Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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der Festung Spandau, bei der ihn Schurz und die hochgemute Frau Kinkel in vielbesprochener Weise unterstützt hatten, in London seine demokratische Schulung empfangen hatte und der zu den wenigen deutschen Revolutionären gehörte, die in ihrer Entwicklung sich für die soziale, wie für die politische Freiheit einsetzten. Gegen das Herkommen hatte der alte Kinkel sich bei seiner Ankunft in Prag nicht bei den Vertretern der Concordia, die ihn eingeladen hatten, gemeldet, sondern nutzte die Reise, um sich über die sozialen Zustände in Böhmen zu orientieren und zu diesem Zwecke die damals unterirdischen sozialistischen Konventikel aufzusuchen. Verlegen schrieb Kelle an David Kuh, den Obmann-Stellvertreter unserer Vereinigung, am Vortage des angekündigten Vortrags, daß Kinkel wohl längst in Prag sei, aber sich an geheimen Versammlungen der deutschen und slawischen Arbeiterkreise beteilige, ohne sich zunächst um die Concordia zu kümmern. Man muß wissen, daß um jene Zeit, zu Beginn der siebziger Jahre, in unserem deutschen Bürgertum sich noch nicht jene Wandlung vollzogen hatte, die neuestens Dr. Hermann Goldschmidt-Faber in seinem trefflichen Buche über Sterben und Werden des liberalen Bürgertums gekennzeichnet hat. National geschult, mit der Abwehr slawischer VerdrängungsangrifFe beschäftigt, auch zum größten Teil liberale Politiker, hatten wir kein ausgesprochenes Verhältnis zur sozialen Frage, die in der Stille sich ihre Organe geschaffen hatte und die selbst ein Bismarck, ein Heros der nationalen Einheit, so ernst ins Auge faßte, daß er wiederholt die Führer der Bewegung an sich heranzog und für den Beginn der sozialen Gesetzgebung eintrat. Darin war jeder von uns auf sich selbst angewiesen — es war die Zeit, in der das Bürgertum erst 14