Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
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mehrstenteils Schlesier, Schwaben, Preußen waren, das Bundeslied: Bekränzt mit Eichenlaub die Becher, krönet Die Becher rings umher! Denn wir sind deutsch! Und was noch süßer tönet: Wir sind Westfälinger! So sangen auch die Deutschen in Böhmen. Sie fühlten sich deutsch, aber sie waren auch stolz darauf, Böhminger zu sein, eine durch Geschichte und Natur ungewöhnlich hervorragende Heimat zu haben. In solcher Empfindung schreibt Kaspar Sternberg an Goethe: ,,Der Himmel gönne dem wissenschaftlichen Streben in unserem deutschen Vaterland noch lange Frieden und Ruhe, so wird sich eine Tätigkeit entfalten, wie sie die Welt nur in einem Jahrhundert, nach langer Finsternis, nach Erfindung des Druckes, bei weit geringem Hilfsmitteln erlebt hat." Es kann kein Zweifel sein, daß der katholische Domherr damit das Zeitalter der Reformation meint. Und als es ihm gelungen war, das bildungsfeindliche Widerstreben des Kaisers Franz zu überwinden und 1837 die Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Prag als Präsident zu begrüßen, da sagte er in seinem Kaisertoast im Weißen Saal in der Burg: „Die kalte polarische Teilung ist verschwunden. Nord und Süd, Ost und West sind ineinander verschmolzen: es gibt nur ein Deutschland, wie nur eine Naturforschung, wenngleich sie den ganzen Erdball umfängt — und mir ist vergönnt, noch vor meinem Ende die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches zu schauen." Sternberg war reich, er war gelehrt, lebhaft und tätig. Er begründete die Böhmische Museumsgesellschaft, er füllte sein Palais am Graben — es stand neben dem Deut- 29