Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 48 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- Seite 687 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 687 jüdischen Hausierer Moritz Steinberger und Maraus Liebermann aus Kaschau, die beschuldigt werden, zwei Kindern der Gemeinde Simera Blut aus den Händen abgezapft zu haben, wurden abermals die neunjährige Helene Bogdan und der elfjährige Wasil Costa vernommen. Sie leierten ihre Aussage wie eingelernt herunter und erzählten, zwei Juden hätten sie in ein Gebüsch geführt, ihnen Schnitte am Handgelenk beigebracht und Blut abgezapft. Bei der weiteren Einvernahme verstrickte sich Costa und erklärte schließlich, er habe sich die Verletzung an der Hand beim Spielen mit einer Glasscherbe selbst zugefügt. Auch Helene Bogdan spreche nicht die Wahrheit, sie habe sich an einem Dorn verletzt. Die Bogdan gestand schließlich, daß Costa die Wahrheit sagt. Der Gendarmeriewachtmeister Machotka sagte aus, die Anzeige über die Blutabzapfung habe die Lehrerin Aranka Szöke erstattet. Nachdem Staatsanwalt und Verteidiger die Ladung weiterer Zeugen beantragten, wurde der Prozeß auf unbestimmte Zeit vertagt. Der jüdische Parlamentsklub in Polen von 13 auf 8 Abgeordnete reduziert. — Verlust des Fraktionsrechtes Warschau, 19. November. (JTA.) Nach dem jetzt vorliegenden endgültigen Resultat der Wahlen zum polnischen Sejm zählt der jüdische Parlamentsklub jetzt 8 Abgeordnete; im früheren Sejm zählte er 13 Abgeordnete. Da zur Bildung einer Fraktion eine Mindestzahl von 10 Abgeordneten notwendig ist, wird der Klub keine Fraktion mehr bilden können und in den Sejmausschüssen nicht vertreten sein. Außer den 8 Abgeordneten, die auf spezielle jüdische Listen gewählt worden sind (7 auf den zionistischen Listen, einer auf der Agudah-Liste), wurden 4 Juden auf der Pilsudski-Liste gewählt, so daß dem jetzigen Sejm 12 Juden angehören. In Warschau wurden für die zionistische Liste 39 659, auf die der Agudah 32 189, auf die des Bund 13 036, auf die der Linken Poale Zion 1174 Stimmen abgegeben. Von bekannten früheren jüdischen Deputierten sind H. Farbstein, Dr. Wygodski und Rabbiner Brodt nicht wieder gewählt worden. In Bialystok und in Wilna gingen die jüdischen Mandate durch Stimmenzersplitterung verloren; den erwähnten unterlegenen Abgeordneten fehlten je einige 100 Stimmen zum Mandate. Nur ein jüdischer Senator in Polen gewählt Warschau, 24. November. (JTA.) Die am gestrigen Sonntag in Polen durchgeführten Wahlen zum Senat haben den Juden eine Enttäuschung gebracht. Statt der fünf Juden, die dem letzten Senat angehört haben, wird in den neuen Senat nur ein einziger Jude, der in Lemberg gewählte Dr. Schreiber (Zionist) einziehen. Die jüdischen Kandidaten in Warschau (Ing. M. Kerner und Farbstein), Lodz, Bialystok, Wilna, Kielce und Krakau blieben in der Minderheit. Der Maler Maurice Minkowski tödlich verunglückt Buenos Aires, 24. November. (JTA.) Der bekannte jüdische Maler Maurice Minkowski hat heute in Buenos Aires bei einem Auto-Unfall den Tod gefunden. Minkowski, der mit fünf Jahren infolge eines Unfalls taubstumm wurde, entwikkelte früh ein starkes Zeichentalent und studierte 1900 bis 1904 an der Krakauer Akademie. Durch das Erlebnis eines Pogroms im Jahre 1905 wurde der anfängliche Landschaftsmaler zum Maler des jüdischen Elends, zum Herold der Verfolgten und Unterdrückten und schuf als solcher ergreifende Bilder. Ausstellungen in Paris, Antwerpen, Brüssel, Düsseldorf, Berlin usw. brachten ihm große Erfolge. Ein provisorisches Kollegium zur Führung des Administrative Committee der Jewish Agency N e u y o r k , 21. November. (JTA.) Die amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency haben im Hinblick auf die Demission Felix Warburgs als Präsident des Administrative Committee der Jewish Agency ein provisorisches Kollegium zur Leitung des Administrative Committee eingesetzt. Das Kollegium besteht aus Cyrus Adler, Robert Szold, Morris Rothenberg und Bernhard Flexner. Die Ansiedlung von 1000 jüdischen Familien durch die Jewish Agency J eiTu s a 1 e(m, 20. November. (JTA.) Schon in allernächster Zeit wird an die Verwirklichung des Planes der Jewish Agency, 1000 jüdische Familien in Palästina auf Nationalfondsboden außer dem normalen Kolonisierungsprogramm anzusiedeln, geschritten. Die notwendigen Geldmittel zur Ansiedlung von 400 Familien in der allernächsten Zeit sind bereits bereitgestellt. Palestine Economic Corporation sagte Kredite zum Bau von 600 Häusern für die Kolonisten zu. Wahlen zur Assefath Haniwcharim am 15. Dezember Jerusalem, 20. November. (JTA.) Der Waad Leumi hat in seiner unter dem Vorsitz von Pinchas Ruthenberg abgehaltenen Sitzung beschlossen, die Wahl zur Nationalversammlung der palästinensischen Judenheit (Assefath Haniwcharim) auf den 15. Dezember festzusetzen. Neue Bodengesetze für Palestina in Vorbereitung Jerusalem, 23. November. (JTA,) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästinaregierung bereits die Entwürfe für die neue Bodengesetzgebung nach den Richtlinien des Weißbuches fertiggestellt. Den Grundzug der neuen Gesetzgebung bildet ein weitgehender Pächterschutz. In einer Verordnung soll der Verkauf besetzten Landes verboten und trotz des Verbotes abgeschlossene Käufe solchen Landes als ungültig erklärt werden. „Doar Hayom“ und „Felestin“ erscheinen wieder Jerusalem, 25. November. (JTA.) Die Palästinaregierung hat die vor einigen Tagen verfügte Suspendierung der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung „Doar Hayom,, und des Organes der arabischen Exekutive „Felestin“ aufgehoben. Die beiden Tageszeitungen erscheinen ab heute wieder. Exkönig Hussein gestorben London, 20. November. (JTA.) Exkönig Hussein des Hedschas, der repräsentativste Verfechter des Gedankens eines arabischen Staatenbundes, ist im Alter von 81 Jahren auf Cypern im Exil gestorben. 1915 schloß England mit Hussein ein Bündnis und versprach ihm für den Fall des Sieges der Alliierten die Unabhängigkeit Arabiens. Bekannt ist sein Briefwechsel mit General Mac Mahon, der von den Gegnern der Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina immer als Beweis dafür angeführt wird, daß Palästina noch vor Veröffentlichung der Balfour-Deklaration den Arabern versprochen wurde. 1919 wurde