Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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langsam, sehr langsam mit den Arbeitern als den dazumal Enterbten unserer Kultur, die schon im nahen Deutschland sich zu organisieren begannen, fühlen lernte. Als Oberwinder, der wiener Arbeiterführer, mit einer Empfehlung von hochgeistiger Seite damals zu mir nach Prag kam, führte ich ihn zu David Kuh, der mit allen demokratischen Salben gerieben war und in seiner Jugend als Märtyrer der Revolution in Ungarn gelitten hatte, um den Empfohlenen nach meiner Meinung zu fördern. Kuh empfing ihn sehr freundlich, suchte ihm aber in einem langen Gespräche beizubringen, daß es gar keine Arbeiterfrage, sondern nur eine Menschheitsfrage gebe. Es sei gestattet, bei dieser Gelegenheit eine persönliche Erinnerung aufzufrischen. Ganz auf mich gestellt, hatte ich mich der sozialen Frage genähert und war einem Rufe der sozialistischen Kreise in Bodenbach, einen Vortrag für ihre Angehörigen zu halten, gefolgt. Ich hatte keinerlei Bekanntschaft mit einem Mitgliede ihrer Organisation, wurde auf dem Bahnhof erst auf ein verabredetes Zeichen hin — ein weißes Sacktuch, das mir aus der Tasche hing — erkannt und über Ort und Stunde des Vortrages orientiert. Als ich meinen Vortrag — er ist in meinem Buche „Wir und die Humanität", dem er den Namen gegeben hat, enthalten — beendigt hatte, dankte mir der Obmann — Götz war sein Name — in warmen Worten, die mich aber lebhaft empfinden ließen, wie stark die Bewegung organisiert sei und wie überzeugt ihre Anhänger mich als einen Auswärtigen betrachteten. „Wir werden es Ihnen nie vergessen," meinte der Redner, ,,daß Sie als Erster aus dem bürgerlichen Lager zu uns gekommen sind, um zu uns zu reden." „Aus dem bürgerlichen Lager"! — Das hat mir lange und viel zu 15