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Das jüdische Echo · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 716

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 716 (sequence 8)
Language
German
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716 Das Jüdische Echo Nr. 50 choslowakei kehrt, trifft morgen den heiligen Egoismus Großbritanniens: den Baumwollstrumpf aus Manchester, den Traktor aus Sheffield, Worcester-Sauce und Waterman-Tinte. Sir Simpson hat ja in einem allumfassenden fachmännischen Gutachten die palästinensische Industrie ohnedies abgelehnt. Den Schlosserm geht’s gut, seitdem im Vorjahr das bewährte Schauspiel „Judenpogrom“ zum diittenmal unter englischer Regie, mit verbesserter Besetzung, sowie durch- und erschlagendem Erfolg aufgeführt wurde. Die guten Araber waren noch von der Türkenzeit her gewohnt, ihre Fenster zu vergittern, teils zum Schutz nach innen, damit ihre Weiber sicher im Harem hocken bleiben, teils zum Schutz nach außen gegen Räuber und ähnliche landesübliche, damals noch apatriotische Unternehmungen. Seither haben auch die Juden zugelernt. Wer‘s vom Mund absparen kann, schafft sich jetzt statt einem Grammophon oder sonstigem Kulturballast, eine moderne Befestigung an: dicke Eisen vor allen Fenstern und Luken, kugelfeste Panzer an der Haustüre und beim Dacheinstieg, auch wohl Geheimschlösser und Stahlkammern, um Gut und Blut zu bergen. Und auch die englischen Mandatare, herzensfroh — ihre hadernden Schützlinge: Araber und Juden doch schon in einem Punkt., in der Überzeugung von der allgemeinen Unsicherheit, geeint zu sehen, tun desgleichen. Denn wer kann wissen, wenn die tolle Meute schließlich anspringt! So starrt auch der neue Palast des High Commissioners schön und fest von eisernem Gitterwerk. Den Schustern geht‘s schlecht und den Schlossern gut im Heil’gen Land. Ausgleichende Gerechtigkeit! Aus der jüdischen Welt Einschränkungen im Preußischen Landesverband Berlin, 4. Dezember. (JTA.) (Amtlich.) Der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat sich durch die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftslage genötigt gesehen, die Ausgaben des Verbandes, soweit sie nicht zwingender Natur sind, nach Möglichkeit einzuschränken. Aus diesem Grunde sind im laufenden Geschäftsjahre die Subventionen an eine große Anzahl von Organisationen herabgesetzt worden, insbesondere konnten Beihilfen, die der Landesverband in früheren Jahren für besondere Veranstaltungen einzelner Verbände gewährt hat, in diesem Jahre gar nicht oder nur in geringem Ausmaße bewilligt werden. Der Rat richtet deshalb an alle diejenigen Stellen, die für die Veranstaltung von Tagungen in Frage kommen, die dringende Mahnung, bei der Anberaumung solcher Zusammenkünfte die jetzige große Notlage der jüdischen Gemeinden und Gesamtverbände zu berücksichtigen, und diese Zusammenkünfte entweder auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben oder zum mindesten in einem Rahmen abzuhalten, der einen größeren Kostenaufwand nicht erfordert. Diese Mahnung richtet sich nicht nur an diejenigen Verbände, die Mittel des Landesverbandes in Anspruch nehmen, sondern an sämtliche jüdischen Organisationen. Endergebnis der Berliner Wahlen zur Preußischen Landesversammlung jüdischer Gemeinden Berlin, 5. Dezember. (JTA,) Im Kreiswahlausschuß des Wahlkreises Nr. 2 (Groß-Berlin) wurde das Ergebnis der Wahlen zum Verbandstage des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden im Bezirk der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wie folgt festgestellt: 1. Liberale 41 904 Stimmen, 35 Mandate. 2. Volkspartei 25949 Stimmen, 22 Mandate. 3. Religiöse Mittelpartei 1751 Stimmen, 1 Mandat. 4. Konservative Partei 1419 Stimmen, 1 Mandat. 5. Poale Zion 1932 Stimmen, 1 Mandat. 6. Deutsche Liste 1341 Stimmen, 1 Mandat. 7. Klal Jisroel 129 Stimmen, kein Mandat. 8. Überparteiliche Vereinigung 2443 Stimmen, 2 Mandate. 9. Positiv-Liberale 650 Stimmen, kein Mandat. Insgesamt wurden 77 518 Stimmen gezählt: ungültig waren 509~Stimmen. Die Mandate der überparteilichen Vereinigung Berlin, 8. Dezember. (JTA.) Entgegen anderslautenden Mitteilungen in der Presse stellt der Vorstand der Überparteilichen Vereinigung für die Gesamtinteressen und die Einheit des Judentums fest, daß kein Kandidat der Überparteilichen Vereinigung sich verpflichtet hat, noch von der Vereinigung verpflichtet worden ist, im Falle seiner Wahl auf sein Mandat zu verzichten. Systematische Nationalsozialistische Hetze Numerus clausus-Aiiträge in Rostock und Leipzig Berlin, 4. Dezember. (JTA.) Dem Beispiel des „Völkischen Beobachters“ folgend, führt auch der „Angriff“ aus Anlaß der Reichstagseröffnung eine systematische Hetze gegen die Juden. „Angriff“ behauptet, daß die „Schlüssel-Industrien, die ziemlich restlos im Besitze des internationalen jüdischen Großkapitals sind, Kohlen-Syndikat, I. G. Farben usw.“, sich der Preissenkung widersetzen. Die Juden seien zehnmal so reich wie die übrigen Staatsbürger, das Judentum sei der „Parasit, der am kranken Körper des deutschen Volkes zehrt und dabei dick und fett wird.“ Das wird, droht der „Angriff“, so lange gut gehen, wie die Geduld des schaffenden und hungernden deutschen Volkes das Raffen des Judentums noch weiter duldet, ohne dagegen die notwendigen — natürlich streng gesetzlichen — Maßnahmen zu ergreifen.“ Der Gesamtvorstand der Rostocker Studentenschaft nahm laut „Angriff“ einstimmig die folgende Entschließung an: „Die Rostocker Studentenschaft fordert an sämtlichen deutschen Hochschulen die Einführung des Numerus Clausus für Angehörige der jüdischen Rasse, so daß die Angehörigen der jüdischen Rasse keinesfalls in größerer Zahl zum Studium an den Hochschulen des Reiches zugelassen werden als ihrem prozentualen Anteil an der deutschen Bevölkerung des Reiches entspricht. Dieser Beschluß ist den zuständigen Behörden mitzuteilen.“ Der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Leipzig hat mit 20 gegen 6 Stimmen bei 6 Enthaltungen den folgenden von den Nationalsozialisten beantragten Beschluß gefaßt: „Die akademischen Behörden sind zu veranlassen, Ausländer., die durch den Numerus clausus — vor allem in Ungarn und Rumänien — am Studium in ihrer Heimat verhindert sind, als Studenten nicht mehr zuzulassen.“ Berlin, 9. Dezember. (JTA.) Bei den Kammerwahlen der „Großdeutschen Studentenschaft“ an der Technischen Hochschule Charlottenburg haben die Nationalsozialisten wieder einen starken Erfolg zu verzeichnen. Sie sind von neun Mandaten im letzten Jahre auf 20 Mandate ge-

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