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Das jüdische Echo · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 719

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 719 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 719 Leiber reiner und verbotener Tiere mußte Deine Seele wandern, bis» sie im Körper jenes Schülers, der wiederum den Namen Chananja tragen sollte, geboren wurde. Nun ist die Schale Deiner Leiden in Bälde voll!“ „Eine Aufgabe harrt Deiner noch!“ „Nimm dies Schwert aus meiner Hand, Chananja, und führ’ es gut, mein Waffenbruder; es wird Dir den Weg weisen, den ER Dir vorgezeichnet, eh Du eingehen magst zum Garten der Ruhe!“ Der Makkabi neigte sich herab zu Chananja und legte das flammende Schwert in seine bebenden Hände. Die Muskeln des Schülers füllten sich mit der Kraft der Helden, seine Brust ward randvoll des wagenden Muts. — Jehuda war fort, die Ebene Judäas versunken im Tal der Träume. Der Schüler Chananja saß im flackernden Licht der Menorah. Auf seinen Knien lag das riesige Schwert. Er stand auf und folgte einer Macht, die ihn vorwärts zog und die er nicht kannte. Durch die Straßen des Ghetto ging er eiligen Schritts, vorbei an den Frauen, die in den Läden der Händler Fisch und Brot für den Abend einholten. Sie sahen dem Schreitenden nach und schüttelten mißbilligend die Köpfe. Was trieb nur diesen jungen Mann noch in der Stunde des Abends, wo man die Tore der Judenstadt schließt, hinaus vor die Mauern?! „Ja, ein sonderlicher Kauz, dieser Chananja!“, sagte eine der Frauen zu ihrer Nachbarin und dann betasteten sie wieder die Kohlköpfe, um den schönsten möglichst wohlfeil zu erstehen. Das Schwert des Makkabi aber sah niemand. Chananja trug es zwar hocherhoben vor sich her, die Menschen jedoch, die mit verschlossenen Augen durchs Leben taumeln, nahmen es nicht wahr. Vor der Stadt machte Chananja Halt. Nur kurze Zeit hielt der Trieb in ihm Rast, dann aber zog’s ihn wieder weiter über die gefrorenen Äcker in die ewige Nacht des Waldes. Aufrecht schritt er durch das Gestrüpp, der Wunden nicht achtend, die ihm die spitzen Äste rissen. Das Schwert leuchtete ihm und der Trieb zog ihn vorwärts bis er vor einer Höhle stand. In der Tiefe brannte ein schwaches Licht, wie von einer Öllampe und das Gewirr rauher Stimmen drang heraus. Chananja erkannte eine Schar wilder Männer, die Keulen und Lanzen trugen. Der Größte unter ihnen, der Anführer, schwang einen furchtbaren Morgenstern in der ungeschlachten Hand und gröhlte dazu ein Lied. Manchmal griff er nach einem Becher von außergewöhnlicher Größe und tat einen tiefen Schluck daraus. Die andern, als sie hörten, daß ihr Hauptmann sang, stimmten mit ein und dem lauschenden Chananja legte sich’s wie Eis ums Herz, denn also war das Lied der Männer: .„Israels Feinde sind wir genannt, Morden und plündern den Juden im Land. Flüchte dich Jude nur in dein Haus, Nützt dir nichts, wir holen dich ’raus!“ „Wir schlachten den Knaben, wir schänden das Weib, Wir würgen die Greise zum Zeitvertreib. Der Juden Geld es tut uns wohl gut! Herbei mit dem Becher, der Wein macht uns Mut!“ Ein furchtbarer Zorn entflammte da in Chananja und mit gewaltigem Schrei sprang er unter die Räuber. Das unsichtbare Schwert hielt er mit beiden Händen und wo ein Hieb hintraf, sank einer der Verruchten in den Staub. Und er ruhte nicht, bis auch der Letzte der Frevler gefallen war. — — Um diese Stunde saß der Lubliner Rabbi mit seinen Chassidim an der langen Tafel und sie sangen den Weihgesang des Chanukkah. Auf der Stirn des Rabbi aber lag die Wolke der Trauer und seine Seele war zum Tode matt vor Kummer und Besorgnis. — Plötzlich sprang er auf und sein Antlitz erstrahlte in heller Freude. „Gelobt sei der Hüter Israels, der Nimmerschlummernde!“ sprach er, „Chananja ist heimgegangen, die heilige Gemeinde Lublin gerettet!“ Die Chassidim sahen einander verwundert an, denn die verstanden die Worte des Meisters nicht, aber sie schwiegen demütigen Herzens und dankten dem Herrn der Welt, der dem Rabbi das Verborgene kundtat. — Zum Festkonzert des Jüdischen Gesangvereins München anläßlich seines zehnjährigen Bestehens Odeon, 6. Dezember 1930 „Et quid volo, nisi ut ardeat?“ Der besondere Anlaß dieses Konzertes mag rechtfertigen, daß die folgenden Ausführungen über den Rahmen einer kritischen Besprechung hinausgehen. Die guten und wahren Dilettanten musizieren „per il loro diletto“, zu ihrem eigenen Vergnügen. Die nach innen gerichtete Arbeit der Bildung der Beteiligten ist somit die wesentliche Aufgabe von Liebhaber-Musizierkreisen. Es liegt auf der Hand, daß die technischen Leistungen von Laienmusikern nicht mit den Maßstäben gemessen werden dürfen, die man bei Berufsmusikern anlegen muß. In einem aber muß man auch bei Liebhabern die größten Anforderungen stellen, das ist in dem — sagen wir — künstlerischen Streben, d. h. in der Zielsetzung. Da Liebhaberkreise durchaus keine Rücksicht auf den Geschmack des Publikums nehmen dürfen, da sie in erster Linie nicht für dieses, sondern für sich selbst arbeiten, müssen sie ohne, alle Einschränkung nur ganz wertvolle Musik pflegen; dabei braucht diese technisch gar nicht die schwerste sein, wenn sie vielleicht auch in der geistigen Durchdringung schwer ist. Hier hat sich nun der Jüdische Gesangverein Schranken auferlegt, die seine Weiterentwicklung sehr stark beeinträchtigen. Er beschäftigt sich nämlich ausschließlich mit sogenannter jüdischer Musik. Hierunter scheint er Werke mit hebräischem Text zu verstehen und zwar vorwiegend synagogale Stücke. Es gibt nun zweifellos eine Reihe von sehr wertvollen synagogalen Kompositionen, aber es wäre ein Irrtum zu glauben, daß die Schöpferkraft vieler Synagogen- Komponisten dem Bedürfnis nach neuen Synagogen-Musiken gleichkäme. Es ist vielmehr so, daß viele Leute synagogale Musik schreiben, weil sie meinen, wir besäßen nicht genug an geistlichen Chorwerken, ohne daß sie innerlich dazu geeignet wären. Daher kommt es, daß einer, der den absoluten musikalischen Wert dieser Stücke beurteilen soll und der in der Tatsache, daß sie vielleicht eine liturgische Lücke ausfüllen, nichts Wertvolles sieht, die meisten dieser Werke platt und langweilig findet und festellt, daß sie gewollte, alltägliche und schulmäßige Arbeit sind. Dies gilt von der Mehrzahl unserer geistlichen Musik; selbstverständlich besitzen wir einige

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