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Das jüdische Echo · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. Seite 680

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
Seite 680 (sequence 4)
Language
German
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680 Das Jüdische Echo Nr. ^8 beigelegt werden könnte, solange das gegenwärtige Kabinett im Amte ist. Inzwischen wurden die einzelnen Mitglieder der Exekutive beauftragt, von ihrem persönlichen Gesichtspunkt aus eine Liste jener positiven Forderungen zusammenzustellen, die ihrer Meinung nach der Regierung vorgelegt werden sollen. Donnerstag, den 20. November, hielt die Zionistische Exekutive eine Sitzung ab, die bis spät in die Nacht andauerte. In dieser Sitzung wurden die Vorschläge für die an die Regierung zu stellenden Forderungen diskutiert. Da es bisher noch nicht feststeht, ob Pinchas Ruthenberg und Professor Frankfurter als Vertreter des Waad Leumi bzw. der amerikanischen Zionisten in der auf der Aktions-Comite-Tagung eingesetzten Politischen Kommission nach London kommen werden, nehmen Dr. H e x t e r und Professor Harold L a s k i als provisorische Vertreter Amerikas an den Beratungen teil. (Diese Darstellung ist offenkundig irrig, da die Teilnahme der Vertreter der Nichtzionisten gar nichts zu tun hat mit der erwarteten Teilnahme des Vertreters des Waad Leumi, Ruthenberg, und des Vertreters der amerikanischen Zionisten, Professor Frankfurter. — Anm. d. „R. J.“) Harold Laski, Professor der politischen Wissenschaften in London, ein Sohn des Mitgliedes des Board of Jewish Deputies Nathan Laski, wurde von den amerikanischen Mitgliedern der Jewish Agency ersucht, die Wahrung ihrer Interessen zu übernehmen, da er als jahrelanger Mitarbeiter von Judge Brandeis mit den amerikanisch-jüdischen Verhältnissen vertraut ist. Die Teilnahme Harold Laskis an den Beratungen wird im Hinblick auf seine ausgezeichneten Beziehungen zur englischen Regierung und seine großen Erfahrungen auf dem Gebiete der englischen Politik als bedeutender Gewinn für die jüdische Sache gewertet. Laski war viele Jahre lang mit Lord Paßfield eng befreundet, hat jedoch jetzt aus Empörung über das Weißbuch seine Beziehungen abgebrochen und sich, obwohl er sich bisher niemals aktiv jüdischpolitisch betätigt hat, entschlossen, den Kampf gegen das Weißbuch aufzunehmen. Hexter und Laski haben ein Verzeichnis der jüdischen Forderungen an die englische Regierung vom Standpunkt der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in Amerika ausgearbeitet. Auf Grund der Entwürfe der einzelnen Mitglieder der Zionistischen Exekutive sowie der Vorschläge Laskis wird ein Memorandum ausgearbeitet werden, das der Regierung anläßlich der eventuellen Wiederaufnahme der Verhandlungen vorgelegt werden soll. Der Londoner Zionistischen Exekutive wurde von der Palästina-Exekutive telegraphisch mitgeteilt, daß die Palästinaregierung Anstalten trifft, um Verordnungen auf Grund des Weißbuches zu erlassen. Das Telegramm traf einige Stunden vor der Vertagung der Konferenz ein, so daß Weizmann Gelegenheit hatte, seinen Inhalt der Konferenz zur Kenntnis zu bringen. Weizmann erklärte es für unfair, daß das Weißbuch in Kraft gesetzt werde, solange Verhandlungen im Gange sind. Außenminister Henderson gab die Versicherung ab, daß vor Beendigung der Konferenz keine Verfügungen auf Grund des Weißbuches getroffen werden würden; es sei aber nur natürlich, daß die Palästinaregierung Vorbereitungen treffe, um die ihr vom Kolonialamt erteilten Weisungen rechtzeitig ausführen zu können. Auf Veranlassung der Zionistischen Exekutive bleiben die Führer der palästinensischen Juden Arlosoroff, Berl Katznelson, Sprinzak und Rabbi Berlin während der Dauer der Verhandlungen mit der Regierung in London. Weizmann steht in ständiger Fühlung mit James de Rothschild, Sir Herbert Samuel und Lor Reading, deren Rat vor jedem wichtigen Schritt der jüdischen Konferenzteilnehmer eingeholt wird. Wenn auch kein Zweifel darüber bestehen kann, daß das Weißbuch auf Grund der Ergebnisse der Konferenz nicht zurückgezogen werden wird, ist doch das Bestreben der Jewish Agency darauf gerichtet, die weitmöglichsten Konzessionen seitens der Regierung zu erlangen. Der Stand der Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency London, 24. November. (JTA.) Sonnabend, den 22. November, hat die Regierung der Jewish Agency mitgeteilt, die Regierungsmitglieder würden Montag, den 24. November, noch nicht in der Lage sein, zu den Ausführungen Dr. Weizmanns in der Verständigungskonferenz eingehend Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen dürften daher erst Mittwoch, den 26. November, wieder aufgenommen werden. Enttäuschung über die Palästina-Debatte im Unterhaus London, 19. November. (JTA.) In zionistischen Kreisen ist man über den Verlauf der Palästina- Debatte im Unterhaus enttäuscht. Viele zionistische Führer haben ihrer Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß die geplante Konferenz der Regierung mit Vertretern der Jewish Agency keine praktischen Ergebnisse zeitigen könne, so lange das Weißbuch nicht zurückgezogen sei. Waad Leumi zur Palästina-Debatte im Unterhaus Jerusalem, 21. November. (JTA.) Der Waad Leumi hat sich in einer zweiten Sitzung mit dem Text der am Dienstag, den 18. November, gefaßten, der Regierung zu unterbreitenden Resolution (s. JTA.-Dienst Nr. 262, S. 1) befaßt und diesen Text einer neuen Redaktion unterzogen. Der endgültige Text lautet: Die Tatsache, daß die Regierung und außerdem noch der Ministerpräsident die Politik des Weißbuches im Unterhause bekräftigt haben, trifft die Judenheit Palästinas wie ein Donnerschlag. Dieser Bruch der gegenüber dem jüdischen Volk übernommenen Verpflichtungen bedeutet einen Angriff auf unsere Ehre und einen Versuch, die Arbeit in unserem Lande vergeblich zu machen. Wir erklären neuerlich mit allem Nachdruck, daß wir kein Vertrauen zu einer Regierung haben, die dieses Weißbuch zur Basis ihrer Politik macht. Der Jischuw ruft die Judenheit der ganzen Welt auf, den Kampf gegen die wiederholten Angriffe der Regierung auf den Jischuw fortzusetzen. Kein Fehlgriff irgendeiner Regierung kann das ewige Band zwischen Erez Israel und dem jüdischen Volke zerreißen. Unser Werk des Wiederaufbaus und der Erneuerung unseres Landes wird fortgesetzt werden. Aus dem weiteren Text der Resolution wurde der Passus, in dem Simpson- und Shaw-Bericht als „unehrlich und verräterisch“ bezeichnet worden waren, eliminiert. Dagegen wird in der neuen Fassung die Weigerung, mit der Regierung auf der Basis der Politik des Weißbuches zusammenzuarbeiten, in verschärfter Form ausgesprochen.

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