Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- 8 (1.12.1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9530728-9247193-9251246--48-9230903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
_______ BAU KQCMBA Mitteilungen des südwestdeutschen Gaues m deutschen Kreis des Makkabi Weltverbandes Alle Rechte vorbehalten. Einsendungen müssen bis zum 20. jeden Monats im Besitz der Schriftleitung sein. Schriftleitung: Herbert Wolff, Frankfurt a. M., Gwinnerstrafie 34. Carolus 42 010. 1. Dezember 1926 Nr. 8 / Jahrgang 1926 25. Kislew 5687 Der Waldlauf. Besprochen von Fritz Simon, Sportwart des Bar Kochba, Frankfurt a. M. Von allen athletischen Uebungen scheint mir der Waldlauf die erfrischendste zu sein. Er bringt uns hinaus in die Natur, läßt uns unsere Kräfte prüfen, und unsere Glieder strecken. Gesund muß man dazu sein, dann können Trainierte wie Untrainierte daran teilnehmen. Der Lauf darf nicht zur Anstrengung werden. Wenn es eine viertel Stunde lang über den federnden Waldboden dahingeht, dann müssen die Lungen noch ruhig arbeiten, das Herz darf seinen Takt nicht zu sehr beschleunigen, dann wird der Körper nicht einen Augenblick das Empfinden einer Schwäche spüren. Nicht nur Langstreckenläufer sollen den Waldlauf pflegen, sondern auch Kurz- und Mittelstreckenläufer, denn diesen bietet der Waldlauf eine unschätzbare Erholung, von der geistigen Ermüdung des Bahnlaufs. Dem eingefleischtesten Läufer einer Spezialstrecke, auch em^r kurzen, ist es ein leichtes, bei dem langsamen Waldlauftempo mitzulaufen, und gerade die Abweichung vom Gewohnten wird für ihn eine Wohltat sein. Herbst, Winter und Frühjahr verschaffen uns diesen Genuß. Wenn der behäbige Bürger im Sommer langsam durch den Wald gellt, bleiben wir fern. Ein Herzschlag könnte ja seinem Leben ein Ende bereiten, sähe er plötzlich die wilde Jagd im Walde. In den Tagen aber, in denen der Herbstwind das Laub von den Bäumen schüttelt, und die kalte Luft durch jeden Mantel weht, oder wenn gar der weiße Schnee die Erde bedeckt, dann gehört uns der Wald. Kein Mitleidsruf tönt uns von ängstlichen Lippen entgegen, und die Gesundheit unseres YerStandes wird von keinem Philister in Zweifel gezogen. Der Waldlauf ist ein Ergänzungssport wie das Hallentraining. Er stellt die innere Gymnastik dar, d. h. er soll die so wichtigen inneren Organe des Körpers, Herz und Lunge, kräftig und widerstandsfähig machen. Eine bessere Leistung beim Lauf erreicht man durch Warmhalten der Muskeln, deshalb sollten alle Läufer bei Wettkämpfen eine den ganzen Körper erwärmende Ueberkluft tragen. Eine weitere Erwärmung läßt sich durch Einreiben mit einem Massagemittel erreichen, das allerdings nicht zu ölig sein darf, da es sonst die Poren der Haut verstopft und den Schweiß nicht heraustreten läßt. Meistens ist der Waldlauf nur ein Gesundheitslauf, d. h. er hat keinen Wettkampfcharakter, es genügt dann, wenn die Läufer sich einreiben und mit einem wollenen Sweater bekleiden. Die Bewegung des Laufs sorgt für die nötige Erwärmung. BAU KOCHBA FRANKFURT AM MAIN Am Sonntag, den 19. Dezember 1926 veranstalten wir eine Wir treffen uns um 9 Vi Uhr am Restaurant Ducat, Sachsenhausen, Babenhäuser Landstraße 1, Ecke Darmstädter Landstraße (Straßenbahnverbindung Linie 4). Oftmals beobachtet man beim Waldlauf, daß Läufer mit guten Lungen sehr schnell atmen, so daß es ihnen nicht mehr möglich ist, weiter zu laufen, obwohl sie in den Beinmuskeln keinerlei Ermüdung spüren. Dieser Zustand ist auf einen Fehler bei der Atmung zurückzuführen. Jeder Mensch, der einmal länger gelaufen ist, wird gemerkt haben, daß das Einatmen dem Körperleichter fällt, als das Ausatmen. Das ist leicht zu erklären. Steilen wir uns eine Füllfederhalterspritze vor, so wird das Ausfließen der Tinte aus der Spritze durch einen Fingerdruck schwerer gehen als das Einfließen, denn durch das Nachlassen des Druckes wird die Tinte von selbst eingesogen. Ebenso ist es bei der Atmung. Bei jeder Muskelarbeit entsteht Kohlensäure, die durch die Lungen ausgeschieden werden muß. In der Ruhe besteht vollkommenes Gleichgewicht zwischen Kohlensäureentstehung und Ausscheidung. Bei einer größeren Anstrengung des Läufers entsteht entsprechend mehr Kohlensäure,, und das Herz versucht die vermehrte Kohlensäure durch schnellere Schlagfolge der Muskeln in die Lungen zu treiben. Da der nicht auf die Atmung achtende Läufer länger einals ausatmet, staut sich die Kohlensäure in den Lungen. Dies ist der eigentliche Grund der Atemnot, nicht der Mangel an Luft, sondern der Ueberfluß an kohlensäurehaltigem Blut. Aus diesen Ausführungen geht klar hervor,, daß die Ausatmung in derselben Stärke zu geschehen hat, wie die Einatmung. Ich empfehle daher,, beim Lauf in dem Verhältnis vier Schritte aus- und vier Schritte einzuatmen, zu laufen, dann ist das in der Ruhe bestehende Gleichgewicht zwischen Kohlensäureentstehung und Ausscheidung wieder hergestellt. Bei Trainingsläufen ist es gut, das Tempo öfter zu ändern. Der ruhige Dauerlauf soll mit einem schnellen Trippelstil oder einem zügigen Schreitstil wechseln. Danach kann dann bis zur Beruhigung des Herzens gegangen werden. Auch bevor man die staubigen Umkleideräume betritt, soll man sich Zeit bis zur Beruhigung des Herzens lassen, diese läßt sich durch einige Gymnastikübungen verkürzen. Atmet man dann wieder normal, so gehe man sofort in den Umkleideraum. Auf keinen Fall darf man mit der leichten Sportkleidung im Freien stehen bleiben! Wer in der besprochenen Weise einen Waldlauf durchführen kann, der wird frei von den hastenden Eindrücken des Alltags, der schöpft Wohlgefühl aus der anscheinend harten Arbeit, für den ist er ein hoher Genuß, dessen Größe