Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- 8 (1.12.1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nur der ermessen kann, der schon mal an einem solchen Waldlauf teilgenommen hat. Das Waldlauftraining des Bar Kochba- Frankfurt findet Donnerstag abend um Uhr und Sonntag vormittag um 3410 Uhr vom Ostpark-Cafe aus statt. Näheres, wie auch das Training der anderen Vereine, siehe Vereinsnachrichten. Brief aus Palästina. Liebe Freunde! _--Der Zustand des hiesigen Makkabi ist folgender: Die Entwicklung des Makkabi nach dem Kriege — es gab, wie Ihr wohl wißt, hier auch vor dem Kriege Turnvereine _ begann mit der ersten Tournee der „Hakoah" aus Wien. Dieser Verein, der glaubt, durch seine Reisen die jüdische Jugend des Landes aufzurütteln, brachte das Fußballspiel hierher, natürlich in der gleichen Weise, wie er es in Wien gewohnt war, sodaß der Einfluß von sehr zweifelhaftem Werte war. Man erreichte, daß sich in einer Reihe von Orten Vereine bildeten, die in der Hauptsache Fußball spielten, in welchen nebenbei von einer kleinen Anzahl von Chawerim geturnt wurde. Eine Aenderung brachte die erste Chagigah im Jahre 1924, bei der turnerische und leichtathletische Wettkämpfe stattfanden. Die Vorbereitungen, die auch in Haifa sehr eifrig waren, brachten es mit sich, daß man sich auch mit diesen Gebieten befaßte, so daß ich, als ich kurz nach der Chagigah in Haifa die Leitung der Sportabteilung übernahm, schon ein wenig Verständnis und den guten Willen vorfand. Als Platz diente uns — und es ist bis heute noch nicht besser — der Schulhof des Beth sefer reali, der mit einer starken Petroleumlampe notdürftig beleuchtet wird. Die Geräte sind von der Schule zur Verfügung gestellt und bestehen in sechs Ribstols, die an der Außenwand des Schulgebäudes angebracht sind, zwei Böcken, einem Kasten und Sprunggeräten: der Platz ist, wie meist in Erez Israel, weder eben noch frei von Stein, da sich stellenweise Felsstücke im Boden befinden. Zum leichtathletischen Training benutzen wir den Strand. Mit der Entwicklung dieser Abteilung nahm in Haifa das Fußballspiel an Bedeutung ab, insbesondere da sich hier kein Publikum dafür fand. Vor ca. einem Jahr, während ich mich in Europa aufhielt, fusionierte der Makkabi mit einem anderen hier bestehenden Verein, der im wesentlichen bis dahin Fußball gespielt hatte. Zu dieser Zeit siedelte eine Anzahl von Mitgliedern des „Vivos" aus Budapest nach Haifa über. Die Folge dieser „Invasion und Fusion" war ein starkes Wiederaufkommen des „Kadur regel". So fand ich die Situation bei meiner Rückkehr aus Skandinavien vor. Man konnte eine starke Begeisterung für Leichtathletik und Gymnastik verzeichnen sowie ein großes Interesse für Schwimmen und für Ringen und Boxen. Heute sind wir so weit, daß jedes Mitglied verpflichtet ist, gleichgültig welcher Abteilung es angehört, an wenigstens einer Gymnastikstunde jede Woche teilzunehmen. Die geistige Arbeit eines Vereins muß hier Tennis- — Auto- Wander-Sport Moritz Wagner ■ Kaiserstrasse 21 zz= Schule, aber nicht in den Makkabi; ferner hat der Makkabi hier keine Schüler als Mitglieder, sodaß eine für Jugendabteilung typische Arbeit in Form von Heimabenden etc. nicht stattfindet. Man kommt den hiesigen Makkabivereinen vielleicht näher, wenn man sie vergleicht mit den Turn- und Sportvereinen in Deutschland. Ab und zu finden auch rein gesellige Zusammenkünfte statt, doch haben sie stets eine mehr unterhaltende als erzieherische Bedeutung. Die Schüler werden meist in Zofimbünden (= Scoutbündeii) zu finden sein, denen schätzungsweise ca. 30 % der Schüler in den Städten angehören. Die Zofimbünde haben für diesen Teil der Jugend eine große Bedeutung, da in ihnen gerade als Wesentlichstes Selbsterziehung, Charaktererziehung gepflegt werden. In Haifa bestehen zwei Bünde, von denen ich einen leite. Die wesentlichsten Veranstaltungen sind die ..Pulair' der Kwuzah, des Gdud und des ganzen Schewet. Jede Kwuzah hat neben der allgemeinen Scouterziehung eine besondere Arbeit zu leisten, die sie sich selbst wählt, wie z. B.: Gartenarbeit, Tischlerei, Schlosserei, Samariterwesen (Esra rischonah). oder die Gruppe hat sich eine soziale Aufgabe zu stellen und sie zu erfüllen, z. B. Arbeit im Beth lenah, d. i. die Stelle, wo ankommende Chaluzim wohnen können, solange sie noch keine Arbeit gefunden haben, oder im Waisenhaus, in Kindergärten für Kinder vonPo'alim u. a. Nebenbei finden Wanderungen statt und Chajim bamachaneh (Lagerleben). Jeder Zofe ist verpflichtet, täglich Gymnastik zu treiben; es werden dazu den Rosche kwuzoth (Gruppenführern) eine Anzahl von Uebungen angegeben, die er dann mit seiner Gruppe durchübt, so daß jeder dann für sich üben kann. Zur Zeit ist mein Schewet damit beschäftigt, sich ein Haus zu bauen. Wir haben von der Realschule einen Platz im Garten zur Verfügung gestellt bekommen und bauen nun ein Holzhäuschen, bestehend aus zwei Stuben, einem Vor ratsraum und einer großen Veranda. Das Haus soll als Klubheim dienen, ferner zum Uebernachten von durchwandernden Zofimgruppen etc. Mir scheint für die Jugendlichen im Schulalter diese Form die richtige zu sein. Die Zofim könnten natürlich 'auch innerhalb des Makkabi sein; die Entwicklung hat aber diesen Bünden bisher ihre Selbstständigkeit gewahrt; möglich, daß bei einer festeren Konsolidierung des Makkabi ein Zusammengehen einmal erfolgen kann. Augenblicklich bin ich in Braumana, einem Orte im Libanon, also einer Gegend, die in alter Zeit zu Palästina gehört hatte, heute aber zum französiclien Mandatsgebiet Syrien gehört; es ist eine herrliche Gegend mit viel Wald, der heute in Erez Israel noch sehr fehlt, Aber man sieht gerade an der viel weiter entwickelten Kultur, wozu Palästina gebracht werden kann. In den nächsten Tagen schicke ich an Euch einige Stücke hier gepflückten Bambus, die Ihr. als Stafettenstäbe verwenden könnt. Mit Makkabijmiß! E r n st S i m o n. natürlich ganz anders aussehen, als es zum Beispiel bei Euch der Fall ist. Hebräisch ist die Umgangssprache, ein Kurs in Palästinakunde gehört in die „Mechinoth" der Unser Haifafonds. Haifafonds ist eine Sache, von der wir schon sehr viel hörten, sehr viel sprachen, die wir aber erschreckend wenig in die Tat umsetzten. Haifafonds, Keren Hamigraschim, eine uns selbst auferlegte Pflicht, ein Gebot unserer zionistischen Einstellung. Denn darüber müssen wir uns klar sein, unsere zionistische Aufgabeist nicht erfüllt mit dem Tragen der blauweißen Trikots, geschmückt mit dem Davidstern, unserer zionistischen Aufgabe ist damit nicht Genüge getan. Ihr Endziel besteht nicht im Rekordlauf über die Laufbahn und in der Höchstleistung bei dem Weitsprung. Wir haben größere, bedeutsamere zionistische Pflichten, deren eine die Pfennigsammlung' für das Haifaer Protektorat ist, Wir, die wir von der Bedeutung des Sports und der Leibesübungen überzeugt sind, diese zu schätzen wissen, wir, die wir das große Gebot des Aufbaus unserer nationalen Heimstätte in Palästina erkannt haben, wir haben die verdammte Pflicht, unsere Verbundenheit mit. unseren arbeitenden Brüdern in Palästina dadurch zum Ausdruck