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Das jüdische Echo · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 718

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 718 (sequence 10)
Language
German
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718 Das Jüdische Echo Nr. 50 und winzig vor, wenn er sich mit diesen maß. Da setzte eine Stille ein, die war noch schrecklicher als das Getös und Chananja wagte nicht mehr zu atmen. Er lag auf der Erde wie ein Toter, denn das Schweigen lastete einem riesigen Felsblock gleich auf seiner Seele. Eine Stimme aber rief aus den Höhen des Raumes: Chananja mit dem Namen. Dreimal rief die Stimme und dreimal gab ihr der Schüler Antwort, wie einst Abraham, da ihn Gott berief. „Hier bin ich,“ sprach er. Mitten im Licht stand eine Gestalt, ihre Füße berührten die Erde, aber mit dem Haupte stieß sie an die Fläche des Himmels. Ihre Arme glichen den Säulen im Tempel zu Jeruschalajim und ihre Augen waren klar und rein, wie die Brunnen des Königs Schelomoh. Ein herrlicher Recke war’s, der vor Chananja stand, die Brust gewappnet mit feurigem Harnisch. In den Händen aber hielt er ein Schwert, das war eine lohende Flamme und der Urquell des wunderbaren Lichts. Auf dem Kopfe trug er einen goldenen Helm, der war wie die Sonne selbst, aber sein Leuchten schien gering gegen den Strahl des Schwerts. „Steh auf, Chananja! Sei nicht bang und verbanne das Zagen aus den Kammern deines Herzens!“ sprach der Strahlende mit einer so sanften Stimme, daß es Chananja wohl ums Herz ward und er seines Fürchtens vergaß. Er erhob sich und sah dem Riesigen ins Gesicht. „Bist Du ein Bote von IHM?“, fragte er. „Mein Name ist Jehuda, Sohn Matithjahu, des Priesters. Du kennst mich, Chananja, wie ich Dich kenne, denn Du warst der Tapfersten einer in meiner Gefolgschaft, eh Deine Seele in die Hülle dieses Schülers fuhr. Gedenkst Du noch der Tage, da Du Schulter an Schulter mit mir wider die Feinde Israels strittest?!“ Da war’s Chananja, als fiele eine Schale von ihm, und er erkannte sich selbst. Er sah die Berge des Libanon und die raunenden Zedernwälder, die ihre Rücken tragen. Die Fluten des Jarden netzten seine Füße. In der Ferne leuchteten die Zinnen der ewigen Stadt und die Feste des Allseienden. Er atmete wieder die Luft, die von den Bergen Galiläas weht. Die Lernstube um ihn her war verschwunden, er stand in der Ebene Judäas, mitten im Haufen reisigen Volks. „Du hast für Dein Land gekämpft, Chananja, und Du bist in der Schlacht gefallen um der Heiligung des NAMENS willen. Aber dennoch haftet ein Fehl an Dir, ein schwerer Fehl! Erinnerst Du Dich noch jener Nacht, da wir am Ufer des Jarden zogen, stromaufwärts immer am Rande des Flusses?.! Eine Pechfackel trugst. Du in Händen, den Weg zu weisen. Kampffroh warst Du und guter Dinge. — Wir kamen an eine kleine Stadt, darin die Heiden hausten. — Ein Bildwerk hatten sie aufgestellt auf dem Markte, ein Greuel IHM, dem schlachteten sie die fettesten Hammel und die feistesten Kälber aus den Herden der Stadtleute. Wer sich ihrem Ungott nicht beugte und wer ihm nicht opferte, den töteten sie mit der Schärfe des Schwertes. Da gab ER mir’s ein und ich tat’s Euch kund: Keiner soll leben von den Bilderdienern der Stadt, denn verwirkt haben sie allsamt ihr Leben um der Bosheit ihrer Herzen willen. Todes, Todes soll sterben, wer einen schont von den Hassern des Herrn! Von Mensch bis Vieh, was zur Habe der Frevler gehört, fallen, fallen soll’s, keine Beute werde gesehen bei euch! Einen furchtbaren Schwur tatet ihr alle, bei SEINEM Leben sagtet ihr mir Gehorsam zu. Auch Du hattest Deine Hand erhoben gen Himmel, mit Eid zu erhärten, was Du versprochen. Im Innern aber, im Innern, Chananja, warst Du treulos wider IHN und sein Gebot! Falschschwur hattest Du getan, so daß SEIN Grimm auflohte über Dir. „Bald barst das Tor in der Mauer der Stadt und wir drangen in die Gemächer der Heiden, sie aufzurütteln aus der Sattheit ihres Schlafs.“ „Da sahst Du ein Weib, schön wie eine Frucht vom Baume des Erkennens, die ER Adam und Chawah verboten hatte. Auf ihr Lager war sie hingestreckt, eine gleißende Matte im Mondlicht. Ihr Haar, das schwarz war, wie das Verborgene der Nacht, atmete den Geruch der Mandelblüte. Begehrlich sahst Du auf ihre milchweißen Brüste und den vollen Mund, der so rot war, daß Dir’s schwach ums Herz wurde. Fester und fester schlossest Du die Faust um den Griff Deines Gewaffens, aber Dein Arm vermochte nicht sich wider die Buhldirne zu recken, die Dich nun aus Augen ansah, welchen Du nimmer widerstehen konntest. Da zogst Du die Tür hinter Dir ins Schloß und tatest den Riegel vor, um nicht aufgeschreckt zu werden aus den Lüsten der Nacht. Dann aber warfst Du Dich über sie, ganz Knecht Deines wilden Triebs. Um einer Hure willen hast Du in dieser Nacht Gott verraten, Chananja!“ „Als dann die Morgenröte sich übers Land ergoß, und der Wächter ins Horn stieß, schrakst Du auf vom Lager Deiner Lust. — Die Dirne allein aber war am Leben geblieben von allen, die sich den Götzen bückten im Ort.“ „Wir zogen selbigen Tags weiter den Jarden hinan. Als aber der Ball der Sonne sank und die Zeit nahte, da die Cohanim im Heiligtum den Dienst des Abends rüsten, stießen wir auf einen Haufen der Feinde. ER aber, der Hochheilige, dessen Name gelobt sei, hatte den Richtspruch geschrieben und gesiegelt und Du fielst in dieser Nacht.“ „Deine Seele konnte nicht aufsteigen zu IHM, so schwer hing Dein Fehl an Dir. Erdwärts zog’s Dich, wie sehr Du Dich auch nach dem Orte des Rühens, dem Garten Eden sehntest. Da trat der Engel, der in der Stunde geboren war, da Du um der Weihe des Namens starbst, vor den ewigen Richter und sprach: ,Herr der Welt, wohl ist die Sünde Deines Knechts Chananja groß, aber wer für Dein Volk und Deine Lehre stirbt, hat der nicht gesühnt, was er im Drange seiner Leidenschaft tat?! Verzeihe ihm, Allseiender, denn ein Gott des Erbarmens bist Du, von den Räumen des Unendlichen bis zu den Räumen des Unvergänglichen!“ „Kaum hatte er seine Rede geendet, sprang das Kind des Widersachers, das Du mit der Buhldirne in jener Nacht gezeugt hattest, aus den Gründen der Tiefe hervor und schrie* auf zu Gott: Zwiefach hat Chananjah an Dir gefrevelt, Herr des Gerichts! Die Tafeln Deines Bunds mit Israel zertrümmerte er! Hat er nicht Falschschwur getan bei Dir und hat er nicht die Ehe gebrochen, die Deinem Volke heilig ist?! Verstoße ihn in die Tiefen der Verdammnis! Sein Name sei gelöscht aus dem Buche des Gedenkens; Mahnmal sei er seinem Volke, wie Korach, der vor den Augen ganz Israels im Rachen des Abgrunds versank!44 „Ein furchtbares Beben hub in dieser Stunde an, daß die Pfeiler, darauf die Himmel ruhen, schwankten. Gott bereitete den Mantel des Verzeihens über die Lohe seines Grimmes, und Dein Urteil ward gemildert. In Fluß und Stein, in die

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