Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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Es hat aber ununterbrochene Verbindung mit Prag gegeben, vom Jahre 1785 an, als Goethe zum erstenmal Karlsbad besuchte, bis zum 15. März 1832, eine Woche vor seinem Tode, als er den letzten Brief an den Grafen Sternberg und den letzten Brief an den Rat Grüner schrieb. Karlsbad,Marienbad, Teplitz, Franzensbad, wohin Goethe immer wieder kam — bis 1823, dem letzten Jahre, das Goethe in Böhmen gesehen hat—waren die Sammelpunkte der vornehmsten und besten Gesellschaft der Welt, insbesondere der österreichischen und böhmischen. Seine Bedeutung als Dichter, sein Rang als Minister, seine Würde als Mensch machten Goethe oft genug zum Mittelpunkt dieser Gesellschaft, man drängte sich um ihn, man suchte ihn von nah und fern auf. Es kann angemerkt werden, daß besonders katholische Geistliche dem Dichter ihre Verehrung auszudrücken sich beeiferten. So der Zisterzienser Prof. Anton Dittrich aus Komotau, der später in Prag als Professor der Humanitätsklassen wirkte, so der Tepler Ordensgeistliche Professor Zau~ per aus Pilsen, der Regensburger Domherr Graf Kaspar Sternberg. Eine polizeiliche Note — denn Goethe wurde während seines Aufenthaltes in Böhmen streng beobachtet — rühmt ihm nach, daß er eine freundliche Hinneigung zum Katholizismus bekunde. Der erste Prager, den Goethe kennen lernte, war der Weltgeistliche Bolzano, Professor der Philosophie an der Prager Universität, bei der Orthodoxie übel angeschrieben. Seine Lehren der Weltweisheit haben in Prag ziemlich lange nachgewirkt und ihm die Ehre einer Straßenbenennung (am Stadtpark) eingetragen. Dem katholischen Weltgeistlichen folgte dann zwei Jahre später die Familie Lämel,worüber in meinem Buch „Goethe und die Juden" näheres nachgelesen werden 23