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Das jüdische Echo · 1930-12-19 · 51/52 (19.12.1930) · p. Seite 733

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
51/52 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
Seite 733 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51/52 Das Jüdische Echo 733 In den Jahren 1904—1913 nahmen von den Deutschland durchziehenden Auswanderern 200 000 die Hilfe der Auswandererorganisation des Hilfsvereins in Anspruch. Der Durchzug von ausländischen Aus- und Rückwanderern durch Deutschland, insbesondere Preußen, war stark einschränkenden behördlichen Bestimmungen unterworfen; es bestanden Kontroll- und Registrierstationen für dieselben, zu denen die Vertrauensleute des Hilfsvereins Zutritt halten. Gemeinsame Schutzkomitees vom Hilfsverein und der Jewish Colonisation Association nahmen an der russischen Grenze die Emigrationsfürsorge wahr. Nach dem Weltkriege ist in immer stärkerem Maße eine Restriktionspolitik seitens überseeischer Staaten geübt worden, die sich insbesondere gegen die Auswanderung aus ost- und südeuropäischen Ländern richtet und sich in katastrophaler Weise gegen die Juden dieser Länder auswirkt. 1921 wunderten nach den Vereinigten Staaten 119 036 Juden ein. In den Jahren 1921 und 1924 wurden Quoten für die einzelnen Länder festgesetzt. Nach dem Gesetz von 1924 kamen auf 1925: 10 292, 1926: 10 267, 1927: 11 483, 1928: 11 639, 1929: 12 479; 1930: 11526 Einwanderer. Kanada hat eine von gleichen Tendenzen geleitete, wenn auch nach anderen Zulassungsprinzipien gestaltete Abschließungspolitik getrieben. 1928 hat Australien, 1930 die Südafrikanische Union die Einwanderung aus Ost- und Südosteuropa auf ein minimales Maß herabgesetzt. England hat seit dem Kriege die Einwanderung aufs stärkste beschränkt. Durch die gegenwärtige ökonomische Weltkrise werden der Einwanderung verhängnisvolle Hemmungen auferlegt. Die Fürsorgearbeit des Hilfsvereins wird außer durch die Zentrale auch durch die Schutzkomitees in Hamburg und Bremen sowie durch Vertrauensleute im Reiche und an den deutschen Grenzen durchgeführt. Bahnhofsdienste des Hilfsvereins bestehen noch in Neu-Bentschen an der deutsch-polnischen Grenze und in Osnabrück. In dem „Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen“, das der Hilfsverein herausgibt, werden Informationen über Landes-, Wirtschafts- und Arbeitsverhältnisse, Ein- und Auswanderung gegeben; es wird über die Restriktionspolitik der einzelnen Staaten berichtet und Stellung dazu genommen. Der Hilfsverein, der vom Reichs wanderungsamt als gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durchwanderung und Auswanderung anerkannt ist, steht mit Emigrationsorganisalionen in enger Verbindung, namentlich auch mit der Jewish Colonisation Association, der HJCEM (Hias-Jca-Emigdirekt) und den ihr angeschlossenen Komitees. Der Hilfsverein gehört der Permanenten Konferenz zum Schutze der Wanderer und dem Beratungskomitee für Flüchtlingsangelegenheiten beim Völkerbund als Mitglied an. Die Auswanderung wird immer mehr ein Problem voll unendlicher Schwierigkeiten. Die Welt verengt sich immer mehr für Auswanderer, insbesondere für die unter ungeheurer Not leidenden Juden des Ostens. Daher ist die Auswandererfürsorge und Kooperation aller beteiligten Organisationen eine der dringendsten und bedeutungsvollsten humanitären Aufgaben. Tagung des Zentralkomitees der Vereinigung radikaler Zionisten in Prag Prag, 8. Dezember. (JTA.) Am 7. Dezember tagte in Prag das Zentralkomitee der Vereinigung Radikaler Zionisten. Über den Verlauf der Tagung wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur berichtet: Die Tagung diente einer eingehenden Aussprache über die außenpolitische und innere Situation des Zionismus und über die Aufgaben der Radikalen Gruppe angesichts des bevorstehenden Kongresses. Die Vertreter der Radikalen bei der letzten Sitzung des Aktionskomitees berichteten u. a. über die Konstituierung der politischen Kommission und die Motive für die Beteiligung an dieser. Aus diesen Mitteilungen ging hervor, daß die Bildung dieser Kommission von den oppositionellen Gru^oen im Aktionskomitee gefordert wurde, aus dem Wunsch dieser Gruppen, angesichts des Ernstes der Situation entscheidenden Einfluß und Kontrolle auf diese Verhandlungen zu nehmen, und aus der zwingend empfundenen Unmöglichkeit, die Führung dieser Verhandlungen mit der englischen Regierung der Exekutive zu überlassen. Da die Forderung der Opposition nach Bildung einer neuen provisorischen Exekutive bei den gegebenen Mehrheitsverhältnissen nicht durchzusetzen war, war die Bildung dieser Kommission das einzige Mittel, um die Entscheidung über das Schicksal der Bewegung eventuell für lange Jahre, nicht einer Exekutive zu überlassen, die vom letzten Kongreß unter anderen Umständen gewählt wurde. Das Zentral-Komitee billigte angesichts dieser Situation den Eintritt der radikalen Mitglieder in die politische Kommission. Die Auffassung des Verbandes der demokratischen Zionisten in Wien, daß die Beteiligung an der Kommission den auf der radikalen Weltkonferenz in Lemberg gefaßten politischen Richtlinien widerspreche, wurde von sämtlichen Mitgliedern des Zentralkomitees abgelehnt. In der Stellungnahme zu den bedeutsamen Problemen der gegenwärtigen außenpolitischen Situation wurde insbesondere betont, daß die Jewish Agency keinerlei neuen Interpretation des Mandates seitens der englischen Regierung ihre Zustimmung geben könne, die auf eine Verkleinerung der zionistischen Ziele in Palästina und eine Gefährdung unserer international anerkannten Rechte hinauslaufe. Solche Interpretationen des Mandates, wie sie die englische Regierung im letzten Weißbuch vorgenommen hat, besitzen keinerlei Rechtskraft, da die englische Regierung zu solchen einschränkenden und den Sinn des Mandates entstellenden Auslegungen keinerlei Recht besitzt. Die politischen Konzeptionen, für die die radikale Gruppe seit Jahren bereits kämpft, bleiben unverändert und werden durch die Beteiligung an der politischen Kommission nicht im mindesten tangiert. Der bevorstehende Kongreß wird in erster Linie die Aufgabe haben, eine Entscheidung dieser großen politischen Fragen herbeizuführen und die Aufgabe der Radikalen Gruppe in dem bevorstehenden Wahlkampf, in den sie mit verdoppelter Energie hineingehen wird, wie auch vor allem auf dem Kongreß wird darin bestehen, eine Entscheidung zugunsten des Sy- Kauft und verbreitet den Schekel!

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