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Das jüdische Echo · 1930-11-21 · 47 (21.11.1930) · p. Seite 667

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
47 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
Seite 667 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 667 manchmal die Tatsache übersehen, daß es in Palästina 800 000 Araber gibt, sei verschwindend gering. Die englische Regierung lädt die Jewish Agency zu einer Beratung über das Weißbuch ein Ankündigung eines neuen Statements über Palästina London, 16. November. (JTA.) Das Büro des englischen Ministerpräsidenten in Downingstreet hat nachstehendes Communiquee herausgegeben: Mit Rücksicht darauf, daß bezüglich der Vereinbarkeit einzelner Absätze des Weißbuches mit gewissen Artikeln des Palästinamandats Zweifel laut geworden sind und andere Absätze des Weißbuches Anlaß zu Mißverständnissen gegeben haben, hat die Regierung Sr. Majestät Vertreter der Jewish Agency zu einer Beratung über die betreffenden Gegenstände eingeladen. Da die am Mandat interessierten Parteien von dem lebhaften Wunsche beseelt sind, daß die korrekte Interpretation und unparteiische Anwendung der Bestimmungen des Mandats gesichert werde, besteht begründete Hoffnung, daß nach Veröffentlichung eines neuen Statements über diese Fragen bezüglich aller strittigen Punkte eine Einigung erreicht werden wird. In einer Besprechung dieses Regierungscommuniquees warnt „Manchester Guardian“ davor, daß die Einleitung von Verhandlungen zwischen Jewish Agency und Regierung zum Vorwand für eine weitere Hinausschiebung der Palästina-Debatte im Unterhause genommen werde. Das Parlament habe das Recht und die Pflicht, das gesamte Problem einer genauen Prüfung zu unterziehen. Die von der Regierung voi geschlagene Konferenz habe die Aufgabe, Zweifel zu lösen und Mißverständnisse zu beseitigen; es sei jedoch unwahrscheinlich, daß die Führer der Juden zufriedengestellt sein werden, solange nicht durch eine Regierungserklärung eine entsprechende Interpretation des Weißbuchs gegeben sei. Angesichts der Tatsache, daß die Regierung nunmehr bereit sei zuzugeben, das Weißbuch sei seinem Inhalt wie seiner Form nach ein Mißgriff gewesen, müsse darauf hingewiesen werden, daß es besser gewesen wäre, wenn Lord Passfield dem Verlangen Dr.Weizmanns, sich mit ihm vor Veröffentlichung des Weißbuches zu beraten, entsprochen hätte. Dadurch wäre der Öffentlichkeit das unerfreuliche Schauspiel einer dauernd schwankenden und unentschlossenen Regierung erspart geblieben. Der jetzige Schritt der Regierung sei klug, wenn er auch vielleicht etwas zu spät komme. Die jüdischen Gemeindewahlen in Berlin Starke Vermehrung der Wahllisten Berlin, 11. November. (JTA.) Bis zum Sonntag, den 9. November, an welchem Tage die Frist für Einreichung von Wahlvorschlägen betreffend die Wahlen zur Jüdischen Gemeinderepräsentanz verstrichen war, wurden bei der Hauptwahlleitung außer den Listen der Parteien, die sich schon bisher an den Gemeindewahlen beteiligt hatten, nämlich des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde, der Jüdischen Volkspartei, der Religiösen Mittelpartei, der Konservativen und der Poale Zion, noch folgende Listen eingereicht: Positive Liberal-jüdische Vereinigung, Überparteiliche Vereinigung, Deutsche Liste und noch eine Liste, über deren Authenzität eine Entscheidung noch nicht getroffen ist. Die Liste des Liberalen Vereins wird, wie schon mitgeteilt, geführt von Dr. h. c. Wilhelm Kleemann, Heinrich Stern, Berta Falkenberg, Wilh. Markus, Moritz Rosenthal, Wilh. Graetz, Dr. Martin Lesser und enthält noch die Namen Bruno Woyda, Max Eisenkrämer, Louis Wolff, Alfred Jaulus u. a. m. Die Liste der Jüdischen Volkspartei beginnt mit den Namen R.-A. Dr. Alfred Klee, Direktor Georg Kareski, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Ministerialrat Hans Goslar, Kaufmann Markus Hornstein und endet mit den Namen Lesser-Ury, Rabbiner Dr. Freier, Prof. Gotthold Weil und Prof. Simon Dubnow. Die Liste der Religiösen Mittelpartei wird von den folgenden Namen geführt: Kommerzienrat Gerson Simon, Syndikus Dr. Alfred Wiener, James Goldschmidt, R.-A. Dr. G. Holländer, Frau Ernestine Eschelbacher, Handelsrichter Louis Hackelberg, und enthält noch die Namen Moritz Dobrin, Kaufmann Fritz Wallach, Obermagistratsrat Dr. Adolf Neumann, Prof. Dr. Georg Bernhard, Geheimrat Dr. Ferdinand Blumenthal, Chefredakteur Fritz Goetz, Prof. Dr. M. Sobernheim. Listenführer der Konservativen sind Dr. Birnbaum und R.-A. Dr. Wiener. Die Liste der Poale Zion wird von Dr. Oskar Cohn, Dr. Georg Lubinsky, Samuel Lifschütz und Joseph Wahl geführt. Von den neuen Parteien sind bemerkenswert die — wie schon eingehend berichtet — von Dr. Ismar Freund gegründete „Überparteiliche Vereinigung“, deren Liste von Dr. Ismar Freund, Dr. Jos. Hirsch geführt wird und noch den Namen von Stadtrat Dr. Treitel enthält, sowie die „Positive Liberal-jüdische Vereinigung“. Unter diesem Namen hat sich in Berlin eine eigene liberale Gruppe gebildet, die zu den Wahlen zur Berliner Gemeinderepräsentanz und zum Preußischen Landesverband eigene Wahlvorschläge eingereicht hat. In dieser Gruppe ist die jüngere Generation stark vertreten, was auch durch die Kandidaten auf beiden Listen in Erscheinung tritt. Auf den Listen stehen u. a. die Namen Dr. Ludwig Tietz, Ludwig Schemel, Ernst Dosmar, Dr. Martin Goldner, Dr. Friedrich Brodnitz und Dr. Franz Eugen Fuchs. Dr. Brodnitz, Ludwig Schemel und Dr. Ernst Heinrich Seligsohn haben ihre Vorstandsämter in der Liberal-jüdischen Vereinigung niedergelegt. Die von den nationaldeutschen Juden (Richtung Naumann) eingereichte „Deutsche Liste“ enthält die Namen Amtsgerichtsrat Heilfron, Dr. A. Peyser, Walter Simon, Dr. Juliuse Werther u. a. m. Bei der vierten der neuen Listen handelt es sich um eine Gruppe, die sich linksdemokratische Volkspartei nennt und die an die Spitze ihrer Liste Dr. A. Singalowsky gesetzt hat. Wie wir erfahren, lehnt Dr. Singalowsky, der gegenwärtig nicht in Berlin weilt und dessen Name ohne sein Wissen auf die Liste gesetzt worden ist, eine Kandidatur ab. Auch Dr. Jacob Lestschinsky hat eine Kandidatur auf dieser Liste abgelehnt. Landesverbandswahlen nur in Berlin Berlin, 11. November. (JTA.) (Amtlich.) Am 9. November ist die Frist zur Einreichung von Kreiswahlvorschlägen abgelaufen. Die Bemühungen, einen Wahlkampf zu vermeiden, haben dazu geführt, daß in sämtlichen Wahlkreisen mit Ausnahme Berlins Einheitswahlvorschläge zustandegekommen sind. Demnach werden am 30. November Wahlen zum Verbandstage des Preußischen Landesverbandes nur in Berlin stattfinden.

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