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Das jüdische Echo · 1930-12-05 · 49 (5.12.1930) · p. Seite 696

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
Seite 696 (sequence 4)
Language
German
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696 Das Jüdische Echo Nr. 49 wig Wittkowski, Eitel Rockmacher, Dr. Joachim Seeligsohn, Dr. Max Meyer. Da Kleemann sein Mandat im Gemeindevorstand behalten dürfte, wird noch Dr. Kurt Lewin in die Repräsentantenversamlmung einziehen. Von volksparteilicher Seite sind in die Landesversammlung des Landesverbandes gewählt: Dr. Klee, Georg Kareski, Dr. Hermann Badt, Kurt Blumenfeld, Dr. Emil Lewy, Dr. Soloweitschik, Dr. Werner Silberstein, Dr. Elfriede Bergel-Gronemann, Dr. Kollenscher, Dr. Sandler, Gustav Benario, Isidor Engländer, Dr. Kanowitz, Dr. Nahurn Goldmann, Dr. Else Rabin-Heß, Dr. Georg Landauer, Dr. Abraham Loeb, Alfred Berger, Dr. Hermann Stahl, Pinchas Hauser, Dr. Abraham Steinert und, da von den Genannten mindestens drei in den Rat des Landesverbandes gewählt werden dürften, noch Dr. llya Altschul, Isidor Bach und Dr. Alfred Landsberg. Der Erfolg der Liberalen ist zu sehr in die Augen springend, als daß man ihn verkleinern könnte. Allerdings ist er zum größten Teile Umständen zu verdanken, die nur als wenig erfreulich bezeichnet werden können. Unter der Parole „Sieg über die Grenadierstraße“, „Galizianer hinaus“ und „Die Zionisten wollen uns ins Ghetto zurückführen“, zogen die Liberalen in den Kampf und scheuchten weite Kreise der jüdisch völlig uninteressierten Bevölkerungsteile in Groß-Berlin auf. Was in diesem Wahlkampfe nicht nur von Vertretern dritter und letzter Garnitur der Liberalen, sondern auch von führenden Männern dieser Partei an Verdächtigungen geleistet wurde, erfüllt uns mit tiefer Scham. Wenn von Mund zu Mund geflüstert wurde, die Zionisten hätten in der Gemeinde eine schauderhafte „Mißwirtschaft“ getrieben, wenn man sich nicht entblödete, eine unverantwortliche Ostjudenhetze zu inszenieren, wenn behauptet wurde, daß Zionisten und Ostjuden an dem Ansteigen der antisemitischen Welle in Deutschland die Schuld tragen, so sind das Kampfmethoden, die man als Mensch und Jude ablehnen muß. Natürlich lehnen die Führer der Liberalen und ihre hochmögenden Förderer (PolizeivizepräsidentWeiß u. a.) in gutem Glauben die Verantwortung für diese Exzesse ab. Aber man kann beim besten Willen diese Herren nicht von der Schuld freisprechen, daß sie die intellektuellen Urheber derartiger Entgleisungen und Ausschreitungen sind. Denn bis sich der zarte Hinweis des Polizeivizepräsidenten Weiß auf den Einfluß der Ostjuden in der Gemeinde bis in die am tiefsten stehenden Kreise der liberalen Anhänger und Wählerschaft fortgesetzt hat, so lautet dieser zarte Hinweis bereits „Sieg über die Grenadierstraße“ und „Galizianer hinaus“. Unvergessen wird in den Kreisen der Zionisten und der Volkspartei das Eingreifen des Central- Vereins in den Wahlkampf bleiben. Der Central- Verein veröffentlichte in seinem Organ zwei Tage vor der Wahl einen Aufruf, in dem er sich die Parole, daß die Zionisten die Juden „ins Ghetto zurückführen“ wollen, zu eigen macht. Ganz unverblümt trat der Central-Verein für die Liberalen ein, wenn er auch schrieb, daß man „eine der religiösen Parteien“ wählen solle. Die Antizionisten aller Schattierungen haben sich zusammengefunden. Zur Charakteristik der Kampfmethoden kann eine Vergleichung der liberalen Wahlzeitung mit der Wahlzeitung der Jüdischen Volkspartei dienen. Die Liberalen zitierten Rathenau, der für jüdische Dinge fast kein Interesse hatte und prononziert nur in dem berüchtigten Aufsatz „Höre Israel“ in Hardens „Zukunft“ zur Judenfrage Stellung nahm. Ferner außer Jacob Wassermann, Stefan Zweig, der unseres Wissens ein volksbewußter Jude ist. Die Geschmacklosigkeit, Zionisten als Völkische zu bezeichnen und hinzuzufügen, daß die zionistischen Forderungen eine Rechtfertigung der Nationalsozialisten sind, fehlte natürlich im liberalen Flugblatt nicht. Die Wahlbewegung war für die Volkspartei und für die Zionisten, wie wir schon mehrmals ausgeführt haben, eine gute Gelegenheit, die Grundsätze des bewußten Judentums, die Lehren des Zionismus in die jüdische Bevölkerung zu tragen. Für den Abend des 29. November hatte die Volkspartei eine Versammlung in die Stadthalle einberufen. Aus der einen Versammlung wurden vier. Darunter eine tausendköpfige Versammlung unter freiem Himmel vor der Stadthalle. Alle Versammlungen verliefen ohne die geringste Störung. Man kann die Zahl der zu diesen Versammlungen herbeigeströmten Menschen (Wähler und Nichtwähler) auf viele Tausende schätzen. Der Polizeivizepräsident Weiß möge sich bei seinen ihm unterstehenden Organen erkundigen, wie musterhaft diszipliniert sich die vielen tausende Ostjuden in der Versammlung unter freiem Himmel benommen haben. Vielleicht wird er alsdann seine im Wahlkampfe ausgesprochene nicht allzu günstige Meinung über seine ostjüdischen Glaubensgenossen revidieren. Der Wahltag verlief überall in vollständiger Ruhe. Die Auszählung nahm sehr viel Zeit in Anspruch (wegen der Doppelwahl), so daß die ersten endgültigen Resultate erst fünf Stunden nach der Wahl allerdings zuerst im Parteibüro der Volkspartei in der Meinekestraße bekannt wurden. Die im vorstehenden mitgeteilten Ergebnisse können noch nach erfolgter Prüfung der als ungültig erklärten 461 Stimmen kleine Änderungen erfahren, die jedoch das Gesamtergebnis in keiner Weise tangieren können. Es ist nicht anzunehmen, daß von irgendeiner Seite ein begründeter Wahlprotest eingebracht werden könnte. Man kann somit rechnen, daß in ungefähr zwei Wochen nach erfolgter Bestätigung durch die Aufsichtsbehörde, das Polizeipräsidium, die neue Repräsentantenversammlung ihr Amt antreten wird. Der zukünftige Vorstand der Jüdischen Gemeinde dürfte sich, da nach altem Brauche die Vorstandssitze proportional zur Besetzung der Repräsentantenversammlung aufgestellt werden, aus 6 Liberalen, 4 Volksparteilern und einem Mitglied der Mittel- oder Überpartei zusammensetzen. Vorstand und Repräsentantenversammlung haben nach Lage der Dinge keine liberale Zweidrittel- Mehrheit für Statutenänderungen und für Besetzung von Rabbinerposten und anderer wichtiger Stellen mit besonderer Befugnis in der Gemeindeverwaltung. Es dürfte sich also zunächst in der Berliner Jüdischen Gemeinde nur sehr wenig ändern. In der vorigen Session der Gemeindeverwaltung hatten die Volksparteiler auch nur eine Minorität, die sie allerdings durch das Bündnis mit Mittelpartei und Konservativen entscheidend in die Wagschale warfen. Diesmal haben die kleineren Parteien derartig starke Einbußen erlitten, daß die Volkspartei, wiewohl sie in gleicher Stärke in die Repräsentantenversammlung zurückkehrt, aus der entscheidenden Regierungspartei die stärkste Oppositionspartei geworden ist. s. n. Das Ergebnis Über die Bedeutung des Ergebnisses äußert sich Kurt Blumenfeld in der „Jüdischen Rundschau“ wie folgt:

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