Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-12-19 · 51/52 (19.12.1930) · p. Seite 737

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
51/52 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
Seite 737 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9241542--11385-9223440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 5'/52 Das Jüdische Echo 737 Die Stimme der Botschaft an die „Wizo“ von Prof. Dr. Chaim Weizmann An die Weltorganisation Zionistischer Frauen London Der Wizo kann nach zehnjähriger Tätigkeit der Dank und die Anerkennung der zionistischen Bewegung für ihre Leistung ausgesprochen werden, denn sie hat eine Lücke im Programm des Aufbaues von Erez Israel füllen geholfen. Durch ihre Tätigkeit wurde die Erziehung der Frau in Palästina zu einer wertvollen Mitarbeiterin ermögmöglicht. Die Wizo tut gut, auf ihrem Wege konsequent fortzufahren, denn ein weites Arbeitsfeld liegt noch vor ihr. Mehr und mehr erkennt der Jischuw und die Zionistische Organisation die Nützlichkeit dieser erzieherischen Tätigkeit an, die nicht nur die Frauen Palästinas, sondern im wachsenden Maße auch die Galuth erfaßt und Zehntausende bisher unbeteiligter iüdisehcr Frauen organisiert hat. Dies drückt sich in den Resolutionen des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation und des Administrative Committee der Jewish Agency aus, und es ist zu hoffen, daß die Frauen für ihre speziellen Arbeitsgebiete eine entsprechende Vertretung in den offiziellen Körperschaften erringen werden. Der Wizo ist ein organisches Wachstum und kontinuierliches Ansteigen ihrer Leistungsfähigkeit für diesen wichtigen Teil des Aufbaues von Erez Israel zu wünschen! Chaim Weizmann. Aus unseren Anfängen Von Dr. Nadja Stein (Berlin) Wir entnehmen diesen Aufsatz dem soeben aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Wizo“ erschienenen Sammelwerke „Zehn Jahre Wizo“, herausgegeben von Dr. Martha Hoffmann, Wien. 1920. Langsam beginnt man* nach den furchtbaren Schlägen des Krieges den Kopf wieder zu erheben und um sich zu sehen. Es geht viel vor in der jüdischen Welt. So wahnsinnig Grauenhaftes, aber gleichzeitig so tröstlich Erhebendes, wie es das Judentum seit langem nicht erlebt hat. Von Palästina herüber klingt begeisternd die Kunde von den heldenhaften Taten der allen Schwierigkeiten trotzenden einströmenden Pioniere. Gruppen von Chaluzim und Chaluzoth kommen durch die Hafenstädte. Jedesmal, wenn ein Dampfer unter dem hinreißenden Gesang der Hatikwah eine neue Schar enthusiastischer Palästinarekruten wegträgt, erneuert sich in den Abschiedwinkenden das heilige Gelöbnis, auch ihrerseits mit ihrem ganzen Sein und Können für das Werden von Erez Israel einzustehen. Palästina gewinnt eine Leuchtkraft, die jeden Juden bezwingt. Leider sind es nicht allzu viele, die sich von ihr ganz erfüllen lassen. Es finden sich jedoch einige Frauen, die es nicht ruhen läßt, die, teilweise schon seit den Herzl-Tagen, um die Erlösungsformel wissen. Sie gehen als Pionierinnen zu den Lauen und Gleichgültigen, sie versuchen, die Unkundigen aufzuklären, sich selbst in jüdischen und palästinensischen Problemen zu orientieren und vor allem von Anfang an auch etwas Praktisches zur Förderung des Aufbaues zu unternehmen. So beginnt in Rumänien, wo ich damals jüdischen Frau weilte, wie in vielen anderen Ländern, sich der Kern der Frauenorganisation zu bilden,, deren Lebenszweck Erez Israel heißt. Ein wenig mitleidig müssen wir heute die naive Art belächeln, in der dieser Frauenverband an praktische Palästina-Arbeit heranging. Da ich damals in erster Linie für die Pläne verantwortlich war, die wir ausheckten, gilt das „Ankreiden“ vor allem mir selber. Ich hatte mir die Frage vorgelegt, was eine alleinstehende Frau, die in das noch unwirtliche Land einwandert, zunächst benötigen würde, und hatte mir in der Überlegung einer europäischen Städterin gesagt, daß dies ein wohnliches, bescheidenen Mitteln angepaßtes Heim sei, nach genossenschaftlichen Grundsätzen geleitet, in das sie nach der Berufsarbeit des Abends zurückkehren könne, um im Kreise von Gesinnungsfreundinnen ausruhen und neue Kraft zu finden. Für dieses herrliche Projekt traf ich auf das vollste Verständnis meiner Vereinskolleginnen, und dank der Hilfe von Frau Selma Marguerite Margulies konnten wir bald beglückt den ersten Schritt zur Verwirklichung verzeichnen: Sie erstand für uns ein Grundstück von vier Dunam„ am Abhang des Karmel gelegen, und mit Feuereifer begannen wir nun, Geld für den Bau des Heimes zu sammeln. An der Zweckmäßigkeit und Vortrefflichkeit unserer Unternehmung kamen uns nicht die geringsten Zweifel. Daß wir den Bauplan mit einem bekannten palästinensischen Architekten durchberaten hatten und so über die fachgemäße Ausführung des Werkes beruhigt sein konnten, erschien uns als das wichtigste. Zum Glück wurden wir noch rechtzeitig eines Besseren belehrt. Für den Sommer 1921 lud uns die „Wizo“ ein, Vertreterinnen zu einer Weltkonferenz zionistischer Frauen zu entsenden, die sie in Karlsbad anläßlich des ersten Zionistenkongresses der Nachkriegszeit abhalten wollte. Wir wußten schon von den von London ausgehenden Bestrebungen zur Zusammenfassung der zionistischen Frauen aller Länder, standen schon in Korrespondenz und begrüßten mit Freuden die gebotene Gelegenheit, uns mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern zu treffen und uns über unsere Arbeitssorgen auszusprechen. Daß wir ernsten, sachlichen Rat und Führung finden und durch unseren Eintritt in den Weltverband uns in unserer Arbeit umzustellen haben würden, das ahnten wir nicht. Aber die „Wizo“ verstand ihre Aufgabe. Überrascht und befriedigt erfuhren wir von der großen Vorarbeit, die von den Einberuferinnen der Konferenz, fast durchwegs englischen Zionistinnen, geleistet worden war. Plastisch traten uns zum erstenmal in sachkundigen Referaten, die von Augenzeugen (u. a. Frau Edith Eder) gehalten wurden, die Lage und die wahren Bedürfnisse der Chaluzoth entgegen, und die Begegnung mit Palästinenserinnen wurde uns zum Erlebnis. Nie wird der Eindruck verwischt werden, den damals die Persönlichkeit und die Mitteilungen von Chanah Meisel-Schochat auf uns machten. Nun erst ging es uns auf, wie sehr uns sachgemäße Orientierung gemangelt hatte, was alles an Detailkenntnissen erforderlich war, bevor man an praktische Pläne für Palästina gehen konnte, und wie sehr wir auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen waren, wenn wir das uns geschenkte Vertrauen nicht enttäuschen wollten. Ein genossenschaftliches Heim für arbeitende Frauen der Stadt hatten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.