Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 86)
- Language
- German
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„Es ist Zeit, ein Nachtmahl zu verzehren," sagte Laquedem, ,,das Wandern macht Appetit und ich bin ein starker Esser." Wir traten in eine Herberge, in der Musik gemacht wurde. Es gab da einen Violinisten, einen Mann, der große und kleine Trommel neben dem Triangel bearbeitete, einen dritten, der eine Art Harmonika mit zwei Blasebälgen spielte. Diese drei Musikanten machten einen Höllenlärm und begleiteten trefflich das paprizierte Gullasch mit den gerösteten Erdäpfeln, die mit Kümmelkörnern gemischt waren, und das bittere Pilsner Bier, das man uns aufgetischt hatte. Laquedem aß aufrecht, indem er durch die Schenke wanderte. Die Musiker spielten, dann hörten sie auf. In d en Pausen klangen die Gutturallaute der Gäste auf; alle die Tschechen hatten kugelige Köpfe mit runden Gesichtern und in die Luft schauenden Nasen. Laquedem unterhielt sich mit den Leuten. Ich merkte, daß er von mir sprach. Man betrachtete mich; irgendeiner kam zu mir, schüttelte mir die Hand und sagte: ,,Vive la Frantze!" Die Musik spielte die Marseillaise. Nach und nachfüllte sich die kleine Wirtschaft. Auch Frauen kamen und man begann zu tanzen. Laquedem umfaßte die hübsche Tochter des Wirtes und die Beiden zu sehen war mir wie ein Wunder. Beide tanzten wie die Engel, gemäß der Behauptung des Talmud, daß die Engel Meister des Tanzes seien. Plötzlich packte er seine Tänzerin, hob sie auf und tanzte unter dem Beifall der Anwesenden auf diese Art weiter. Als das Mädchen wieder auf die Beine zu stehen kam, war sie ernst geworden und wie ohnmächtig. Laquedem gab ihr einen jugendlich schnalzenden Kuß. Er wollte seine Zeche zahlen, die einen Gulden betrug. Zu diesem Zweck zog er seine Börse, die Schwester der Bör- 84