Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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Brunnenfigur eines barocken Gartens, Abbild eines Abbilds, gewebt aus Fasern, greifbaren Fäden und dennoch wieder wie einst der Gott, nur aus einem Künstler träum. Das alles hast Du gesehen mit kindlichen Augen, Spiegel vergoldeter Pracht und Einsamkeit; in sonnenerfüllten Räumen den Schatten einer Priestergestalt, schwarzes Gewand mit dem weißen Stigma des Malteserkreuzes. Es war kein Mensch von Fleisch und Blut — und auch keine Gestalt der Dichtung, wie etwa der dunkle Domingo, Pfeilerschatten im königlichen Schloß, Schatten eines Baumes im Garten von Aranjuez; der Garten, den Du damals sahst, war gleich weit von Wahrheit und Dichtung, erreichbar durch sonderbare kleine Räume, kühl, erfüllt von den barocken Linien einer Geweihsammlung, den ungefügen Gestalten der Kanonen von Malta; umrahmt war er von Mauer und Wand, an denen sich Gobelins von Efeu und edlen Weinranken ausspannten, überhangen von den grünen Fächern der Platanen, gezeichnet von der Form des Malteserkreuzes, dem schmalen Blütenkelch einer weißen Blume. GOETHE IN PRAG. Heinrich Teweles. ,,Möchten mir es doch Zeit und Umstände erlauben, vor den werten Ihrigen in der Hauptstadt selbst dankbar zu erscheinen," so schreibt Goethe am 29. Mai 1812 an Leopold von Lämel, den Sohn des Prager Bankiers Simon Edlen von Lämel, den er in Karlsbad kennen gelernt hatte. Und als hierauf eine Einladung erfolgt, im Lämelschen Hause (in der Zeltnergasse) Wohnung zu