Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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denken gegeben. Aus einem fremden, in den Augen vieler Menschen vielleicht feindseligen Lager! Und ich hatte keine Ahnung davon, ich fühlte mich so ganz als Mitmensch und so gar nicht als Parlamentär in einem Kampfe . . . Gottfried Kinkel war ein im höchsten Sinne nationaler Mann. Er hatte als süddeutscher Demokrat tätig an der Revolution teilgenommen und war auf dem Demokratenkongreß, der 1848 in Berlin stattfand, zum Präsidenten des Zentralausschusses vorgeschlagen. Aber er faßte das Nationale so auf wie es Alois Brinz, der mit Recht einst gefeierte Vertreter des Deutschtums, den Studenten in einer lange nachklingenden Kommersrede empfahl: „Als nationale Stufe zum großen Menschheitsbau, zu dem die Deutschen vor allem berufen sind." Er hatte in den Tagen seiner lebhaften politischen und publizistischen Wirksamkeit vor allem das Los der deutschen Handwerker im Auge, hatte in England, wo er lange deutsche Literatur lehrte, die Arbeiterorganisationen kennengelernt und war in der Schweiz, wo er Kunstgeschichte lehrte, der Zentralbewegung des Sozialismus nahegekommen. Ihm war wirklich die Arbeiterfrage eine Menschheitsfrage und so suchte er auf einem neuen Boden als Weltbürger zunächst die sozialen Bedingungen der Erlösung kennen zu lernen, ehe er sich unserem engeren Kreise zuwandte. Als er nach dem Vortrage im Deutschen Hause mit uns zusammensaß, gab er uns ein Stück Autobiographie zum Besten, die mir als Bekenntnis eines deutschen Mannes und Menschheitskämpfers unvergeßlich bleiben wird. Er erzählte davon, wie er als junger Mann seine urdeutsche Dichtung „Otto der Schütz" geschrieben und dieser Ausdruck jugendlicher Gefühlsregung bald völlig 16