Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- 1 (5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorot für Inserate! £^9 stehen dadurch vor der Tatsache, daß diejenigen Makkabi vereine, die sich nicht eindeutig auf bestimmte Ziele eingestellt haben, die schlechtesten in jeder Beziehung sind. Im letzten Jahre entstanden eine Reihe neuer Sportsgruppen, teilweise initiiert von dem für seine Existenzberechtigung immer mehr fürchtenden Frontbund, andernteils. als Sportgruppen der neutralen jüdischen Jugend vereine gegründet. Soweit diese „neutral-jüdischen" Vereine die allgemeine Erziehung der zu ihnen kommenden jungen Menschen — körperlich und geistig — erstreben, ist dagegen nur wenig einzuwenden. Dort aber, und das trifft erfahrungsgemäß vielfach zu, wo nur Wert auf sportliche Ertüchtigung und Erzielung von Höchstleitstungen gelegt wird, müssen wir — und damit kommen wir zum Kernproblem unserer Ausführungen — diesen neutraljüdischen, aber sinngemäß angewandt auch den zionistischen Turn- und Sportvereinen die Existenzberechtigung absprechen. Es gibt weder zionistisches Turnen noch Sport, weder zionistischen noch jüdischen 100 Meter-Lauf noch Schwimmen, wie es ebensowenig deutsches Turnen oder Sport gibt. (Wohl kennen wir Turnen nach in Deutschland oder Schweden üblichen Methoden.) Aber es gibt Turnen und Sport unter Juden bezw. Zionisten, d. h., unter gleichfühlenden und gleichdenkenden Menschen, Menschen mit gleichen Idealen undrealen Zielen, die nach planmäßigen Methoden Erziehungsarbeit treiben wollen und die körperliche Ertüchtigung der Jugend als einen Teil der Gesamtauf gäbe ansehen. Nie kann und darf der Sport, alleiniger Zweck eines jüdischen Vereins sein, ein solcher Verein verliert das Recht, sich jüdisch zu nennen; er kann genau so gut Nichtjuden aufnehmen und seine Mitglieder können sich sportlich mindestens eben so gut in den anderen nichtjüdischen Vereinen betätigen. Der Zusammenschluß in einem rein jüdischen Verein ist ein Bekenntnis zum jüdischen Volke und dieses Bekenntnis zwingt uns in jedem Falle eine Stellungnahme zu jüdischen Fragen auf, es muß konsequent gehandelt zum bewußten Judentum führen. ■ 1 Frankfurt am Main ®<s>® ■ j Günstige Bezugsquelle aller Ariikel ■ für Mode, Luxus- und Hausbedarf. S ■ ■ ■IBIBliBB ■ ■ ■ B H B B ■ B ■■ 0 ■■■■■■■■ B ■■ Hl ■ ■ n Eine sonderbare Begründung, die aber auch einen bedauerlichen Mangel an Verständnis für die inneren Zusammenhänge zeigt, leistete sich kürzlich der Vorsitzende eines jüdisch-neutralen Turnvereins: „Wir sind neutral, weil wir uns um die geistige und politische Einstellung unserer Mitglieder nicht kümmern, sondern nur Sport treiben." Und auf die Frage, ob das nicht jeder Jude auch in nichtjüdischen Vereinen haben könne, und dazu brauche man eigentlich keinen jüdischen Verein, sagte er: „Wenn es unter den Juden nur gute Sportler und Turner gäbe, allerdings, aber leider gäbe es unter uns sehr viele Schwache, und um den anderen nicht die Körperschwäche der Juden zu zeigen, müsse man vorläufig sich in jüdischen Vereinen zusammenschließen." Wir wollen zum besten der Anhänger des jüdisch-neutralen Sportes annehmen, daß sie sich diese Begründung nicht zu eigen machen. Uns muß die jüdische Jugend leid tun, die bei solchen Ansichten eines Führers vergessen wird, daß sie die Zukunftshoffnung des jüdischen Volkes ist. Und damit kommen wir zur Judenfrage überhaupt. Wenn wir zu der Erkenntnis gekommen sind, daß es Aufgabe der jüdischen Sportvereine sein muß, die körperliche und geistige Ertüchtigung der jüdischen Jugend zu pflegen, dann kommen wir zu dem Schluß, daß nur die Jugend Trägerin der Makkabiidee sein kann und muß und wir müssen anstreben, ein Teil der großen jüdischen Jugendbewegung zu Averden; im engsten Zusammenhang mit den bereits bestehenden jüdischen Jugendbünden. Die Jugend hat das Vorrecht und ist die Trägerin der Arbeit, die Aelteren, soweit sie überhaupt aktiv sind, scheiden aus der inneren Arbeit aus und übernehmen allenfalls die beratende Stimme. Die Arterienverkalkung, die wir heute bei vielen alten. Vereinen sehen, ist nur eine Folge davon, daß entweder die Pflege und Heranziehung des Nachwuchses versäumt wurde oder einige Kowedjäger eifersüchtig darüber wachen, daß man sie für unentbehrlich hält. Wir kommen nochmals zu unserem Kernproblem zurück. In Verkennung der erzieherischen Aufgabe der jüdischen Turn- und Sportvereine haben wir die Methoden der deutschen Vereine übernommen und betreiben die Neuaufnahmen von Mitgliedern, insbesondere Erwachsenen, von dem alleinigen Gesichtspunkte ihrer sportlichen Tüchtigkeit aus. Menschliche, auch moralische Qualitäten rücken in den Hintergrund, krassester Vereinsegoismus, die Sucht nach dem Sieg um jede n Preis, nach öffentlichen Erfolgen, erzeugt, eine üble Atmosphäre unfairen Sportes. Aus dem Kampf um die Ehre des Sieges an sich, ist der Kampf um den materiellen Wert des Sieges geworden; wertvolle Bezahlung in mehr oder weniger offener Form verwischen den Wert der sportlichen Erziehung. Alles was über das Maß der notwendigen körperlichen Ausbildung hinausgeht ist von Uebel. Nicht Erziehung zu Höchstleistungen — zum Kanonentum — ist unser Bestreben, sondern die körperliche und geistige Ertüchtigung der Massen der jüdischen Jugend, der Zukunftshoffnung des jüdischen Volkes — Volkssport im wahrsten Sinne des Wortes. Reise nach Rlainz. Kölner Sporlfilm in 4 Akten, 370 Km lang. Die bis zum glücklichen Ende äusserst spannende Handlung beginnt mit der Abfahrt der 12 berühmten Leichtathleten vom Stamme Bar-Kochba. Da kommt wie ein drohendes Ungewitter der Stammeshäuptling noch hinzu und nun schlägt's wahrhaftig 13. Guter Rat ist teuer, einer muss sich opfern und zurückbleiben, denn die Zahl 13 bedeutet nichts Gutes. Nach langer heisscr Debatte stellt man fest, dass 1 Häuptling und 12 Leichtathleten noch lange nicht IS Mann sind und fährt guten Mutes in die Nacht. Die nächsten Bilder zeigen uns das Lager- und Fahrtenleben der Schar. Die eine Hälfte singt, die andere spielt und die dritte schläft. (Wir bezweifeln die Wahrheit djeser Schilderung. Die Red.) Der Zug rollt durch die Nacht . . . Nach viel- Zahlt Sure Beitrüge pünktlich! Postscheckkonto 57033 Stadtu, Üniv.-Bibl. 1 Frankfurt/Main ■P bHH