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Das jüdische Echo · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 717

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 717 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 717 stiegen; ihre Stimmen haben sich von 760 auf 1735 erhöht. Überfall französischer Nationalisten auf Prof. Victor Basch — Der Gelehrte schwer verletzt Paris, 4. Dezember. (JTA.) Während die französische Liga für Menschenrechte im Danton- Saale zu Paris eine große Versammlung mit dem Motto „Deutschland und wir“ abhielt, bei der der Präsident der Liga, Prof. Victor Basch, bekanntlich ein Jude, das Wort ergreifen sollte, drang eine große Gruppe von Camelots du roi in den Saal ein, stürzte sich unter den Rufen „Tod dem Deutschenfreund Basch“ auf die Tribüne, wobei mehrere Mitglieder der Gruppe den 72jährigen Victor Basch ergriffen und ihn mit Fäusten, Stöcken und mit Fußtritten brutal mißhandelten. Prof. Basch erhielt Wunden am ganzen Körper und muß längere Zeit das Bett hüten. Wie erinnerlich, haben vor mehr als einem Jahre deutsche Nationalisten eine Versammlung von Prof. Victor Basch, der in Deutschland Gast der deutschen Liga für Menschenrechte war, durch Störungen unmöglich gemacht und unter Ausgabe antisemitischer Parolen die Ausweisung des „Juden Basch“ aus Deutschand gefordert. Starke Rückwanderung aus Biro-Bidschan Moskau, 7. Dezember. (JTA.) Von den 500 Familien, die für die Auswanderung nach Biro- Bidschan im Laufe dieses Jahres vorgemerkt waren, haben sich bloß 300 Familien dorthin begeben. Von diesen haben sich bloß 100 Familien dauernd niedergelassen, während die übrigen 200 zum Teil in ihre Heimat zurückgekehrt sind, zum Teil sich in den sibirischen Städten niedergelassen haben. Das jüdische Schulgesetz in Kanada annulliert Montreal, 7. Dezember. (JTA.) Auf Grund eines Übereinkommens zwischen der protestantischen und der jüdischen Schulkommission, die die Quebecer Regierung im Frühjahr dieses Jahres eingesetzt hat, wurde das jüdische Schulgesetz für Montreal und die Provinz Quebec annulliert. Die jüdischen Kinder werden also wie bisher protestantische Schulen besuchen. Quebec hat im Gegensatz zu den übrigen kanadischen Provinzen auf Grund verfassungsmäßiger Bestimmungen ein französisch-katholisches und ein englisch-protestantisches Schulnetz. Das allmähliche Anwachsen des Prozentsatzes jüdischer Schüler in den protestantischen Schulen führte zu dem im Jahre 1929 erlassenen Gesetz, das auch den Juden das Recht zur Errichtung eines eigenen Schulsystems gab. Dieses Gesetz wurde zum Anlaß einer lebhaften antijüdischen Agitation, die nunmehr ihr Ziel, die Annullierung des jüdischen Schulgesetzes, erreicht hat. Sir Alfred Isaac Isaacs zum Generalgouverneur von Australien ernannt London, 4. Dezember. (JTA.) Der König hat den obersten Richer Australiens, Sir Alfred Isaac Isaacs, zum Generalgouverneur von Australien ernannt. Die Ernennung geschah auf Empfehlung des australischen Premierministers Scullin. Es ist dies das erstemal, daß ein Australier, und nicht ein Engländer, Generalgouverneur ist. Schon seit mehreren Monaten ging ein Kampf der öffentlichen Meinung in Australien und in England darum, ob diese einschneidende verfassungsrechtliche Änderung vorgenommen und ein Australier, der höchste Repräsentant der englischen Regierung, in diesem Dominion werden sollte. Nachdem aber auf der jüngst geschlossenen Reichskonferenz die Befugnis zu solchen Änderungen den Dominions erteilt worden war, stand der Ernennung Isaacs’ nichts mehr im Wege. Sir Alfred Isaac Isaacs wurde 1855 in Melbourne geboren, ist also 75 Jahre alt. 1892 wurde er Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung von Victoria, 1897 stellvertretender Premierminister von Victoria und Mitglied der Nationalversammlung, die die Verfassung des australischen Staates schuf. 1901 wurde er Mitglied des ersten Bundesparlamentes, 1905 Oberstaatsanwalt, dann Richter am obersten Gerichtshof in Australien und zuletzt Vorsitzender des obersten Gerichtshofes. Die Laufbahn des neuen Generalgouverneuers erinnert an die des früheren Vizekönigs von Indien, jetzigen Marquis of Reading, dessen Familienname auch Isaacs (als Vizekönig trug er den Namen Sir Rufus Isaacs) war. Beide sind jüdischer Abkunft, treue Anhänger des jüdischen Glaubens, und haben sich aus kleinsten Verhältnissen zu höchsten Positionen hinaufgearbeitet. Sir Alfred Isaac Isaacs ist Sohn eines Schneiders, war, bevor er sich dem Rechtsstudium widmete, zuerst Laufbursche, dann Lehrer und Journalist. Er ist die größte verfassungsrechtliche Autorität Australiens und Mitautor der australischen Verfassung. III III 1111 III» 1 | Feuilleton 11|| M III IUI llllllll1 II lllll Das Schwert des Makkabi Eine chassidische Legende Von Fritz Rosenthal Chananja, der Schüler, saß im flackernden Licht der Menorah. Seine Augen sogen schwermütig das unstete Leuchten der kleinen Öllämpchen in sich ein, aber in seiner Seele erstrahlte ein mächtiger Widerschein des heiligen Lichts. Immer gewaltiger ward das Brennen in Chananja, bis eine Helle aus ihm brach, vor der er selber erbebte. Da füllte sich plötzlich das alte Beth-Hamidrasch, deß Balken gekrümmt wie die Rücken der Lernenden war, mit herrlichem Licht, so es Chanaja niemals vorher gesehen hatte. Das ganze Haus schien zu brennen, aber dem Schüler war’s nicht bange, denn er fühlte um das Wunderbare dieses Brandes. Er erinnerte sich der Stelle in der Schrift, die da berichtet von dem Dornbusch, aus dem Er zu Mosche gesprochen hatte, und er war des Ehrfürchtens voll. Chananja streifte die Schuhe von den Füßen und barg sein Antlitz in zitternden Händen. Ein Rauschen und Tosen hub an in den Lüften, daß das morsche Haus in seinen Fugen zu beben begann. Gleich dem Flügelschlag vieler tausend Adler war’s. Das Leuchten im Raum ward gewaltiger von Augenblick zu Augenblick. Der kauernde Jüngling meinte schier vergehen zu müssen, denn er fühlte sich nicht stark genug, die Größe des Wunders zu tragen. Er hub an, die Sterbegebete zu sprechen, so verzagt war seine Seele um des Furchtbaren der Stunde willen. Er dachte an Mosche, den Knecht des Herrn, und an die Schar der Kinder in Israel, doch er kam sich lächerlich

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