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Bar Kochba · 1926-08-01 · 4 (1.8.1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1926-1927
Issue
4 (1.8.1926)
Date
1926-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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singen kann, zum Erlernen neuer Lieder kann dann auch der Heimabend verwendet werden. Für die deutschen Lieder gibt es außer der mündlichen Ueberlieferung genügend Bücher, die hebräischen dagegen kann man heute leider nur durch mündliche Ueberlieferung lernen. Ich habe mich mit ganz kurzen und knappen Andeutungen über die Art der Jugenderziehung im Makkabi begnügen müßen, denn eine eingehende Behandlung auch nur einer der aufgeworfenen Fragen würde den Raum eines neuen Artikels beanspruchen, und ich betrachte ja meinen Artikel, wie ich schon erwähnte, lediglich als den Anfang einer Diskussion über diese — die wichtigste — Aufgabe des Makkabi. Das konkrete und nächste Ziel unserer Erziehung — Berufsumschichtung — wird sich erst im Laufe der Zeit und durch die Arbeit der bereits bestehenden und noch entstehenden Gruppen herausbilden, eine eingehende Behandlung dieser Frage halte ich im Augenblick für verfrüht. Eine Erörterung hierüber wird erst möglich sein, wenn die Jugendbewegung im Makkabi, deren Anfänge seit einiger Zeit erst sichtbar sind, sich stärker entwickelt hat. Was wir heute leisten können ist nur ein Anfang die Weiterentwicklung wird die Aufgabe unser Jugend sein. „ßdkoahsGeist"! von Alfred Cahn. Im Makkabi-Weltverband, der Weltorganisation der sporttreibenden Juden streiten seit je 2 Richtungen um die Herrschaft. Die eine davon will nicht vielmehr, als der Umwelt den Beweis bringen, dass auch wir Juden zu den gleichen Rekordleistungen befähigt sind, wie die nichtjüdischen Sporttreibenden. Die andere Richtung erstrebt die körperliche Regeneration der jüdischen Jugend und will dabei die geistige Erziehung gleichberechtigt sein lassen. Der Exponent der Rekordleistungen unter den Juden ist der grosse jüdische Sportverein, die Wiener Hakoah die noch vor kurzem durch ihre Amerikareise die Aufmerksamkeit der ganzen Sportwelt auf sich zog. Die Reise dieser Fußballmannschaft wurde zu einem grossen Erfolg für den Sport unter den Juden. Es ist noch voraus zu schicken, dass in Oesterreich im Gegensatz zu Deutschland die sogenannten „Nichtamateur"-Fussballmannschaffen bestehen, die aus Berufsspielern gebildet sind Man mag zu dem mehr oder weniger verdeckten Berufssport stehen wie man will, man muss die Ehr lichkeit begrüssen, mit der die Oesterreicher s. Zt. das Versteckspielen aufgaben und sich offen zum Berufsspielertum bekannten. "Auch die Wiener Hakoah glaubte diesen Weg gehen zu müssen und nach einer an äußeren Erfolgen reichen Arbeit (sie stand zeitweise an 1. Stelle in der Tabelle der österreichischen Fußballvereine) krönte sie ihren Aufstieg mit der erfolgreichen Amerikareise. Aber jäh folgte die Katastrophe. Die jüdische Nationalelf, als solche erschienen die Hakoahner in der ganzen Welt, sollte die Wiedergeburt des jüdischen Volkes, insbesondere der durch 2000 Ghettojahre missgestalteten Körper demonstrieren. Nach der Rückkehr der Mannschaft aus Amerika stellte es sich heraus, dass der grössere Teil der Spieler dem Drang nach dem valutastarken Dollar unterlegen war und in aller Stille drüben Anstellungsverträge mit amerikanischen, nichtjüdischen Vereinen abgeschlossen hatte. Und nun hebt das Wehklagen an, Verrat, Verrat schreien sie alle, Verrat an der Hakoah, die Euch zu dem gemacht hat, was Ihr heute seid — internationale Fußballgrößen. Aber die so schreien haben den Verrat selbst ermöglicht, sie haben den Hakoah-Geist hervorgerufen, dem der Sport Selbstzweck ist und bei dem die Spieler unbedingt zum Kanonentum erzogen werden mußten. Die Katastrophe mußte eintreten, früher oder später. Wenn ein jüdischer Sportverein, zumal ein nalionaljüdischer, an seine Leute keine weitere Forderung stellt, als daß sie mehr oder weniger zufällig Juden sind, zur Hauptbedingung ihr sportliches Können macht, dann darf sich dieser Verein nicht wundern, wenn diese Menschen, eines Tages einem günstigen Angebot folgend ,zur Konkurrenz" gehen. Denn nichts bindet sie ja an ihre Gemeinschaft, als allenfalls die Höhe des gezahlten Gehaltes oder sonst gewährte wirtschaftliche Vergünstigungen. Jüdisches Bewußtsein ist in den Hintergrund gedrängt, Sport ist ihre Losung und nur ihr sportliches Können ausschließlich ist es, dem sie ihre Stellung innerhalb des Vereins verdanken. Diese Menschen wechseln den Verein wie ein Angestellter, der seine Firma verläßt, um bei einer anderen eine besser bezahlte Stellung zu bekleiden. Wenn wir auch in Deutschland keine offenen Berufs-Sportvereine haben, so liegen die Verhältnisse innerhalb der jüdischen Vereine nicht besser (von den nichtjüdischen Vereinen wollen wir hier nicht reden). Auch hier ist man vielerorts nur auf den Erfolg um jeden Preis eingestellt. Gewiss sucht auch die andere Richtung Erfolge, aber andere — die Erziehung zunfMenschen — und Judentum, Körper und Geist sollen harmonisch ausgebildet und entwickelt werden. Diese andere Richtung ist sich bewußt, daß der Zusammenschluß in jüdischen Vereinen mehr bedeutet, als der Umwelt, den Beweis erbringen zu müßen, daß wir Juden zu gleichen körperlichen Leistungen befähigt sind. Dieser Beweis ist hundert und aber hundertmal gebracht. Dieser Vorfall in unserem Wiener Bruderverein sollte uns eine Lehre sein, er ist symbolischda für wie wir unsere Erziehungsarbeit nicht einstellen sollen. Mehr wie an ihrer Vereinsorganis Tfion ist die Handlungsweise der betreffenden Spieler Verrat an der Makkabi-ldee. Für uns hat die körperliche Betätigung ihre Grenzen, wo sie zum Selbstzeck wird. Der diesjährige Turntas des deutschen Kreises im Makkabi Weltverband steht vor der Tür, diesmal brauchen wir nicht darüber zu diskutieren, ob dieser oder jener Weg besser zum Ziel führt. Der „Hakoahgeisl" hat endgültig abgewirtschaftet, wir hoffen, daß dieMakkabim in Deutschland und in aller Welt sich auf sich selbst besinnen. Beim Turn tag des deutschen Makkabikreises in Leipzig am 22. August sind nur Inhaber der Mitgliedskarte des Makkabi-Weltverbandes, die bis August einschließlich mit Monatsmarken geklebt uud mit Namen, Geburtsdatum und Verein versehen sind, stanberechtigt. Unser Sporltraining. Wenn wir heute den Trainingsabenden unserer Leichtathleten beiwohnen, so können wir erst richtig ermessen, daß die Platzfrage für uns eine Lebensfrage war und wieviel Dank wir der Stadt schuldig sind, die unseren langjährigen Wünschen das richtige Verständnis entgegenbrachte. 60—70 Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen bevölkern Montags und Donnerstags unseren idyllisch gelegenen Sportplatz im Oslpark und widmen sich unter berufener Anleitung einem intensiven Training. Mancher größere Sportverein Frankfurts wäre stolz darauf, an seinen Trainingsabenden eine gleich stattliche Anzahl Aktiver bei der Arbeit zu sehen. Nicht leicht war es für manchen unter uns, der aus derTurnbewegung hervorgegangen ist, sich vollkommen auf den Sport umzustellen, dies trifft in erster Linie für die geübteren Geräteturner zu. Die gesündere Betätigung in frischer Luft, die gleichmässige Ausbildung des ganzen Körpers durch die besonders bei uns gepflegte Gymnastik hat auch ihre letalen Gewissensbisse zerstreut, und wir finden gerade in diesen ehemaligen Turnern heute die eifrigsten Sportler, die routiniertesten Techniker. Zunächst aber muß es uns darauf ankommen recht viele junge Leute heranzuziehen und ihnen die Möglichkeit zur körperlichen Betätigung zu geben. Hierfür eignet sich der Sport in erster Linie, besonders für uns Juden, die wir für das Geräteturnen mit geringen Ausnahmen wenig prädestiniert sind. Einen richtigen Laufstil einen korrekten Wurf oder Sprung kann man auch dem Ungeübtesten plausibel machen und er wird seine Freude daran haben, wenn ihm die richtige Ausführung schon nach ganz kurzer Zeit gelingt. Das Gleiche gilt für die Gymnastik, sehr schnell wird er diese einfachen Uebungen, die nur auf Zweckmässigkeit eingestellt sind, beherrschen, ganz im Gegensatz hierzu steht das Geräteturnen, da die ein-

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