Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
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tigsten und bittersten Angriffe gegen das Deutschtum in Verse zu bringen, was wieder die österreichische Regierung nicht hinderte, Kollar zum Professor an der Wiener Universität zu machen. Große Erwartungen knüpften die Tschechen an die Aufnahme, die die Königinhofer Handschrift bei Goethe fand. Der Dichter hatte schon im Jahre 1819 Kenntnis davon bekommen; 1822 brachte ihm Sternberg nach Marienbad die zweibändige Ausgabe: ,,Die Königinhofer Handschrift, übersetzt von Swoboda. Alt-neuböhmisch und deutsch". Goethe bearbeitete die Ubersetzung des Gedichtes ,,Das Sträußchen". August Sauer (dessen „Goethe und Österreich" die Hauptquelle unserer Skizze ist) bemerkt in seiner Einleitung zu dem von ihm neu herausgegebenen Briefwechsel Sternberg-Goethe: ,,Aus der sinnlosen Kontamination zweier volkstümlicher Lieder gestaltete er das Gedicht durch Umstellung der Strophen und Hinzufügung weniger Verse zu einem ergreifenden Gemälde menschlicher Leidenschaft". Goethes Genie bewährte sich auch darin, daß das Gedicht in seiner Fassung sich dem ihm unbekannten russischen Original näherte, das Hanka als Vorlage für seine Fälschung benützt hatte. Goethe hatte sich übrigens vorher mit den serbischen Volksliedern befaßt, die von Talvj (Therese Adelheid Louise von Jakob) übersetzt und herausgegeben waren. Nun sandte er die Königinhofer Handschrift an Fräulein von Jakob nach Halle. Aber es ergab sich keineWeiterung daraus. 1828 sagt Goethe zu Eckermann: „Es ist in der altdeutschen düstern Zeit ebensowenig für uns zu holen, als wir aus den serbischen Liedern und ähnlichen barbarischen Volkspoesien gewonnen haben, Man liest es und interessiert sich wohl eine Zeit lang da- 32