Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 50 (12.12.1930)
- Date
- 1930-12-12
- Page
- Seite 715 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 715 befassen und es von den Vorteilen dieser Symbiose überzeugen müssen. Ich sehe keinen Grund zum Pessimismus. Der Erfolg des Palästinawerkes hängt in erster Linie von der Entschlossenheit und den Anstrengungen der Juden selbst ab. Das jüdische Nationalheim ist für die Juden kein Luxus, sondern eine bittere Notwendigkeit, und darum müssen sie versuchen, der gegenwärtigen Schwierigkeiten durch Vervielfachung ihrer Anstrengungen Herr zu werden. Austritt der Radikalen Zionisten Österreichs aus dem Radikalzionistischen Weltverbande Wien, 4. Dezember. (JTA.) Der unter der Führung von Robert Stricker stehende Verband demokratischer (radikaler) Zionisten Österreichs hat den Austritt aus dem Weltverbande der Radikalen Zionisten beschlossen. Beschluß und Vollzug wurden sogleich dem Zentralkomitee des Weltverbandes in Berlin offiziell bekanntgegeben. Gleichzeitig hat der Verband der Radikalen Zionisten in Österreich beschlossen, in Verhandlungen mit dem revisionistischen Exekutivkomitee in London einzutreten zwecks Bildung einer Wahl- und Kongreßgemeinschaft zum bevorstehenden XVII. Zionistenkongreß und auf demselben. Oberbaurat Stricker motiviert den Austrittsbeschluß damit, daß er und seine Organisation in Österreich die Politik des Zentralkomitees des Weltverbandes der Radikalen Zionisten nicht weiter verantwortlich mitmachen konnten. Die Lemberger Tagung des Radikalzionistischen Weltverbandes im Juli d. J. hat Richtlinien für die zionistischer Politik beschlossen, mit denen die österreichischen Radikalen sich decken konnten, seither seien aber die anderen radikalzionistischen Führer Grünbaum, Dr. Emil Margulies, Dr. Goldmann und Dr. Soloweitschik von diesen Richtlinien soweit abgewichen, daß der österreichische Verband ein weiteres Verbleiben im Radikalzionistischen Weltverbande mit seinem zionistischen Verantwortungsgefühl nicht länger vereinbaren konnte. Tagungsort und Eröffnungstag des 17. Zionistenkongresses noch unbekannt London, 6. Dezember. (JTA.) Wie die Zionistische Exekutive der Jüdischen Telegraphen- Agentur mitteilt, sind die in der Presse verbreiteten Nachrichten über die Wahl eines Tagungsortes für den 17. Zionistenkongreß und die Festsetzung eines bestimmten Datums seiner Eröffnung als verfrüht anzusehen. Die endgültige Festsetzung des Eröffnungstages hängt wesentlich von der bisher noch nicht getroffenen Bestimmung des Kongreßortes ab. Die Exekutive hat zwei Bevollmächtigte nach Holland entsandt, um die Möglichkeit der Abhaltung des Kongresses im Haag oder in Amsterdam zu untersuchen. Sollte es untunlich erscheinen, den Kongreß nach einem dieser beiden Orte einzuberufen, so wird vermutlich Karlsbad endgültig als Kongreßort gewählt werden. Das Projekt der Einberufung des Kongresses nach Antwerpen wurde endgültig fallen gelassen, weil in dieser Stadt keine geeigneten Säle für die Tagungen des Kongresses vorhanden sind. Antonius-Wäscherei ■ Sommerstraße 6o ■Hl Lindwurmstraße gy Telefon 44438 e Blitzbilder aus Erez Von Michael (Jerusalem) Dumme Juden! Miac Donalds Weißbuch verficht den Königsgedanken, in Palästina aus jüdischem Geld das arabische Nationalheim auszubauen. Im Alltagsleben ist das schon vielfach vorahnend durchgeführt. So kostet eine Fahrt mit dem Talpiother jüdischen Autobus nach oder von der Stadt für einen Juden I Grüsch und, wenn er ein Abonnementheft mit 20 Scheinen auf einmal löst, 3A Grüsch, während ein Araber nur V2 Grüsch bar zu zahlen hat. Denn „sie sollen sich wieder an uns gewöhnen“, raunt Chanukah, der Chauffeur uns zu. Als ich neulich im Auto sitze und der Kontrolleur einsteigt, will ich ihm einen Fahrschein reichen. Da greift mein arabisches Visa-vis, unter dem Tarbusch hervorlächelnd, nach dem Schein und hält mir ein V2 Groschenstück hin. Wie das? Er möchte eben zweimal dafür fahren. „Dumme Juden!“ denkt er sich. Ein verpaßter Beleg Sir Simpson war höchst gewissenhaft. In seinem Report befaßte er sich nicht nur mit den armen Fellachen, um sie vor der jüdischen Zudringlichkeit zu schützen. Nein, sein Herz war allen Arabiren aufgetan, welche unter der lästigen Einwanderung leiden. So gibt er mitfühlend die Klage wieder, in Tel-Awiw, „der Vorstadt Jaffas“, hätten die jüdischen Ärzte aus Europa sich so vermehrt, daß ihre arabischen Kollegen in Jaffa arbeitslos werden. „Denn das arabische Publikum hat keine Aversion, Juden zu konsultieren“. Anscheinend hat das Colonial Office diesen Wink übersehen, denn es wurde nur die Einwanderung jüdischer Arbeiter gesperrt und nicht auch die jüdischer Ärzte usf. Aber vielleicht kommt das noch nach. Merkwürdig nur, daß jene starke arabische Aversion, welche Shawu und Simpson uns Juden so ankreiden, gerade bei den jüdischen Ärzten versagt. Starb da neulich Ehren-Muftis bester Freund und Pogromgehilfe Scheich Shawadee aus Caza. Er hatte sich eine Blutvergiftung zugezogen, und, als das Ding schon schlimm stand, holte man den Arzt herbei, natürlich einen Konnationalen. Da winkte der Kranke zornig ab, Auch von Briten, Deutschen und sonstigen Christen wollte er nichts wissen. Er ließ sich den weiten Weg nach Jerusalem führen, ausgerechnet ins Spital Schaare Chesed, das ein bekannt orthodoxer Jude leitet, gab sich dort vertrauensvoll dem Messer des jüdischen Chirurgen und ließ sich, als schließlich die Transfusion nötig wurde, von einem dritten Juden Blut spenden. Leider kam all diese Hilfe zu spät. Der Fall passierte erst nach Simpsons ruhmreichen Abschied aus Erez. Schade, schade; was hätte er daraus gemacht! Schuster und Schlosser Den Schustern geht’s schlecht, seitdem Bata, der Großfabrikant aus Zlin in Mähren, Palästina endeckt hat. Seine Rieseninserate locken, seine Warenhäuser offerieren schön und billig und das neugierige Publikum beißt an. Da scharten sich die Schuster, natürlich zuerst im initiativen Tel-Awiw zur Abwehr zusammen und demonstrierten in öffentlichem Umzuge für ihr täglich Brot und für heimische Erzeugung; „Tozereth Haarez“. Prompt griff die Behörde ein, arretierte und strafte. Denn, was sich heute gegen den Stiefel aus der Tsche-