Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 49 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- Seite 695 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 49 5. Dezember 17. Jahrgang Die jüdischen Wahlen in Berlin Starkes Anwachsen der liberalen und volksparteilichen Stimmen. Schwächung der Mittelparteien. — Mißerfolg der neuen Listen Wieder liberale Mehrheit Die Berliner jüdischen Wahlen vom 30. November brachten von ungefähr 130 000 Wahlberechtigten (etwa 5000 Wahlberechtigte, die ihre Wahllegitimationen wegen Wohnungswechsels und aus anderen Gründen nicht bekommen hatten, bleiben außer Betracht) 77398 Wähler an die Urne, das bedeutet eine Wahlbeteiligung von 5 9,54 %. Ein derartig starkes Interesse an jüdischen Wahlen ist zum ersten Male seit dem Bestehen der Berliner Jüdischen Gemeinde festzustellen. Von der Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen (461 Stimmen wurden ungültig erklärt) erhielten: die Liberalen 41704, die Volkspartei 25526, die Mittelpartei 1776, die Konservativen 1390, die Poale Zion 1911, die Deutsche Liste 1344, Klal Jisroel 113, die Uberpartei 2333, die Positiv-Liberalen 721, der Demokratische Block 119 Stimmen. Demgemäß erhalten die Liberalen 24 Mandate, die Volkspartei 14 Mandate, die Mittelpartei 1 Mandat, die Poale Zion 1 Mandat, die Überpartei 1 Mandat. Zum Vergleich seien die Wahlergebnisse vom 16. Mai 1926 angeführt. Damals erhielten: die Liberalen 23 252, die Volkspartei 16 370, die Mittelpartei 5539, die Konservativen 2901, die Poale Zion 2145, von insgesamt 50 207 abgegebenen Stimmen. Verglichen mit der Wahl vom 30. November hat sich die Anzahl der abgegebenen Stimmen bei der ungefähr gleichen Anzahl von Stimmberechtigten um 54,1% erhöht. Der Wahlquotient bei der Wahl am 30. November betrug 1887. Von den abgegebenen Stimmen erhielten die Liberalen 54%, die Volkspartei fast 33%, die Poale Zion 2,47%. Im Mai 1926 erhielten die Liberalen 46,31%, die Volksparteiler 32,25% und die Poale Zion 4,27%. Gegenüber den bei der Wahl im Jahre 1926 erhaltenen Stimmen haben die Liberalen diesmal eine Steigerung ihrer Stimmenzahl von 80% und die Volkspartei eine Steigerung von 52% zu verzeichnen. Mittelpartei, Konservative und Poale Zion, von den alten Parteien, haben eine absolute und prozentuale Einbuße gegenüber den Wahlen von 1926 erlitten. Die Liberalen haben gegenüber den listenverbundenen Volksparteilern und Poale Zion eine Mehrheit von 14 267 Stimmen, worauf, entsprechend dem Wahlquotienten von 1887, 7 Mandate entfallen sollten. Das geltende de Honte-System aber begünstigt die großen Parteien zu Ungunsten der abgesplitterten Stimmen und so bekamen die Liberalen anstatt der ihnen gebührenden sieben Mandate neun. Zugleich mit den Wahlen zur Repräsentantenversammlung fanden auch die Wahlen zum Preußischen Landesverbände jüdischer Gemeinden in Berlin statt. Während für die Gemeinde 41 Repräsentanten zu wählen waren, betrug die Zahl d^tdandate für den Landesverband 63. Demgemäß erhalten die Liberalen 37 oder 38 Mandate, die Volkspartei 21 oder 22 und die anderen Parteien (Mittelpartei, Uberpartei und Poale Zion) die restlichen 4 oder 5 Mandate. Die Wahlen in Berlin haben bewiesen, daß es nur zwei starke Richtungen in der jüdischen Gemeinschaft gibt: Liberale und Zionisten. Es ist erfreulich, daß die „Deutsche Liste“ (Naumann-Verband) kein Mandat zu erlangen vermochte. Auffallend ist der starke Rückgang der Konservativen. Die Neubildungen („Positiv-Liberale“, „Klal Jisroel“, „Demokratischer Block“) haben keine Resonanz in der Wählerschaft gefunden. Auch die Überpartei ist in ihrer Stimmenzahl selbst hinter pessimistischen Erwartungen zurückgeblieben. Die Mittelpartei hat einen sehr starken Stimmenverlust zu verzeichnen und konnte nicht einmal den Wahlquotienten erreichen. Ihr Mandat verdankt sie dem Umstande, daß die Restzahl der Liberalen für das 25. Mandat nur 1668, und die Restzahl der Volkspartei für das 15. Mandat 1703 beträgt. Die Volkspartei bleibt u.m eine geringe Anzahl von Stimmen hinter der von der Mittelpartei erreichten Zahl von 1776 zurück. Von der Jüdischen Volkspartei sind in die Berliner Gemeinde gewählt: Dr. Alfred Klee, Georg Kareski, Prof. Loewe, Hans Goslar, Markus Hornstein, Lina Wagner-Tauber, Dr. Siegfried Moses, Prof. Dr. Hermann Pick, Dr. Hermann Lelewer, Alfred Berger, Arthur Rau, Dr. Oskar Wolfsberg, Moses Goldmann, Philipp Grünbaum und (da Georg Kareski Vorstandsmitglied ist und dieses Amt niederlegen müßte, um den Sitz in der Repräsentantenversammlung zu behalten) Moses Waldmann. Von der Poale Zion ist nur Dr. Oscar Cohn gewählt. Von der Mittelpartei ist gewählt Kommerzienrat Gerson Simon, und, da dieser aus Gesundheitsgründen das Mandat nicht bekleiden dürfte, Dr. Alfred Wiener, der Syndikus des Central-Vereins. Von der Überpartei ist Dr. Ismar Freund gewählt. Da Dr. Ismar Freund als Vorstandsmitglied der Gemeinde auf das Mandat verzichten dürfte und auch gemäß bestehenden Abmachungen die nächstgenannten Kandidaten Dü Josef Hirsch und Stadtrat Alfons Rieß das Mandat nicht annehmen dürften, wird Vertreter der Überpartei in der Repräsentantenversammlung Redakteur Leo Kreindler. Von den Liberalen sind u. a. gewählt: Kleemann, Heinrich Stern, Bertha Falckenberg, Wilhelm Marcus, Moritz Rosenthal, Wilhelm Graetz. Dr, Martin Lesser, Dr. Josef Guttmann, Karl Fuchs, Dr. London, Bruno Woyda, Martin Sobotker, Kurt Fleischer, Walter Michaelis, Alfred Jaulus, Ehrenreicli, Dr. Hans Sachs, Max Eisenkrämer, Louis Wolff, Benno Salinger, Hed-