Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 93)
- Language
- German
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Unter den verschiedenen Pflegestätten der Lautenmusik nimmt Prag einen bemerkenswerten Platz ein. Es lag gewissermaßen in einem Mittelpunkte, in welchem sich Einflüsse von Süd und Nord kreuzten. Im Süden ging ein sehr bedeutsamer Impuls von Wien aus. Hier wirkte die außerordentliche Musikkultur am kaiserlichen Hofe besonders auf den hohen Adel ein, der dem kaiserlichen Vorbilde folgend Musikkapellen hielt, Kammervirtuosen anstellte und nach französischem Modebeispiel auch persönlich der Laute huldigte. Von der anderen Seite her machte sich der rege Verkehr mit Breslau geltend, einer alten Zentrale der Lautenmusik. Die neufranzösische Kunst besaß hier in einem eingewanderten Franzosen und Schüler Moutons, Philipp Franz Le Sage de Richee, der in Diensten des Johann Baptist Freiherrn von Neidhart stand, einen ausgezeichneten Repräsentanten. Gebürtige Breslauer waren Kropffgans, Sylvius Leopold Weiß (geb. 1686), der größte deutsche Lautenmeister, und sein namhafter Zeitgenosse Ernst Gottlieb Baron (geb.1696). Die nachstehende Darstellung möge als Versuch angesehen werden, vom Stande der böhmischen Lautenmusik um 1720 ein Bild wenigstens in den Hauptumrissen zu bieten.1) Im Mittelpunkte dieser Epoche der böhmischen Lautenkunst steht ein Vertreter des böhmischen Hochadels, dessen Name den Zeitgenossen zumeist in der französi- ') Einen Beitrag zur Geschichte der Lautenmusik dieser Zeit hat der Verfasser bereits im Band 50 der Denkmäler der Tonkunst in Österreich: „Österreichische Lautenmusik zwischen 1650 und 1720" sowie im Beiheft 5 dieser Denkmäler geliefert. Der Denkmälerband enthält Kompositionen von: Johann Gotthard Peyer, Ferdinand Ignaz Hinterleithner, Johann Weichenberger, Wenzel Freih. von Radolt, Graf Logi, de Saint Luc, Herold, Biber, Geoi'g Muffat, Graf Tallard, Berbandizki, das Beiheft solche von Bleistein und Huelse. 89