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Das jüdische Echo · 1930-12-19 · 51/52 (19.12.1930) · p. Seite 734

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
51/52 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
Seite 734 (sequence 10)
Language
German
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734 Das Jüdische Echo Nr. 51/52 stems politischer Arbeit, wie es die Gruppe seit langem propagiert, auf dem Kongreß herbeizuführen und für die Wahl einer neuen Exekutive Sorge zu tragen, die dieses neue politische System tatkräftig verwirklicht. Nur durch eine kämpferische und entschlossene Politik,, die unsere international garantierten Rechte in Palästina sichert, kann die Rechtsbasis und die Garantie geschaffen werden für eine ungehinderte Fortführung und Ausdehnung der praktischen und kolonisatorischen Arbeit in Palästina, deren energische Fortführung parallel zur verstärkten politischen Aktion vor sich gehen muß. Die Tagung des Zentralkomitees ergab die weitgehende Übereinstimmung aller Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern über die Richtlinien der Tätigkeit der radikalen Gruppen in den bevorstehenden entscheidungsvollen Monaten. Es wurden im Anschluß an diese prinzipielle Aussprache eine Reihe praktischer Maßnahmen zur unmittelbaren Einleitung und energischen Durchführung des Wahlkampfes für den Kongreß beschlossen. Im Anschluß an die Sitzung des Zentral-Komitees fand am Montag eine gut besuchte Konferenz der Vertrauensleute der radikalen Gruppe aus der Tschechoslowakei statt. Am Abend fand im Beth Am eine sehr stark besuchte Massenversammlung statt, in der die Herren Dr. Nachum Goldmann, Dr. Emil Margulies und Dr. M. Soloweitschik unter großem Beifall das Programm der radikalen Gruppe in der gegenwärtigen Situation darlegten. Der zusammengeschrumpfte jüdische Parlamentsklub in Polen Erste jüdische Anträge im Sejm Warschau, 11. Dezember. (’JTA.) Die jüdischnationalen Mitglieder des polnischen Sejm gründeten aufs neue den jüdischen Parlamentsklub, dem vier Abgeordnete aus Galizien und zwei aus Kongreßpolen angehören. J. Grünbaum nahm mit aller Schärfe dagegen Stellung, daß die auf den Regierungslisten gewählten jüdischen Abgeordneten und der auf der Warschauer Agudah-Liste gewählte Rabbi Lewin aufgefordert werden, dem Klub beizutreten. Grünbaums Standpunkt wurde vom Klub akzeptiert. Das älteste Klubmitglied Dr. Rosenblatt hielt die Eröffnungsansprache, zum Präsidenten wurde der infolge Grippeerkrankung abwesende Krakauer Oberrabbiner Dr. Thon zum stellvertretenden Vorsitzenden Abg. Dr. Rosmarin gewählt. Die drei auf der Regierungsliste gewählten jüdischen Deputierten gründeten eine jüdische Sektion innerhalb des Pilsudski-Klubs, der Agudist Rabbiner Lewin schloß sich keiner Fraktion an. Es heißt, daß der Klub der regierungstreuen Abgeordneten den Deputierten Wischlicki in die Handelskommission, Minzberg in die Rildungskommission und Rabbiner Lewin in die Verfassungskommission des Sejms delegieren wird. Für den national jüdischen Klub besteht wegen seiner Kleinheit keine Möglichkeit, sich in den Kommissionen vertreten zu lassen. In der ersten Sitzung des Sejm machte die zusammengeschmolzene Gruppe der jüdischen Abgeordneten einen niederdrückenden Eindruck auf die jüdischen Journalisten und Galeriebesucher. Während im zweiten polnischen Sejm ein jüdischer Parlamentsklub mit mehr als 40 Abgeordneten bestand, sind heute die auf die 10 zusammengeschmolzenen jüdischen Deputierten in drei Gruppen getrennt. Im vorigen Sejm saßen die einen einheitlichen Klub bildenden jüdischen Deputierten an einem bevorzugten Platze, heute sitzen die sechs zionistischen Deputierten ganz weit hinten, die drei regierungstreuen jüdischen Deputierten sitzen versprengt zwischen den Abgeordneten des regierungstreuen Klubs. Man bemerkt mit Bedauern das Fehlen von so repräsentativen langjährigen jüdischen Abgeordneten wie des Vertreters der Wilnaer Juden Dr. Wygodski, der Patriarchengestalt von Rabbiner Rubinstein, des Präsidenten der Warschauer jüdischen Gemeinde Farbstein, des früheren Präsidenten des Jüdischen Klubs Hartglaß. Ein noch traurigeres Bild bietet die jüdische Repräsentanz im Senat, die aus dem einzigen auf der Regierungsliste gewählten Agudisten Mendelsohn besteht. In der ersten Geschäftssitzung des neuen Sejm brachte J. Grünbaum im Namen des Jüdischen Klubs den Antrag ein, die noch aus der Zarenzeit stammenden rechtlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung abzuschaffen. Grünbaum wies darauf hin, daß der frühere Sejm einen diesbezüglichen Gesetzentwurf bereits in erster und zweiter Lesung angenommen hatte, die endgültige Verabschiedung in dritter Lesung war nur durch die vorzeitige Auflösung des Sejm verhindert worden. Weiters beantragte Grünbaum, dem Jüdischen Klub, trotzdem er nicht Fraktionsstärke besitzt, eine Vertretung in den Kommissionen zu gewähren, da es schon im Interesse des Staates liegt, daß jede nationale Minderheit sich an den Arbeiten der Kommissionen beteiligt. Aus der jüdischen Welt Die 97. Friedhofschälndung — In Hattingen (Ruhr) Berlin, 11. Dezember. (JTA.) Auf dem alten jüdischen Friedhof in Hattingen a. d. Ruhr, der im Mittelpunkt der Stadt gelegen ist, wurden 14 Grabsteine teils umgeworfen, teils vollständig zertrümmert. Es handelt sich um einen alten Friedhof, der seltener aufgesucht wird, so daß der Zeitpunkt dieser Tat nicht feststeht. Es ist jedoch nach verschiedenen Anzeichen anzunehmen, daß die Tat um die Zeit der ersten Reichstagseröffnung liegt. In Hattingen wurden für die Liste der Nationalsozialisten 2880, für die der Kommunisten 2000 und für die der Sozialdemokraten 1600 Stimmen abgegeben, so daß ein gewisser Schluß naheliegt, welchen Kreisen die Täjter angehören. Es wurde eine hohe Belohnung für die Ermittlung der Täter ausgesetzt, jedoch hat die Polizei bisher keinen Erfolg aufzuweisen. „Welt am Abend“ behauptet, es seien „Judenpogrome in Sicht“ Geheimbeschluß der Münchener nationalsozialistischen Parteileitung? Berlin, 12. Dezember. (JTA.) Die der kommunistischen Partei nahestehende „Welt am Abend“, deren Meldungen allerdings, weil nach politischem Tagesbedarf zugeschnitten, mit Vorsicht aufzunehmen sind, läßt sich unter der Überschrift „Judenpogrome in Sicht“ aus München, 11. Dezember, berichten: „Vor etwa vierzehn Tagen fand in der Münchener Parteizentrale der NSDAP, eine vertrauliche Konferenz statt, die sich mit der gespannten Lage innerhalb der Nationalsozialistischen Partei befaßte. Die Führer waren allgemein der Ansicht, daß den Sturmabteilungen, denen die Regierungsübernahme nicht schnell genug vor sich gehe, Gelegenheit gegeben werden müsse, ihre Erregung zu äußern. Es wurden bestimmte Anweisungen an die einzelnen Gauleiter gegeben, den Zorn der Sturmabteilun-

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