Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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nehmen, schreibt er am 2. Juni 1813 aus Teplitz: „Daß Einquartierung jeder Art immer eine Beschwerde sei, davon habe ich zu viel Erfahrung, als daß ich dero freundliches Anerbieten sogleich anzunehmen wagen sollte, doch werde ich nicht verfehlen, sobald ich selbst zu einiger Gewißheit gelange, von meiner Ankunft vorläufige Nachricht zu geben." An den Historiker Woltmann, der von Deutschland her mit ihm bekannt war, schreibt der Dichter am 17. Mai 1815: „Leider senden mich die Ärzte an den unruhigen Rheinstrom; tausendmal lieber hätte ich Sie an der Moldau besucht; es ist denn doch nicht erlaubt, daß ich Prag noch nicht gesehen habe." 1822, zu Pfingsten, schreibt der tschechische Dichter CelakovskJ an seinen Freund Kamaryt: „Wir jungen Zöglinge der Musen freuen uns sehr, daß wir diesen Sommer hier sehen werden — wen? Denke! Goethe. Er hält sich jetzt im Bade auf und will, wie er hierherschrieb, bald Prag und unser Museum besuchen. Als ich das hörte, wendete sich das Herz in mir um." Aber am 10. August desselben Jahres, da Goethes Besuch unterbleibt, berichtet CelakovskJ: „Gestern sah ich hier den deutschen Schriftsteller De la Motte-Fougue mit seiner Frau und Töchtern; die ganze Familie soll Schriftstellern. Wäre doch lieber Goethe gekommen, aber der ist jetzt in Marienbad und übersetzt einiges aus der Königinhofer Handschrift." - So ist denn Goethe nie nach Prag gekommen und es hat daher an einem Anlaß gefehlt, seine Beziehungen zu Prag äußerlich dauernd zu bezeichnen. Nur auf dem Giebel des Neuen deutschen Theaters steht eine Goethebüste (sie wurde von dem seinerzeitigen Direktor der Goldschmiedeschule Otto Mentzel angefertigt); und am Wenzelsplatz steht ein Haus, dessen Fassade mit zwei Reliefmedaillons: Schiller und Goethe geschmückt ist. 22