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Das jüdische Echo · 1930-12-19 · 51/52 (19.12.1930) · p. Seite 735

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
51/52 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
Seite 735 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51/52 Das Jüdische Echo 735 gen auf die Juden abzulenken und etwaigen Pogromen nicht nur keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen, sondern sie sogar als geeignetes Ablenkungsmanöver ausdrücklich zu unterstützen. Jedoch soll Vorsorge getroffen werden, daß die Leitung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei keineswegs mit diesen Aktionen irgendwie in Verbindung gebracht werden kann. Die Pogrome sollen so gut vorbereitet werden, daß sie den Charakter „spontaner Aktionen“ tragen. Den Gauleitungen ist daher der Auftrag erteilt worden, die zuverlässigsten und erprobtesten Mitglieder der Sturmabteilungen für die Pogrome einzuselzen, damit die Parteileitung für den Fall von Verhaftungen Gewähr dafür hat, daß die Verhafteten vor Gericht nicht verraten, daß sie im parteiamtlichen Auftrag gehandelt haben. Um den Plan der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei nach außen hin zu decken, soll bei jeder Gelegenheit, auch gegenüber den Behörden, versichert werden, daß die Nationalsozialistische Arbeiterpartei eine Truppe zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sei und sich jederzeit dem Staat als Hilfspolizei zur Verfügung stellen werde.“ Festvorstellung und Gesellschaftsabend der jüdischen Altershilfe Professor Albert Einstein und Generalkonsul Eugen Landau haben als Vorsitzende der jüdischen Altershilfe Groß-Berlin zu der Feier des Gründungstages der jüdischen Altershilfe für Sonnabend, den 13. Dezember, in die Staatsoper und in die Festsäle bei Kroll eingeladen. Die jüdische Altershilfe Groß-Berlin ist bekanntlich eine Institution für individuelle Fürsorge, sie hilft unter sorgsamster Schonung der Persönlichkeit Verarmten, die durch den Wirtschaftsumschwung vermögenslos geworden und durch ihr Alter nicht mehr in der Lage sind, sich ihren Unterhalt zu verdienen, aber von der öffentlichen Wohlfahrt nicht erfaßt werden. Der Einladung leistete eine ungewöhnlich große Zahl von Persönlichkeiten der jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft Folge. Die Staatsoper brachte den „Fidelio“ zu einer eindrucksvollen Aufführung. Unter anderem sprach Reichsinnenminister Severing. Schächtverbot im Hessischen Landtag abgelehnt Darin stadt, 12. Dezember. (JTA.) Der letzten Sitzung des hessischen Landtags lag ein Antrag des nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Werner gegen das Schächten vor. Auch die hessischen Tierschutzvereine hatten in einer Eingabe entsprechende Forderungen gestellt, während eine Eingabe der hessischen Synagogengemeinden für eine Beibehaltung des Schächtens eintrat. Der zuständige Ausschuß hatte die nationalsozialistische Forderung abgeschwächt. In der Aussprache führte der Antragsteller Dr. Werner aus, daß er trotz des Ausschußbeschlusses auf seiner Forderung nach Verbot des betäubungslosen Schächtens verharre. Ein grundsätzliches Verbot des Schächtens sei gar nicht beantragt, wohl aber sei die vorherige Betäubung der Schlachttiere gefordert. In der Abstimmung gelangte der Ausschußantrag zur Verhütung von Tierquälerei zur Annahme, so daß mit dieser Annahme die Schächlverboteingaben ihre Erledigung fanden. Die Wünsche der Tierschutzvereine waren damit abgelehnt. Dr. Cäsar Seligmann 70 Jahre Frankfurt a. M. (JTA.) Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, ein Führer des religiösen Liberalismus in Deutschland, vollendete am 14. Dezember sein 70. Lebensjahr. Er wurde 1860 zu Landau (Pfalz) geboren, wurde 1889 als Prediger an den Tempel in Hamburg berufen und folgte 1902 einem Rufe als Gemeinderabbiner nach Frankfurt a. M., wo er bis heute wirkt. 1910 verfaßte er ein „Israelitisches Gebetbuch“, das weit über die Grenzen der bisherigen Reformbestrebungen in Deutschland hinausgeht. 1913 erschien seine deutsche Haggadah für den Sederabend. An der Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland nahm er ebenso hervorragenden Anteil wie später an der Begründung der Weltunion des liberalen Judentums. Abgewehrter Angriff gegen die Schechita im englischen Parlament London, 14. Dezember. (JTA.) Im Unterhause fand die zweite Lesung des von dem Konservativen Oberstleutnant Moore eingebraebten Gesetzes über das Schlachten von Tieren statt, über den Paragraph 6 des Entwurfes, durch den Juden und Mohammedanern die Erlaubnis erteilt wird, das Schlachten von Tieren nach den Vorschriften ihrer Religion vorzunehinen, entspann sich eine lebhafte Debatte. Der Abgeordnete für Sheffield, Marshall (Labour- Party), nahm scharf gegen die Zulassung dieses Paragraphs Stellung. Er erklärte, der Gedanke der Humanität dürfe durch politische Rücksichten nicht beeinträchtigt werden. Auch Rev. G. Lang, ebenfalls Mitglied der Arbeiterpartei, wandte sich gegen die zugunsten der Juden und Mohammedaner vorgesehenen Ausnahmen und beantragte die Ablehnung des Gesetzes. Gegenüber diesen Angriffen verteidigte Waller Guinness (kons.) den Gesetzesantrag und erklärte, der Antragsteller Col. Moore habe durch die Aufnahme der Ausnahmebestimmungen zugunsten der Juden politische Einsicht bewiesen. Auch vom Standpunkt der Humanität sei gegen den Paragraph 6 nichts einzuwenden, da die jüdische Methode der Durchtrennung der Halsschlagader eine ganz andere Wirkung habe als die gewöhnliche Schlachtmethode. In seinem Schlußwort erklärte Col. Moore, es sei in diesem Augenblick nicht klug, sich in einen Kampf gegen religiöse Grundsätze irgendeiner Gemeinschaft einzulassen. Das Gesetz passierte sodann unverändert, also unter Beibehaltung der Ausnahmebestimmungen zugunsten der Schechita, die zweite Lesung. Einstellung der Einwanderung nach Amerika Jüdische Einwanderung Juli bis Oktober 1930 Washington, 10. Dezember. (JTA.) Die Immigrationskommission des Repräsentantenhauses hat mit acht gegen fünf Stimmen den Gesetzentwurf zur Einstellung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten während der nächsten zwei Jahre angenommen. Eine Ausnahme ist nur zugunsten jener Frauen und minderjährigen Kinder legal zugelassener Ausländer vorgesehen, denen seitens der amerikanischen Konsulate ihrer Herkunftsländer bis spätestens 10. Dezember 1S301 12 Uhr mitternachts ein Visum erteilt wurde. Diese Frauen und Kinder sollen im Rahmen der Quote zur Einwanderung zugelassen werden. Die Immigrationskommission befaßt sich noch mit weiteren Amendements zu dem Gesetzentwurf, den sie nach endgültiger Textierung dem Kongreß vorlegen wird. In den Monaten Juli bis Oktober 1930 sind 2863 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert. Jüdische Not auch in Neuyork — Alle neun jüdidischen Theater geschlossen New York, 10. Dezember. (JTA.) Infolge der in diesem' Jahre besonders schlechten Theatersaison haben die Direktoren der neun jiddischen Theater New Yorks Verhandlungen mit den Theatergewerkschaflen cingeleitet, um die Zustimmung des Per-

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