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Das jüdische Echo · 1930-12-05 · 49 (5.12.1930) · p. Seite 698

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
Seite 698 (sequence 6)
Language
German
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698 Das Jüdische Echo Nr. 49 Man braucht nicht zu fragen, welcher Art die Leute waren, denen es Vorbehalten blieb zum erstenmal eine Habimaaufführung zu antisemitischen Exzessen zu benützen. Wie immer, mißbilligt die Parteileitung der NSDAP, auch diesmal die „an sich aber begreiflichen“ Vorfälle. So erklärte wenigstens der nationalsozialistische Stadtverordnete. Immerhin scheinen einige Zusammenhänge zu bestehen. Der Landtagsabgeordnete Dr. Hellmuth (Marktbreit) war im Theater und ein interessierter Zuhörer. Er wollte auch seine Eindrücke in einem in letzter Stunde von der Polizei verbotenen Vortrag am 23. November seinen Genossen mitteilen. Thema: „Kulturbolschewismus im Würzburger Stadttheater.“ Außerdem sieht man die Herren Studenten selten in so großer Menge auf der Straße. Man hatte den Eindruck, als ob fast nur Studenten beteiligt gewesen seien. Die Krawalle anderer Universitätsstädte verpflichteten eben auch die Würzburger Studentenschaft zu ähnlichen Taten. Die nichtjüdische Öffentlichkeit ließ sich weiter nicht aus der Ruhe bringen. Während jedoch die sozialdemokratische und katholische Presse eine ausführliche Darstellung unter scharfer Verurteilung der Vorfälle gaben, brachte das unparteiliche bürgerliche Blatt, das nebenbei das hauptsächliche Insertionsorgan auch der jüdischen Geschäftswelt ist, ganze fünf Zeilen und stellte nur fest, daß solche Dinge für Würzburg neu seien. Daß es im Stadtrat zu einer Debatte kam, ist wohl großen Teils darauf zurückzuführen, daß der von Nationalsozialisten wohlgehaßte Oberbürgermeister zufällig ebenfalls aufs schwerste angepöbelt wurde. Die jüdische Öffentlichkeit steht heute noch unter dem furchtbaren Eindruck jenes Abends und über die Notwendigkeit Abwehrmaßnahmen zu treffen gegen solche Vorfälle, herrscht Einmütigkeit bei allen Gruppen. Aber die Methoden und ihre Wirksamkeit sind sehr umstritten. Dieses Ergebnis hatte eine vom CV. (schon vorher aus anderen Gründen) einberufene Versammlung am Tage nach dem Habima-Gastspiel. Es wäre zu wünschen, daß eine starke gemeinsame Abwehrfront gebildet wird. Es wäre aber notwendig. die Moral aus dieser Geschichte auch unter einem anderen Gesichtspunkte zu betrachten, nämlich unter dem, daß die Judenheit auch in Deutschland nicht allein dazu da ist, um gemeinsam verprügelt zu werden, daß es auch noch andere Gemeinsamkeiten gibt. J. B. Pogromhetze des Völkischen Beobachters München, 2. Dezember. Die nationalsozialistischen Zeitungen teilen mit, daß man in der Pfalz einem großangelegten kommunistischen Attentatsplan gegen die nationalsozialistische Bewegung auf die Spur gekommen ist; es soll sich um ein Bombenattentat auf die nationalsozialistische Gaugeschäftsstelle in Kaiserslautern handeln; es soll sogar ein Anschlag auf Adolf Hitler anläßlich seines Besuches in Kaiserslautern geplant gewesensein. Der „Völkische Beobachter“ und die anderen nationalsozialistischen Zeitungen knüpfen an diese Mitteilungen gefährliche Drohungen gegen die Juden. Der „Völkische Beobachter“ schreibt: „Das sind nun die »politischen Kinder4 des Herrn Severing, die in ganz folgerichtiger Weise vom Dolch und Revolver zum Säure- und Giftattentat, vom Schlagring zur Bombe übergehen. So, wie es eben die jüdischen Hirne ihrer Hintermänner ausgesonnen haben. Der geplante Anschlag auf unseren Führer Adolf Hitler zeigt blitzartig, daß Juda gewillt ist, jedes Mittel in Anwendung zu bringen, um die verhaßte Freiheitsbewegung der Deutschen zu vernichten. Aber auch hier wird der gewünschte Erfolg ins’ Gegenteil verkehrt werden. Wir wollen keine Judenpogrome, aber wehe den jüdischen Drahtziehern, wenn auch nur einem einzigen Führer ein Haar gekrümmt werden sollte! Einen solchen Sturm der Volksempörung wird Deutschland noch nicht gesehen haben, wie er dann über die Häupter der Schuldigen kommen wird'. Es gibt nun keine Wahl mehr als die: Deutschland besinnt sich in letzter Stunde, oder das Chaos bricht unweigerlich herein.“ Weiteres Ansteigen der nationalsozialistischen Welle — Nationalsozialistische Wahlsiege in Bremen, Bielefeld und im Eutiner Ländchen Berlin, 1. Dezember. (JTA.) In einzelnen deutschen Landesteilen haben am gestrigen Sonntag Wahlen in Gemeinden und Landkreisverwaltungen stattgefunden, die ein weiteres, sehr erhebliches Ansteigen der nationalsozialistischen Welle erkennen lassen. In Bremen-Stadt, wo alle bürgerlichen und Arbeiterparteien eine Einbuße an Stim^ men gegenüber der Reichstagswahl im September erlitten haben, haben die Nationalsozialisten ihre Stimmen mehr als verdoppelt. Auf ihre Liste wurden 45 713 (gegen 22 014 bei der Reichstagswahl) Stimmen abgegeben. Von den insgesamt 120 Sitzen im Bremer Stadtparlament erhielten die Nationalsozialisten 32 (bisher 2) Sitze. Dagegen haben die Nationalsozialisten im Wahlkreis Bremerhaven, wo sie sich gespalten haben, ihre Stimmen kaum etwas vermehrt. — Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung und zum Kreistag Bielefeld haben die Nationalsozialisten ungeachtet einer schwachen Wahlbeteiligung 22 132 (gegen 16 641 bei den Reichstagswahlen) Stimmen auf ihre Liste vereinigen können. — Im Oldenburgischen Landesteil Lübeck-Eutin, der etwa 90 Städte und Gemeinden umfaßt, haben die bürgerlichen Gruppen rund 662U Prozent ihrer bisherigen Stimmen und 6 Mandate verloren. Die Nationalsozialisten ziehen mit sieben von insgesamt siebzehn Mandaten zum erstenmal in den Landesausschuß ein. Student und Gemeinde Wirft man mal einen Blick auf das Verhältnis der jüdischen Gemeinden zu den Akademikern, die als Studierende in Betracht kommen, so wird man finden, daß im allgemeinen überhaupt keine Beziehungen untereinander bestehen. Während bei den Evangelischen und Katholiken mindestens noch akademische Gottesdienste veranstaltet werden, entfält dies bei den Juden vollkommen. Der Einwurf, daß die gottesdienstlichen Veranstaltungen ja auch den Studierenden jüdischen Glaubens offen sind, sollte nicht erhoben werden. Bei den Andersgläubigen trift dies gleichfalls zu und dennoch unterzieht man sich der Mühe, für den Studierenden besondere Andachten zu schaffen. Aus dem Grunde, das Interesse für die religiösen Belange bei der jungen studierenden Generation zu heben, zu erwecken, zu erhalten. Diese Gesichtspunkte sollten auch bei den jüdischen Gemeinden in Erwägung gezogen werden. Vielleicht

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