Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
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geblieben, aber das tat nichts, denn Deine Kinderseele hat sich mit dem Unvergeßlichen der Schönheit erfüllt; Namen und Zahlen, Bauten und Bilder lösten sich auf zu einem unnennbaren Stoff, zu einem feinen, golddurchsickerten Chaos, aus dem Du das machtest, was Du brauchst, unbekümmert um Herkunft und Zukunft des Geschauten; es wurde Dir ein Zwischenreich, gleich fern von Wahrheit und Dichtung. So hast Du alles erfaßt: die glänzende, glatte Eichentreppe, den Raum mit den stummen Bildern der Großprioren, Leben, bewahrt von Leinwand und Farbe; die Säle mit den eingelegten Fußböden, der goldbraunen Intarsia von Tür- und Fensterfüllung, den Decken von weißem Stuck, Spur und Berührung formender Künstlerhand tragend, den Damastwänden von roter Prunkfarbe, hinfließend wie die Mäntel der Kirchenfürsten; Kamine in den strengen Linien des Empire oder den weichen des Rokoko, mit Majolikaauskleidung, Bronzeamoretten, Goldschnörkeln; Spiegel, Verdoppelung des feierlichen Schweigens, des stummen Glanzes; Kronleuchter und Armleuchter, Wipfel und Zweige gläserner Märchenbäume, in jeder feinen Verästelung Widerschein von Carmin und Gold; endlich die Gobelins, breit ausgespannt, auch Märchen, aber nicht wort- oder glasgewebt, sondern aus Fäden, zu Bildern der Jahreszeiten: Schlittenfahrten, Hasenjagden, Gärten voll klarer und doch wirklichkeitsferner Buntheit, einem Neptun, der ewigen, brunnengeborenen Gestalt, göttlich einst, nur aus dem Stoff des Gedankens bestehend, dann der Idee nachgebildet in Marmor, weiß wie griechisches Sonnenlicht; in Erz, von Patina wie von grünen Algen umhangen; in Farbe auf die Leinwand gelöst, Umriß und Fläche nur mehr; und hier aus verschlungenen Fäden gebildet, bunten Muskelsträngen, 20