der G-dur-Suite hervorheben. x) „Versuch eines Verzeichnisses der vorzüglicheren Tonkünstlern in oder aus Böhmen" (aus Rieggers Stat. Böhmens, Prag 1787-94,12. Heft), II.S. 230. 98