Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 48 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- Seite 686 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9241538--11331-9223389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
686 Das Jüdische Echo Nr. 48 Aus der jüdischen Welt Tagung des Initiativkomitees der Jewish Agency in Deutschland Berlin, 20. November. (JTA.) Am 18. November fand im Logenhaus zu Berlin unter Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann eine gut besuchte Konferenz des Initiativkomitees der Jewish Agency in Deutschland statt, zu der Mitglieder aus allen Teilen des Reiches sowie eine Anzahl von geladenen Gästen erschienen waren. Dr. Nahum Goldmann, Mitglied der Ständigen Politischen Subkommission der Jewish Agency, erstattete ein außerordentlich eindrucksvolles Referat über die durch die Veröffentlichung des englischen Weißbuches geschaffene politische Situation und berichtete ausführlich über die Londoner Tagung der Jewish Agency und des zionistischen Aktions- Komitees, sowie über die gegenwärtigen politischen Maßnahmen der Leitung. Folgende Resolutionen wurden einstimmig angenommen: 1. Das Initiativkomitee der Jewish Agency in Deutschland nimmt Kenntnis von den Resolutionen und Beschlüssen der Ständigen Politischen Subkommission der Jewish Agency in Sachen des Weißbuches der englischen Regierung und hofft, daß die auf Wunsch der englischen Regierung nunmehr begonnenen Verhandlungen mit der Leitung der Jewish Agency zu Ergebnissen führen werden, die geeignet sind, das Vertrauensverhältnis zwischen der Jewish Agency und der englischen Regierung auf der unabänderlichen Grundlage des Palästina-Mandates wiederherzustellen. 2. Das Initiativkomitee der Jewish Agency in Deutschland gibt einmütig seiner festen Entschlossenheit Ausdruck, die Arbeit unbeirrt und mit verstärkter Energie fortzusetzen. Die gegenwärtige Lage des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina stellt die Jewish Agency vor große Aufgaben; begonnene Siedlungen müssen vollendet werden; eine erhebliche Bodenreserve, die in den letzten Jahren erworben wurde, ist zu bearbeiten, und mehrere Tausend jüdischer Landwirte, die nach jahrelanger Vorbereitung auf ihre Ansiedlung warten, sollen auf diesen Böden angesiedelt werden. Da die wirtschaftliche Festigung und der Ausbau unserer Positionen in Palästina auch politisch von entscheidender Bedeutung ist, erwartet das Initiativkomitee, daß auch die deutsche Judenheit, trotz der eigenen Wirtschaftsnot und unbeschadet der Verpflichtung zur Erfüllung der jüdischen Aufgaben in Deutschland, in brüderlicher Verbundenheit mit dem Jischuw in Palästina erhöhte materielle Anstrengungen machen wird, um das große überparteiliche Werk des jüdischen Palästina-Aufbaus nach Kräften zu fördern. Äußere Schwierigkeiten werden den Aufbau der jüdischen Heimstätte nicht verhindern. Die im Mai verfügte Suspendierung von Einwanderungszertifikaten ist aufgehoben, eine neue Einwanderung hat bereits begonnen. Das Gelingen unseres Werkes hängt ausschließlich davon ab, daß die Judenheit mit unbeugsamer Entschlossenheit und erhöhter Opferwilligkeit die Arbeit für Palästina weiterführt. 3. Nach dem Beispiel von Frankfurt und Köln ist die Gründung regionaler Arbeitskräfte für das Palästina-Werk von der Berliner Zentralstelle aus sofort in Angriff zu nehmen. Die Mitglieder des Initiativkomitees sind zu aktiver Mitwirkung in diesen Arbeitskreisen verpflichtet. Tagung des Reichsvorstandes der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge in Berlin Ansteigen der jüdischen Wanderung in Deutschland Berlin, 21. November. (JTA.) Am Sonntag, den 16. November, hielt der Reichsvorstand der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise seine diesjährige Tagung ab. In dem Geschäftsbericht, der von Herrn Dr. Kreutzberger erstattet wurde, wurde festgestellt, daß die jüdische Wanderung in Deutschland im Vergleich zum Vorjahre um 25 Prozent gestiegen ist. Es hat sich gezeigt, daß trotz der erhöhten Inanspruchnahme die Organisation im gesamten Reich ihren Aufgaben gewachsen war. Die Zahl der Wanderer deutscher Staatsangehörigkeit ist in ständigem Wachsen begriffen. Im Berichtsjahr wurden Verbindungen angeknüpft mit Holland, Österreich, der Tschechoslowakei und der Schweiz. Eine mitteleuropäische Arbeitsgemeinschaft für Wanderfürsorge ist gegründet und die Geschäftsführung von der Hauptstelle übernommen worden. Die Hauptstelle ist auch ständiges Mitglied der Internationalen Konferenz für privaten Wandererschutz in Genf. Dem Ausbau des jüdischen Arbeitsnachweiswesens galt ein besonderer Teil der Arbeit der Zentralstelle. Es ist im Berichtsjahre gelungen, das Interesse vieler Gemeinden für das jüdische Arbeitsnachweiswesen zu wecken. Um gerade in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise den außerordentlich dringlichen Ausbau des jüdischen ArbeitsnachweiSwesens fortsetzen zu können, ist mit Unterstützung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden ein Fonds gebildet worden, der der Erweiterung dieser Arbeit dienen soll. Die Vorarbeiten zur Gründung der seit langem geplanten jüdischen Arbeiterkolonie sind nunmehr abgeschlossen, so daß mit der Errichtung der Arbeiterkolonie in allernächster Zeit zu rechnen ist. Die Errichtung der ersten jüdischen Arbeitei kolonie, die produktive Fürsorge und Arbeitsmöglichkeiten verspricht, ist nur dank der Unterstützung durch preußische und Reichsbehörden ermöglicht worden. Für die Fortsetzung der Arbeit gaben u. a. wertvolle Anregungen: Herr Justizrat Dr. Straus (München), Herr Goldschmidt (Leipzig), Herr Chassel (Hamburg), Herr Marcus (Berlin) und Herr Alfred Berger (Berlin). Eröffnung der „Schule des Friedens“ in Berlin Berlin, 24. November. (JTA.) Sonntag, den 23. November, fand in der Synagoge Prinzregentenstraße zu Berlin die Eröffnungsfeier der von der „Jungjüdischen Friedensgemeinschaft“ begründeten „Schule des .Friedens“ (Hillel-Schule) statt. Die Jüdische „Schule des Friedens“ ist im Hinblick darauf, daß es keinen spezifischen jüdischen, sondern nur eine allgemeinen Frieden gebe, als Teil der interkonfessionellen Friedensschule zu betrachten. Ihr Ziel ist, nicht nur Theoretiker des Pazifismus, sondern Realpolitiker auszubilden. Das Programm der Schule sieht Kurse, Seminare und Einzelvorträge vor. Als Kursleiter wurden u. a. Professor Martin Buber, die Rabbiner Dr. Baeck, Dr. Kantorowski und Dr. Prinz, ferner Dr. Alfred Nossig, Helmuth von Gerlach, Otto Lehmann-Russbüldt, Kapitän Persius und Hauptmann a. D. Schützinger gewonnen. Der Ritualprozeß in Karpathorußland abermals vertagt P r a g , 20. November. (JTA.) In dem Prozeß vor dem Bezirksgericht in Nagybereczna gegen die