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Das jüdische Echo · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 720

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 720 (sequence 12)
Language
German
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720 Das Jüdische Echo Nr. 50 Komponisten, denen das, was sie schreiben* aus der Seele quillt und deren Werke durchaus erstrangig sind. Aber es scheint, als ob die Zahl dieser Werke nicht so groß ist, daß sie den Bedarf einer Liebhabervereinigung decken könnten. Bleibt man nun auf dem Grundsatz bestehen, nur jüdische Musik in dem gekennzeichneten Sinne zu pflegen, so ist man gezwungen, auch Werke minderer Güte zu studieren und in dieser Richtung hat sich der Jüdische Gesangverein bedauerlicherweise entwickelt. Im übrigen wäre es reizvoll, einmal die Chormusik kennen zu lernen, die in den neuen Mittelpunkten jüdischen Lebens, in Palästina, entstanden ist; es wäre möglich, daß diese Musik mehr als der Durchschnitt der westlichen Synagogenmusik den Stempel des Gewordenen anstelle des Gewollten trägt, um so mehr, als dort auch weltliche jüdische Chorwerke entstanden sein dürften. Dazu kommt noch, daß seltsamerweise die Meinung überaus verbreitet ist, Synagogenmusik müsse notwendig langsam, getragen und vorwiegend homophon sein; so daß einem Kreis, der sich auf sie beschränkt, fast völlig die Möglichkeit fehlt, sich in der Ausführung bewegter und insbesondere polyphoner Stücke zu üben, obschon gerade heute die Erkenntnis allgemein geworden ist, daß die polyphone Musik Grundlage allen Laienmusizierens sein müsse. Es wäre also wünschenswert, daß der Jüdische Gesangverein die Werke der alten deutschen, niederländischen und italienischen Meister in den Kreis der von ihm gepflegten Musik einbezöge, gleichfalls auch die zeitgenössischen Tondichter („das neue Chorbuch“, Schott-Kallmeyer-Verlag u. a.), wenn er will, in (mir nicht zweckmäßig erscheinender) Beschränkung auf Werke, denen Texte jüdischen Ursprungs (Psalmen, Klagelieder, Hoheslied, Pentateuch) zugrunde liegen. Für einen guten Musiker kann schließlich die beste Art der Ausführung nicht über innere Leere des ausgeführten Werkes hinwegtrösten; wiewohl gerade bei uns Juden die Freude am Stimmenglanz und an der Virtuosität, ich möchte sagen, leider ziemlich verbreitet ist. Das Konzert, das hier besprochen werden solh stand unter einem etwas mißlichen Stern. Einmal mußten die Knabenchöre, die einen Begriff von einer neuen Art des Gemeindegesangs hätten vermitteln sollen, kurz vor der Aufführung abgesetzt werden und man versteht, daß es in der kurzen Zeit bis zu dem Abend nicht möglich war, vollwertigen Ersatz zu schaffen. Zum anderen aber war höchst bedauerlicherweise der große Odeonssaal nur halb voll; es ist bekannt, wie sehr die Akustik dieses Saales hierunter leidet. Im ganzen zeigte der Verein, daß er über eine ansehnliche Zahl recht guter Stimmen verfügt. Es wurde im allgemeinen sicher intoniert und klar gesungen. Besonders der Alt sang sicher und klangrein. Im einzelnen wäre folgendes zu sagen: Herr Ziegler leitete den Chor mit Ruhe und Um¬ Gemeinden- und Vereins-Echo Schekelaktion 5691. Die Schekelaktion muß nach den Anweisungen der Exekutive in kurzer Zeit abgeschlossen werden; es ist daher notwendig, sich in den letzten Tagen energisch für die Aktion einzusetzen. Jeder Zionist muß nicht nur den Schekel selbst erwerben; er muß uns sicht. Gelegentlich hätte man sich wohl eine etwas schärfere Zeichengebung und geringere Zurückhaltung in der Betonung agogischer Unterschiede gewünscht. Frau Ziegler sang zwei kleinere Stücke, von denen besonders das „seh ruach“ von Engel dadurch auffiel, daß es den jüdischen Volkston, wie wir ihn besonders bei palästinensischen Chaluz-Liedern finden, gut wiedergab. Herr Neu brachte zwei Stücke mit Orgel, einiges mit Chor und als Dreingabe zwei Stücke in der überlieferten Sprechsingweise des „Chasonus“. Bei allem konnte man seine große und modulationsfähige Stimme bewundern. Frau Gertrude M a s s e r spielte das Violinkonzert von Mendelssohn mit bewunderungswürdiger Technik und tiefem Eindringen in den Geist des Stückes. Alle Klavierbegleitungen besorgte Herr Bettsack in gewohnt musikalischer Weise. Besonders farbig und schön spielte er den Orchesterpart des Geigenkonzertes. Prof. Sager e r wirkte an der Orgel in seiner bekannten und zurückhaltenden Art. Unter den aufgeführten Chorwerken fiel nur eines durch tieferen Gehalt auf, nämlich M i 1 - ners „Unesanneh tokef“ (sic!)1. Dies ist ein technisch hochstehendes, recht kühnes Stück, das zugleich dem tiefen Text gerecht wird. Das schwierige Stück wurde tonlich recht sauber gebracht, was ein Zeichen für gründliche und gewissenhafte Probenarbeit ist. ln der Fuge hätte man allerdings größere rhythmische Straffheit gewünscht. Arno Nagels „Wajechullu“ erinnert mit seinen gehäuften Terzengängen und Unisonstellen arg an eine missa cantata. „Adaunoi moloch“ von Gerowitsch — platt,' alltäglich, langweilig. Lewandowskys 150. Psalm möchte an H ä n d e 1 s großes Hallelujah erinnern, es bleibt aber bei einem ziemlich schwachen Versuch. So etwas paßt nicht in unsere Zeit. Was vom alten bleiben soll, muß ewig neu sein. Der Jüdische Gesangverein ist seinem Stimm- Material und der Hingabe seiner Mitwirkenden nach in der Lage, eine erhebliche Rolle im kulturell-jüdischen Leben Münchens zu spielen. Es ist im höchsten Maße bedauerlich, daß ihm seine Arbeit durch die geringe Anteilnahme der jüdischen Öffentlichkeit erschwert wird. Er hat ein Recht auf einen vollen Saal und auf Mitarbeit aller, die dazu in der Lage sind. Wir wünschen ihm eine weitere gedeihliche Entwicklung. Heinrich Lamm. 1 Hier muß ich etwas auf die Gefahr hin, ein Pedant genannt zu werden, sagen: Wenn man hebräische Texte umschreibt, dann muß die Umschreibung nach einem einheitlichen und wissenschaftlich halbwegs sinnvollen Verfahren geschehen. Es stört, wenn man ständig Fehler sieht, die teils stehengebliebene Druckfehler (auch im deutschen Text), teils aber offensichtliche Mängel der Umschreibung sind. neue Käufer für ihn werben. Am 20. Dezember müssen die Blocks auf dem Büro der Ortsgruppe, Herzog-Rudolf-Straße 1, abgeliefert werden. Ausstellung Jüdisches Jugendheim. Am Freitag, dem 19., Samstag, dem 20. und Sonntag, dem 21. Dezember findet in den Räumen des Jüdischen Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße 1, Ausstellung von Photographien, Zeichnungen,, Aqua-

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