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Das jüdische Echo · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. Seite 684

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
Seite 684 (sequence 8)
Language
German
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684 Das Jüdische Echo Nr. 48 Südamerika wollten, verletzt. Diese 210 anderen Emigranten sind aber, wie aus Sziget berichtet wird, Juden, Männer, Frauen und Kinder aus Borscha, welche nach Argentinien auswandern wollten, weil sie nicht mehr leben konnten — auf den Ruinen ihrer niedergebrannten Wirtschaften. Hier ist nichts mehr hinzuzufügen. Aber merken wir uns, Rumänien strebt und schreitet entschlossen vorwärts in der Erreichung seiner großen Ideale. Es darf daher nicht zugelassen werden, daß man einem Stück Mittelalter welches sich im Umkreise unserer Grenzen abspielt, gleichgültig gegenübersteht. Eine Stadt, welche nach der Verübung eines schrecklichen Verbrechens ausstirbt. Ein Volk von Menschen, welches auswandert, von Haß und Schlechtigkeit, hinter sich Ruinen, und von Hunger verfolgt. Angesichts dieser Monstruosität darf das Land nicht gleichgültig bleiben. Es hat hier einer hohen moralischen Pflicht zu genügen. Es muß unbedingt diese Pflicht voll und ganz erfüllen. Machet gut das Verbrechen von Borscha! * * * Das Urteil über Borscha Alle angeklagten Pogromanstifter und Exzedenten freigesprochen Bukarest, 23. November. (JTA.) Früher als erwartet (man rechnete ursprünglich mit einer zweiwöchigen Prozeßdauer) hat das Gericht in Satu-Mare (Szatmar) im Prozeß gegen die Rädelsführer und Mitbeteiligten in dem antijüdischen Terror und in den Exzessen von Borscha, die sich vor der Niederbrennung dieser Stadt durch die Antisemiten begeben hatten, gesprochen. Sämtliche der Aufhetzung gegen Juden, der Terrorakte und der Mißhandlungen von Juden Angeklagten, unter ihnen auch die Haupträdelsführer, die Geistlichen Berindei und Dumitrescu, wurden freigesprochen. Einzig der Agitator Danila, mit dessen Ankunft in Borscha die Terror-Periode begann, wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Lei (etwa 125 Mark) verurteilt. Auch die angeklagten siebzehn jüdischen Burger aus Borscha, die gegen die Abhaltung einer antisemitischen Versammlung in der städtischen Volksschule protestierten, und die der Störung einer von Danila einberufenen Versammlung beschuldigt wurden, wurden freigesprochen. Feuilleton Cin Gast aus dem Jenseits Von Schalom Asch Vor vielen Jahren war unserem Freunde folgendes passiert: Einmal lag er an einer ziemlich ernsten Krankheit darnieder — was ihm fehlte, dessen erinnern sich die Leute nicht mehr, jedenfalls aber war es so schlimm, daß man meinte, es gehe mit dem Manne, Gott behüte, zu Ende. Daher ließ man den „Abheber“ holen, das Mitglied des Bestattungsvereines, der Chewra Kadischa, dem es obliegt, die Verstorbenen vom Totenbett zu heben und auf den Fußboden zu legen. Da man sah, daß es um den Mann schlecht stand, ließ man Kerzen anzünden. Die Frau des Kranken rannte in ihrem Schmerz mit dem Kopfe gegen die Wand, und die Kinder erhoben ein furchtbares Jammern und Wehklagen. Schließlich hielt man unserem Freunde eine Gänsefeder unter die Nase, — doch weder sie, noch der Mann bewegte sich. Da drückte man ihm die Augen zu, breitete ein Tuch über ihn und — fertig. Doch als sie unseren Freund aus dem Bett hoben und ihn auf die dünne Schichte Stroh legten, die man nach dem Brauch auf dem Boden ausgebreitet hatte, da — nieste der Mann kräftig. Ihr könnt euch vorstellen, was darauf folgte: Erschrocken lief alles aus dem Zimmer, selbst der „Abheber“, der mit Toten mehr zu tun hatte als mit Lebenden, nahm Reißaus. So etwas war ihm noch nie untergekommen! Als man sich wieder ins Zimmer wagte, saß unser Freund auf dem Stroh, das man für ihn ausgebreitet hatte, blinzelte in eine Kerze, die ihm zu Häupten brannte, und sprach mit matter Stimme: „Gebt mir ein bißchen Hafergrütze!“ Als er später genas und erfuhr, was mit ihm passiert war, erinnerte er sich, daß er tatsächlich schon im Himmel gewesen war; dort trat ein Engel auf ihn zu und fragte ihn: „Wie heißt du, lieber Freund? Damit faßte er ihn am Rocklatz und rief: „Komm mit!“ Doch da legte sich ein anderer Engel, der dabei stand, ins Mittel; er hatte ein sehr gütiges Antlitz und trug weiße Flügel, daraus schloß unser Freund, daß es der gute Engel Gabriel sein müsse. Der Engel Gabriel aber rief: „Halt, nur schön langsam! Wir müssen vorerst feststellen, wem der Mann gehört, zunächst muß das Gericht abgehalten werden, und das ist Sache des Herrn der Welt!“ In einiger Entfernung aber standen, von einer Wolke halb verhüllt, Männer in weißen Totengewändern und Gebetmänteln und nickten dem guten Engel Gabriel beifällig zu. „Das waren wohl“ — fügte Baruch (so hieß unser Freund) erklärend hinzu — „meine Vorfahren, die Ahnen kamen mir entgegen und wenn ich mich nicht täuschte, sah ich unter ihnen meinen seligen Vater zusammen mit meinem Großvater. Mein seliger Vater streckte mir bereits — so glaubte ich — die Hand zum Gruß entgegen. Genau erinnere ich mich allerdings nicht mehr daran, denn gerade in diesem Augenblick gab mir jemand einen Nasenstüber und rief: „Baruch, man braucht dich hier noch nicht!“ und ich schlug die Augen auf.“ Das erzählte der Mann und setzte, wie im Selbstgespräch, hinzu: „Also war ich eigentlich schon im Jenseits.“ Und alles bekam vor Baruch ganz gewaltigen Respekt, in dem sich auch ein wenig Furcht mischte: Ein Mann, der schon im Jenseits gewesen war! Man wich ihm aus, wo man konnte. Wer ihm begegnete, ging auf die andere Straßenseite. Als Baruch das merkte, hob sich sein Selbstbewußtsein, und er kam sich sehr wichtig vor. So oft er sich irgendwie getroffen und benachteiligt fühlte, — wenn man ihn etwa am Sabbath nicht zu jenem Abschnitt der Thoravorlesung aufrief, auf den er Anspruch zu haben glaubte, oder wenn auf dem Markt jemand für einen Sack Getreide oder ein Maß Kartoffeln dem Bauern mehr bot, als er, — zog unser Freund den Leibgurt fester und rief:

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