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Das jüdische Echo · 1930-11-21 · 47 (21.11.1930) · p. Seite 671

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
47 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
Seite 671 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 671 zum Judentum aufgezeigt. Dieser Teil gibt dem Laien ein außerordentlich geschlossenes Bild von Jesu Persönlichkeit, ist aber eigentlich wissenschaftlich neu nur an solchen Stellen, wo die Kenntnis jüdischer Zeitzustände ein Licht auf bisher unaufgeklärte Stellen im Neuen Testament wirft, z. B. bei der Frage des Abendmahls. Aus manchem Gesagten geht schon hervor, daß das ganze Werk mit einer doppelten Absicht geschrieben zu sein scheint: es sollte wissenschaftlich und populär zugleich sein. Es leuchtet ein, daß die Nachteile dieser Zwiespältigkeit hauptsächlich seinem wissenschaftlichen Wert schaden müssen. Als Wissenschaftler müßte Klausner manchmal vorsichtiger sein, wenn er auf intuitivem Wege überlieferte Ereignisse psychologisch deutet oder mangelnde Quellenberichte durch eine Darstellung ersetzt, wie „es gewesen sein könnte“; er müßte hier die Möglichkeit eines Zweifels zulassen oder sogar gelegentlich ein Nichtwissen eingestehen. Andererseits hat aber seine darüber hinausgehende Kühnheit einem weiten Publikum eine lückenlose, abgerundete Geschichte Jesu, des die Weltgeschichte bestimmenden Juden geschenkt. E. E. J üdischer Jugendkalender für 1930/31 (Jüdischer Verlag, Berlin) Der Jüdische Jugendkalender, der seit drei Jahren regelmäßig zum jüdischen Neujahrsfest erscheint und Emil Bernhard Cohn zum Herausgeber hat, ist für das Jahr 1930/31 erschienen. Die Großloge für Deutschland U.O.B.B. und die Jüdische Gemeinde Berlin hat die Jugendschriftenkommission zusammengestellt, die in gemeinsamer Arbeit diesmal ein besonders schönes Werk geschaffen hat. Äußerlich hat der Kalender mit seinen Illustrationen und seiner künstlerischen Ausgestaltung die alte Form behalten. Man merkt die steigende Mehrarbeit der Jugend selbst, reizende Illustrationen der Dreizehn- und Vierzehnjährigen zieren die teils heiteren, teils ernsten Beiträge, unter denen eine umfangreiche spannende Geschichte vom „Schinderhannes“ besonderen Eindruck macht. Lebensbeschreibungen berühmter Juden, ein Theaterstück, Bastelarbeiten, Rätsel wechseln miteinander ab. Ein schönes Zusammensetzspiel, das der Jugend besondere Freude machen wird, ist dem Buche beigegeben. Der Preis beträgt 2.85 RM., also ein beliebter Normalpreis, der erschwinglich und bei der glänzenden Ausstattung wirklich billig ist. Da eine neutrale Kommission aus allen Lagern des Judentums jeden einzelnen Beitrag von der Hand bekannter Pädagogen und Schriftsteller hat prüfen lassen, Personalia Frau Rosa Goldberg, eine vor allem in den Kreisen das Gesamtausschusses der Ostjuden wegen ihrer hingebungsvollen Hilfs- und Wohlfahrtsarbeit bekannte und hochgeschätzte Dame, feiert in diesen Tagen mit ihrem Gatten das Fest der silbernen Hochzeit; ein weiter Freundeskreis beglückwünscht sie aus diesem Anlaß und hofft, daß es ihr vergönnt sein möge, ihre edle Hilfstätigkeit mit unverminderter Kraft noch lange fortzusetzen. Gemeinden- und Vereins-Echo Schekelaktion 5691 Die Exekutive hat beschlossen, im Februar 1931 einen ordentlichen Kongreß abzuhalten. Der dürfen wir dem Buche den besten Erfolg wünschen. Dr. S. Die Affäre Dreyfus Zur Aufführung im Prinzregententheater Unter den mannigfachen Bearbeitungen, die die Dreyfus-Affäre gerade im letzten Jahre gefunden hat, dürfte das Schauspiel in 5 Akten von Hans I. Rehfisch und Wilhelm Herzog, das augenblicklich im Prinzregententheater in der Inszenierung von Karl Hans Böhm auf dem Spielplan steht, wenigstens in der Hinsicht die originellste sein, daß der Held der Affäre, Alfred Dreyfus, gar nicht erscheint. Möglich ist das nur deshalb, weil die „Affäre“ ja schließlich weit über die Bedeutung eines an sich freilich schon außerordentlich wichtigen Kriminalfalls hinausgegangen war; gewiß war allen Akteuren auch das persönliche Schicksal und die Rehabilitierung bzw. die Überführung Dreyfus’ oder die Verdunkelung der Machenschaften im Generalstab höchst wichtig, allein an diesen Kriminalfall knüpfte sich eine Auseinandersetzung zwischen Militär- und Zivilgewalt, zwischen altem und neuem Staat, zwischen Royalismus und Republikanismus, die ganz Frankreich aufwühlte und die zweifellos ein historischer Präzedenzfall für eine Auseinandersetzung ist, die sich — allerdings ohne das Symbol einer solchen Affäre und darum keineswegs in solcher Konkretheit — heute in Deutschland abspielt. Es ist Rehfisch und Herzog gelungen, diese tiefgreifende nationale Bedeutung der Affäre bei aller historischen Treue gegenüber Einzelheiten des Kriminalfalls darzustellen und das ist zweifellos das höchste Lob, das man ihrem Stück zollen kann — auch der Aufführung des Prinzregententheaters gelingt es dank einiger ausgezeichneter schauspielerischer Leistungen (Wernicke als Zola, Renar als Picquart, Stieler als Esterhazy), zum Teil Atmosphäre und Stimmung im wesentlichen zn vergegenwärtigen und die meisten der Hauptakteure in gelungenen Porträts festzuhalten. (Nur: welche Karikatur ist dieser Mathieu Dreyfus!) Die jüdische Seite der Affäre bleibt unerörtert trotz einiger Andeutungen über den in der Armee herrschenden Antisemitismus und einiger Bosheiten über das Verhalten der reichen Juden. Daß die Affäre Dreyfus die Problematik und die Tragik der jüdischen Emanzipation zum ersten Male den Juden demonstrierte, nachdem ein ganzes Jahrhundert die jüdische Problematik nur in ihrer Nichtemanzipation gesehen hatte, daß sie zwar eine für das Individuum Dreyfus und für die französische Nation befriedigenden Ausgang, im Jüdischen aber keine Lösung gefunden, jedoch ungeheure Wirkungen ausgelöst hat, das läßt diese „Affäre Dreyfus“ Rehfisch’s und Herzogs nicht einmal ahnen — so interessant und sehenswert sie auch ist. I. E. Kongreß, die oberste Instanz, soll in diesem historisch bedeutsamen Zeitpunkt der gesamten Welt den unerschütterlich festen Willen und die unbeugsame Entschlossenheit der Judenheit zum Aufbauwerk in Palästina zum Ausdruck bringen. Es wurde festgesetzt, den Schekel 5691 als Protestscheckei gegen die augenblickliche Politik der englischen Regiernug zu proklamieren. Jeder Schekelzahler soll sich bewußt sein, daß er durch die Zahlung seines Schekels teilnimmt an der großen Aktion 'des zionistischen Protestes gegen das Unrecht, das dem jüdischen Volk durch den Kurs der jetzigen englischen Regierung zugefügt wird. Ein imponierendes Ergebnis der diesjährigen Schekelaktion soll der Welt zeigen, daß die Ju-

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