Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 85)
- Language
- German
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Und das ist wahr. Es ist dort, mein schmerzliches Bildnis, nahe bei der bronzenen Tür, wo der Ring hängt, den der heilige Wenzel trug, als er gemordet wurde. Wir mußten hinausgehen. Ich war bleich und unglücklich, mich wahnsinnig gesehen zu haben, da ich doch so fürchte, es zu werden. Laquedem, erbarmend, tröstete mich und sagte: „Wir wollen keine Denkmäler mehr ansehen. Gegen wir durch die Straßen und betrachten wir Prag. Humboldt sagt, daß es zu den fünf interessantesten Städten Europas gehört." „Sie lesen also?" „Oh! manchmal, gute Bücher, im Gehen.. Lachen sie doch, ich liebe sogar im Gehen." „Was? Sie lieben und sind nie eifersüchtig?" „Meine Augenblicksliebschaften haben den Wert eines Jahrhunderts. Aber zum Glück folgt mir niemand und ich habe keine Zeit, mir jenes Wesen anzugewöhnen, aus dem die Eifersucht entspringt. Lachen Sie doch! Sie haben weder die Zukunft noch den Tod zu fürchten. Man ist des Todes nie sicher. Glauben Sie, daß ich der einzige Mensch bin, der nicht stirbt? Erinnern Sie sich doch an Enoch, an Elias, an Empedokles, an Apollonius von Tyana. Gibt es niemanden mehr auf der Welt, der glaubt, daß Napoleon noch lebt? Und dieser unglückliche Bayernkönig, Ludwig IL! Fragen Sie doch die Bayern. Alle bezeugen, daß ihr großartiger, toller König noch lebt. Sie selbst, vielleicht werden Sie nicht sterben." sjc > s|c #|c Die Nacht brach an und in der Stadt wurden Lichter geboren. Wir gingen wieder über die Moldau, über eine modernere Brücke: 8.3