Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 48 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- Seite 681 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 681 Vorbereitung der Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß London, 19. November. (JTA.) Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat an sämtliche zionistischen Verbände die Aufforderung gerichtet, bis zum 24. November die Hauptwahlkommissionen zu bilden, denen die Durchführung der Wahlen in den einzelnen Ländern obliegt. Für die Ausarbeitung der Wahlinstruktionen wurde als Endtermin der 10. Dezember 1930 bestimmt. Der Stichtag für die Kongreßwahlen ist auf den 31. Dezember 1930 festgelegt worden. Die Zahl der auf jedes Land entfallenden Delegiertenmandate wird laut der Zahl der Schekolim bemessen werden, die bis zum 31. Dezember 1930 bei der Exekutive eingezahlt sein werden. Epilog zur Asta-Wahl Aus Kreisen der zionistischen Studenten wird uns geschrieben: Wie nicht anders zu erwarten war, haben die Wahlen für den Allgemeinen Studentenausschuß (Asta) auch an der Münchener Universität den Nationalsozialisten einen starken Stimmenzuwachs gebracht; die Zahl ihrer Vertreter hat sich verdoppelt, mit den nicht weniger radikalen Gruppen des Waffenrings und des Stahlhelms zusammen besitzen sie nun die absolute Majorität. Was dies für die jüdischen Studenten bedeutet, geht aus dem im Wahlplakat der Nationalsozialisten wiedergegebenen Programm zur Genüge hervor: der Kampf gegen das Judentum, insbesondere die Durchführung des Numerus clausus gehört zu seinen wichtigsten Punkten. Wie verhalten sich in einer solchen Situation die jüdischen Studenten? Ein kurzer Rückblick: Bereits vor einem Jahr hat die Verbindung Jüdischer Studenten „Jordania“, die den größten Teil der zionistischen Studenten zusammenfaßt, eine Versammlung einberufen, bei der eine Einigung der jüdischen Studenten zur gemeinsamen Vertretung ihrer Rechte und Interessen erzielt werden sollte. Diese kam nicht zustande. Die Schuldfrage soll hier nicht nochmals aufgerollt werden. Die weitere Entwicklung hat zur Genüge gezeigt, wer eine Zusammenfassung aller jüdischen Studenten ernsthaft erstrebt. Für die Astawahl besteht von früher her innerhalb der demokratischen Liste, der „Freien Hochschulgruppe“, ein „Zweckverband“, der sich aus der jüdischen Verbindung Licaria im K.C. sowie den paritätischen Verbindungen Thuringia im B.C. und der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung zusammensetzt. Obwohl die „Jordania“ nicht offiziell zum Eintritt aufgefordert war, hat sie sich doch zur Mitarbeit bereit erklärt. Auf der über die Aufnahme der „Jordania“ beratenden Sitzung des Zweckverbandes wurde folgender Beschluß gefaßt: „Der Zweckverband erklärte sich in seiner Sitzung vom 8. November 1930 einstimmig dagegen, daß der K.I.V. sich dem Zweckverband anschließe, da er in ihm alles andere als eine staatserhaltende Bestrebung oder Organisation sieht, durch dessen Hilfe oder durch dessen Mitarbeit ein Fortschritt in der Entwicklung unseres deutschen Vaterlandes möglich wäre.“ Wir möchten nicht versäumen, festzustellen, daß die Licaria diesem Beschluß nicht zugestimmt hat und von ihm abrückt. Unglaublich aber bleibt die Stellungnahme der paritätischen Verbindungen, die sich doch zum überwiegenden Teil aus Juden zusammensetzen. Kann man sich ein würdeloseres Schauspiel denken, als dieses: Die Rechtsradikalen sprechen den jüdischen Studenten die staatsbürgerliche Vollwertigkeit ab. Für sich selbst weist man diesen Vorwurf natürlich mit Entrüstung zurück. Man schreckt aber in dem absoluten Mangel an Schamgefühl, der gerade diese Gruppe jüdischer Studenten kennzeichnet, nicht davor zurück, ihn für die große Zahl der zionistischen Studenten zu bestätigen Wagt man zu behaupten, daß die zionistischen Studenten schlechtere deutsche Staatsbürger sind, weil sie der urdeutschen Bräuche Saufen und Fechten, die brennenden jüdischen Probleme in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen? Wir sind überzeugt, daß die jüdische Öffentlichkeit die aus dem wiedergegebenen Dokument sprechende denunziatorische Gesinnung aufs schärfste verurteilen wird. Es sollte einmal klar und deutlich ausgesprochen werden, daß das Wort von den jüdischen Nationalsozialisten, wenn irgendwo, hier angewendet werden muß, auf diejenigen Juden, deren staatsbürergliche Auffassung darin beruht, anderen Juden, wegen der Verschiedenheit der Anschauungen und Überzeugungen ihren Wert und ihre Rechte abzusprechen. Im übrigen haben sich vor dieser Astawahl auch noch einige andere Vorgänge zugetragen, die für die heutigen Verhältnisse an der Universität symptomatisch sind. Hierher gehört etwa, daß die demokratische Studentengruppe innerhalb der „Freien Llochschulgruppe“ sich zunächst geweigert hat, für einen jüdischen Kandidaten oder für einen mit jüdisch klingenden Namen einzutreten und mit ihrem Austritt aus der „Freien Hochschulgruppe“ drohte, falls dies doch geschehe. Es ist geschehen und die Demokraten sind nicht ausgetreten, aber offenbar ist ihnen dieser Entschluß nicht gerade leicht gefallen und jedenfalls liefern sie einen vollgültigen Beweis dafür, wie weit die Ideologie der Hitlerleute bereits vorgedrungen ist. Auf die jüdische und nichtjüdische Unsicherheit gegenüber den Nationalsozialisten wirft es ein bezeichnendes Licht, daß zwar in der ersten Sitzung des neugewählten Asta die Nationalsozialisten bei der Präsidiumswahl konsequent überstimmt wurden und den Vorsitzenden nicht stellen, obwohl sie die größte Partei im Asta sind, daß aber ausgerechnet und wohl um seine Loyalität und Freundschaft für die Nationalsozialisten aufs hellste erstrahlen zu lassen, der jüdische Vertreter im Asta, Herr Salomon vom Zweckverband, einen Nationalsozialisten zum ersten Vorsitzenden der studentischen Krankenkasse vorschlug, worauf der Nationalsozialist erklärte, daß er eine Wahl nicht annehme, weil er von einem Juden vorgeschlagen sei. Uns will scheinen, daß diese Ohrfeige redlich verdient war. Gegen das Schlachtviehbetäubungs-Gesetz In der am Sonntag in Nürnberg abgehaltenen Obermeistertagung des Bezirksvereins Bayern im Deutschen Fleischerverband wurde von verschiedenen Rednern die Aufhebung des Betäubungsgesetzes gefordert mit der Begründung, daß dadurch Landwirtschaft, Kommunen, Viehhandel, Großschlächter und kleinere christliche Metzgereien einen erheblichen Schaden erleiden So trete allein eine jährliche Einbuße von über 600 000 RM. an Schlachthofgebühren ein. Der 1. Vorsitzende des Landesverbandes jüdischer Metzgermeister, Levi (München), stellte fest, daß sich der Bezirkstag des kommenden Jahres mit der Angelegenheit befassen wolle. Angesichts der außerordentlich schlechten Wirtschaftslage seien aber sofortige Maßnahmen uner-