Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 49 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- Seite 700 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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700 Das Jüdische Echo Nr. 49 hatte und in Zeitungen und Plakaten die jüdischen Arbeiterführer Arlosoroff, Sprinzak und Kaplansky als Redner angekündigt worden waren, nahmen die jüdischen Arbeiterführer im Hinblick auf die ungeklärte Situation bei den Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency an der Versammlung nicht teil. Lange vor Beginn der Versammlung war die 15 000 Menschen fassende Monicendam Hall überfüllt. Tausende, die keinen Einlaß finden konnten, drängten sich vor den Eingängen. Schon bei der Eröffnung der Versammlung setzte ungeheurer I umult ein. viele Hunderte Zuhörer riefen ununterbrochen: „Wir wollen keine Reden für den Labour-Kandidaten hören! Whitechapel wird niemals einen Labour-Kandidaten wählen! Die Labour-Regierung hat uns verraten!“ Der Lärm dauerte über eine Stunde an, ohne daß es irgendeinem Redner gelang, sich verständlich zu machen. Parallel mit der Versammlung wurde ein improvisiertes Meeting unter freiem Himmel abgehalten. auf dem Gegner des Weißbuches und der Arbeiterpartei die Haltung der britischen Regierung verurteilten und die Wähler aufforderten, gegen die Labour Party zu stimmen oder sich der Stimme zu enthalten. Auf einem in der St.-George-Stadthalle abgehaltenen sozialistischen Massenmeeting wurde der Kandidat der Labour Party, James Hall, ausgepfiffen und niedergeschrien, so oft er auf die Palästinapolitik zu sprechen kam. Es gelang ihm nur mit großer Mühe, drei aus der Mitte der Versammlung an ihn gestellte Fragen zu beantworten, worauf er gezwungen war, unter Abzugsrufen die Versammlung zu verlassen. Aus der jüdischen Welt Die Staatsbeihilfen für die Preußisch-Jüdischen Gemeinden Berlin, 2. Dezember. (JTA.) Vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wird mitgeteilt: Aus der Arbeit der Dezernate seien die langwierigen Verhandlungen hervorgehoben, die in Sachen der Staatsbeihilfen geführt wurden. Es handelt sich hierbei einmal um die Gehaltszuschüsse zur Besoldung der Rabbiner. Hier hat sich ein Teil der vom Ministerium für die Verteilung aufgestellten Grundsätze als verfehlt und für die jüdischen Gemeinden nachteilig erwiesen. Insoweit war mit allem Nachdruck gegen sie anzukämpfen. Zum Teil sind diese Verhandlungen erfolgreich gewesen, was sich bei der diesjährigen Verteilung schon ausgewirkt hat. Im übrigen gehen unsere Bemühungen weiter dahin, dem von uns vertretenen Standpunkte in vollem Umfange Geltung zu verschaffen. Was die Unterstützungen für leistungsschwache Synagogengemeinden anlangt, so hatte das Ministerium die Absicht geäußert, die Ausschüttung nicht mehr durch uns, sondern durch die Regierungspräsidenten vornehmen zu lassen. Das wäre mit schweren Nachteilen für die Gemeinden verbunden gewesen. Es ist durch äußerst dringende Vorstellungen gelungen, das Ministerium von seiner Absicht abzubringen und die Ausschüttung der ersten Rate an uns zu erreichen. Bezirkskonferenz der Jewish Agency in Köln Köln, 1. Dezember. (JTA.) Am 30. November fand in Köln eine Bezirkskonferenz der Jewish Agency statt, an der etwa 120 Mitglieder der Keren-Hajessod-Komitees in Köln und zahlreichen Orten des Rheinlands und Westfalens teilnahmen. Den Vorsitz führte Herr Dr. h. c. Alfred Leonhard Tietz, der in seiner Eröffnungsansprache die Wirkung der englischen Regierungserklärung besprach und die Hauptfragen formulierte, die im Zusammenhang mit der veränderten politischen Situation sich für die Arbeit der Jewish Agency in Deutschland ergeben. Herr Direktor Oskar Wassermann schilderte in einem großangelegten anderthalbstündigen Referat die politische Entwicklung, die schließlich zum Weißbuch geführt hat, und die Vorgänge nach dessen Veröffentlichung und behandelte1 dann sehr eingehend die Bedeutung des jüdischen Palästinawerks für die Judenheit im allgemeinem und für die deutschen Juden im besonderen. Nach einer sehr angeregten Debatte, an der sich die Herren Justizrat Bodenheimer (Köln), Dr. Grüneberg (Elberfeld), Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln), Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) und Dr. Martin Rosenblüth (Berlin) beteiligten und nach einem Schlußwort von Direktor Wassermann schloß Herr Tietz die Tagung mit Dankesworten an den Referenten und mit einem warmherzigen Appell zu verstärkter Mitarbeit und gesteigerter Opferwilligkeit für den Keren Hajessod. Eine Synagoge an eine katholische Gemeinde verschenkt Berlin, 1. Dezember. (JTA.) Das „Berliner Tageblatt“ bringt folgendes Telegramm1: In dem Städtchen Wattenheim in der bayerischen Pfalz ist die Synagoge schon seit vielen Jahren nicht mehr zu Gottesdiensten benutzt worden. Infolgedessen ist das Gebäude jetzt von der israelitischen Gemeinde an die katholische Gemeinde von Wattenheim verschenkt worden. Feuilleton Ewiger Jude, bist du am Ziel? Von Albert Aus dem im Phaidon-Verlag, Wien, erschienenen Buche von Albert Londres, dem berühmten französischen Reporter: „Der ewige Jude am Ziel“, in dem er von seiner Reise zu den Juden in der ganzen Welt höchst eindrucksvoll erzählt, geben wir im folgenden das abschließende Kapitel wieder. Wir werden auf das Buch noch zurückkommen. Ewiger Jude, bist du am Ziel? Als ich ihn diesen Winter durch die Karpathen stapfen sah, dachte ich, er sei auf dem Weg nach Palästina, für ihn! *tte sich die Sonne wieder über Londres dem Lande Kanaan erhoben. Nach dem Worte Zephanjas, des Sohnes Chusis, des Sohnes Gedaljas, des Sohnes Amarjas, des Sohnes Hiskias, sang nun wohl Zion Freudengesänge, jubelte Israel, und erfüllte Jauchzen Jerusalem, hatte der Herr endlich seine Feinde vertrieben und den Spruch der Verdammnis ausgelöscht. Beinahe in allen Staatskanzleien Europas und Amerikas hörte ich sagen, daß England, der Stimme Gottes gehorchend, den so lange Verbannten wieder in sein Land zurückführe und seinen Namen, der zum Schimpfwort geworden war, wieder zu Ehren bringen wolle. Ich freute mich über sein Glück. 999999999214